La Venta (Mexiko)


La Venta und weitere Fundstätten im Kernland der Olmekenkultur am Golf von Mexiko
Lageplan
Eines der vergrabenen Mosaike, bestehend aus etwa 500 Serpentinblöcken
Altar 4
Altar 5
„Die Schwiegermutter“ (Monument 5)
Skulptur aus La Venta

La Venta ist eine archäologische Fundstätte in Mexiko. Es war ein Zeremonialzentrum der Olmeken.

Ortsbestimmungen

Historisch

La Venta ist die namengebende Fundstätte der La-Venta-Kultur, wie die Kultur der Olmeken auch genannt wird. Sie erwuchs aus einer landwirtschaftlich geprägten Kultur, deren Anfänge etwa ab 1500 v. Chr. nachweisbar sind. Obwohl die urbane Olmekenkultur ihren Schwerpunkt zunächst in San Lorenzo Tenochtitlán hatte und Siedlungsschichten in La Venta bereits ab 1200 v. Chr. vorliegen, erreichte La Venta seine eigentliche Bedeutung erst mit dem Niedergang San Lorenzos um 900 v. Chr. Die Blütezeit La Ventas ist mit 800 bis 400 v. Chr. anzusetzen.[1]

Der Fundort ist durch die Anlage einer Erdölraffinerie und eines (inzwischen aufgegebenen) Flugplatzes, sowie durch eine Siedlung weitgehend zerstört.

Geographisch

La Venta liegt auf einer kleinen Erhebung in einer Sumpf- und Flusslandschaft des Tonala im Herzland der Olmekenkultur, die sich auf einem 200 Kilometer langen und 80 Kilometer breiten Streifen entlang der Küste des Golfes von Mexiko im Gebiet der heutigen mexikanischen Bundesstaaten Tabasco und Veracruz erstreckte. La Venta selbst ist etwa 16 Kilometer von der Küste entfernt und kontrollierte vermutlich die Region zwischen Rio Mezcalapa und Rio Coatzacoalcos. Die bebaute Zone umfasst etwa 2 km² und ist entlang einer Linie ausgerichtet, die acht Grad nordwestlich geneigt ist. Unweit liegt San Andres, das vor 2500 Jahren offensichtlich als Wohnsiedlung mit La Venta assoziiert war. Laguna de los Cerros und Tres Zapotes sind weitere wichtige Fundstätten der Region, die die Grundlagen unseres Wissens über die erste, heute bekannte, elaborierte Kultur Mesoamerikas lieferten.

Gliederung

La Venta ist in mehrere Baukomplexe unterteilt. Die wichtigsten davon sind A, B und C. Anders als die späteren Bauwerke der Maya bestand die Architektur La Ventas nicht aus solidem Stein, der in der Gegend kaum vorkommt, sondern aus Erde und Ton. Die Basalt-Steine, die aus der Sierra de los Tuxtlas herbeigebracht wurden, wurden fast ausschließlich für "Altäre", Stelen und Kolossalstatuen verwendet. So stammen die Basaltsäulen, die den Komplex A umgeben, aus Steinbrüchen bei Punta Roca Partida nahe dem San Andres Tuxtla Vulkan.[2] Typisch für die olmekische Kultur ist auch die Einfärbung des bewohnten Gebiets durch farbige Erdschichten. In La Venta findet man rote, grüne, blaue, weiße, rosa und purpurfarbene.[3]

Komplex A

Im nördlichen Teil der Ausgrabungsstätte liegt Komplex A. Umgeben von Basaltsäulen befinden sich Plätze und Erdaufschüttungen, die eine Menge vergrabener Objekte bargen. Zu nennen sind Votivmasken, Figurinen, Zeremonialäxte und massive Blöcke aus Jadeit und Serpentin. Ebenfalls zu Komplex A gehören drei rechteckige Mosaike aus bis zu 485 Serpentitsteinen. Jedes hat fast 20 Meter Seitenlänge. Die Mosaike wurden als abstrakte Maskendarstellung eines Jaguarmenschen interpretiert,[4] aber auch als olmekischer Drache,[5] als Kosmogramm[5] oder als stilisierte Karte La Ventas.[6]. Die Mosaike waren offensichtlich nicht der Betrachtung gewidmet, denn sie wurden kurz nach ihrer Vollendung mit mehreren farbigen Erdschichten abgedeckt. Man fand sie in acht Meter Tiefe. Ebenfalls zu Komplex A gehören fünf Gräber, die eng in die Gesamtarchitektur integriert sind, was Diehl[7] vermuten ließ, dass der gesamte Komplex A dem Begräbnis und Gedenken wichtiger Herrscherpersönlichkeiten gedient hat.

