Die Nasamonen waren im antiken Nordafrika beheimatet, hauptsächlich im Gebiet des heutigen Libyen. Erwähnt wird dieser Volksstamm zum ersten Mal bei Herodot.[1] Genannt werden die Nasamonen auch bei Pseudo-Skylax,[2] Diodor[3], Strabon[4], Ptolemaios[5] und bei Plinius dem Älteren.[6] Die meisten der genannten antiken Autoren lokalisieren die Nasamonen in der Großen Syrte. Auf der Peutingerschen Tafel ist der Name Nesamones zu finden.

Nach Auskunft Herodots lebten die Nasamonen nomadisch: Im Sommer ließen sie ihre Herden im Küstengebiet weiden und zogen währenddessen zur Oase Augila, um dort Datteln zu ernten. Ihre Toten begruben sie in sitzender Stellung. Außerdem berichtet Herodot von Polygamie und ungewöhnlichen Hochzeitsbräuchen bei den Nasamonen.[7] Herodot erzählt überdies von einer Entdeckungsreise von der Cyrenaika ins Innere von Afrika, die von 5 nasamonischen Männern unternommen worden sei. Diese Reisenden seien bis zu großen Sümpfen vorgestoßen und hätten eine große, von Pygmäen bewohnte Stadt gefunden, deren Sprache für sie unverständlich gewesen sei. Dann seien sie zu einem Fluss gekommen, in dem sich Krokodile befunden hätten (diesen Fluss identifiziert Herodot mit dem Nil).[8] In den „Pharsalia“ des römischen Dichters Lucan werden die Nasamonen als ein primitiv lebendes Volk von Piraten beschrieben.[9]

Zu Beginn der römischen Kaiserzeit wurden die Nasamonen offenbar nach Süden abgedrängt. Im Jahre 84/85 n. Chr. unternahm der römische Prätor Cn. Suellius Flaccus im Auftrag des Kaisers Domitian einen siegreichen Feldzug gegen die Nasamonen, wodurch sie anscheinend noch weiter nach Süden zurückgeworfen wurden.[10] Bei späteren, auch byzantinischen Autoren finden die Nasamonen dann noch vereinzelt Erwähnung.[11]

Literatur

  • Jehan Desanges: Catalogue des tribus africaines. De l’antiquité classique à l’ouest du Nil. Université de Dakar, 1962.
  • Christian F. Feest, Karl-Heinz Kohl (Hrsg.): Hauptwerke der Ethnologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 380). Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-38001-3.
  • Martin Seewald: Lucan. 9,1-604. Ein Kommentar. Dissertation, Universität Göttingen 2002.[12]
  • Richard Pietschmann: Augila. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,2, Stuttgart 1896, Sp. 2312.

Einzelnachweise

  1. Herodot, Historien 4,172 f.
  2. Pseudo-Skylax 109.
  3. Diodor, Historische Bibliothek 3,49.
  4. Strabon, Geographika 2,31.
  5. Ptolemaios 4,5,12.
  6. Plinius der Ältere, Naturalis historia 5,33.
  7. Herodot, Historien 4,172.
  8. Herodot, Historien 2,32.
  9. Lucan, Pharsalia 9,441–444; siehe dazu auch Martin Seewald: Lucan. 9,1-604. Ein Kommentar. Dissertation, Universität Göttingen 2002.
  10. Cassius Dio, Römische Geschichte 67,4,6.
  11. Zum Beispiel Johannes Zonaras, Epitome Historion 11,19.
  12. Seewald, Martin: Lucan. 9,1-604, Dissertation, hier als PDF verfügbar