Komplex B

Südlich der großen Pyramide (Komplex C) liegt Komplex B. Er umfasst längliche Erdaufschüttungen und einen Platz von circa 350 auf 80 Meter. Möglicherweise diente er größeren Versammlungen. Die größte Erdaufschüttung liegt am östlichen Rand des Komplexes. Zu Ehren Matthew Stirlings, eines Archäologen, der in den 1940er-Jahren den Fundort systematisch untersuchte, wird sie Stirling-Akropolis genannt.

Komplex C

Pyramide
La Venta. Pyramide
La Venta, Tabasco

Komplex C enthält eine der frühesten bekannten Pyramiden Mittelamerikas. Sie war 33 Meter hoch und beinhaltete ein Volumen von etwa 100.000 Kubikmetern, das mit Erde aufgefüllt war. Die heutige Kegelform der Pyramide ließ zunächst daran denken, dass es sich dabei um eine Darstellung eines Vulkans gehandelt haben könnte, es konnte jedoch gezeigt werden,[8] dass die Pyramide ursprünglich gestufte Seiten aufwies und die jetzige Kegelform eine Folge der Erosion ist. Die Pyramide selbst ist bis heute nicht aufgegraben worden. Magnetographische Untersuchungen haben jedoch an ihrem südlichen Rand einen auffälligen Befund erbracht, der auf weitere Opfergaben oder ein Grab hindeuten könnte.

Die in La Venta gefundenen Artefakte sind heute zum großen Teil im archäologischen Museum von Villahermosa (Parque-Museo de La Venta) ausgestellt.

Literatur

Siehe auch

Weblinks

Belege

  1. Diehl: The Olmecs. America's First Civilization. Seite 81
  2. Coe u. a.: Atlas of Ancient America. Seite 95
  3. Bildatlas der Archäologie. Seite 344
  4. Diehl: The Olmecs. America's First Civilization. Seite 73
  5. 5,0 5,1 Pool: Olmec Archaeology and Early Mesoamerica. Seite 161
  6. Reilly, Seite 125–135
  7. Diehl: The Olmecs. America's First Civilization. Seite 70
  8. Rebecca Gonzales-Lauck, zitiert von Susan Evans: Archaeology of Ancient Mexico and Central America.

18.105277777778-94.031666666667Koordinaten: 18° 6′ 19″ N, 94° 1′ 54″ W


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...
03.09.2020
Künstliche Intelligenz hilft in der Archäologie
Künstliche Intelligenz ist besser als bisherige Softwareanwendungen in der Lage, den Ursprung archäologischer Funde aus naturwissenschaftlichen Unte...
26.08.2020
Bronzezeit: Fremde Ernährungstraditionen in Europa
Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit beeinflusste auch ein neues Lebensmittel die ökonomische...
26.08.2020
Wie sich Neandertaler an das Klima anpassten
Klimaveränderungen kurz vor ihrem Verschwinden lösten bei den späten Neandertalern in Europa eine komplexe Verhaltensänderung aus: Sie entwickelte...
17.08.2020
Radiokarbonuhr zur C-14 Datierung neu geeicht
Die Radiokarbondatierung wird genauer als je zuvor: Als Teil eines internationales Forschungsteam trug die Universität Hohenheim dazu bei die Technik...
06.08.2020
Langer Hals half Saurier bei Unterwasserjagd
Sein Hals bestand aus dreizehn extrem verlängerten Wirbeln und war dreimal so lang wie sein Rumpf: Der Giraffenhalssaurier Tanystropheus lebte vor 24...