Die Krokodilnekropole von El-Maabdeh (auch el-Maabde oder Maabda(h)) ist eine Höhle und als eine der ältesten Krokodil-Nekropolen des Alten Ägypten ein bedeutender archäologischer Fundort. Die Höhle befindet sich in Mittelägypten am Fuß des Berges Gebel Abu-Foda[1] gegenüber Manfalut[2] unweit vom Flussufer östlich des Nils. Entdeckt wurde sie während einer Ägyptenexpedition im Jahr 1873/74 unter der Leitung von Paolo Panceri, Professor für vergleichende Anatomie an der Universität von Neapel, in Kooperation mit dem Museo Civico di Storia Naturale di Milano.

Die Höhle ist natürlichen Ursprungs. Der Eingang ist geräumig und verzweigt sich allmählich in viele kleine Kammern, welche nur kriechend erreicht werden können. In diesen Kammern wurden Krokodilmumien beigesetzt. Darin finden sich außerdem viele menschlichen Mumien von Männern, Frauen und Kindern besetzt, welche teils auf dem Rücken liegend, teils an den Seitenwänden der Höhle stehend positioniert sind. Viele der Mumien sind zerstört und ihre Glieder auf dem Boden verteilt, wahrscheinlich durch Grabplünderer in den vergangenen Jahrhunderten. Die Vielzahl der Krokodilmumien ist beeindruckend. Die größeren Mumien sind überall und dicht nebeneinander und übereinander gelegt, während sie von einer noch größeren Vielzahl von mumifizierten kleineren Krokodilen umgeben sind.

Die Grotte wurde hauptsächlich in römischer Zeit genutzt.

Literatur

  • The Crocodile Pits of Maabdeh. In: Evening Post. Band 49, Nr. 10 vom 12. Januar 1895, S. 2 (Digitalisat)
  • Georges Legrain: Maabdeh. In: Annales du Service des Antiquités de l'Égypte. Band 1, 1900, S. 4 (PDF; 11,4 MB).
  • Karl Richard Lepsius: Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien. Text Band 2, Hinrichs, Leipzig 1904, S. 152 (Onlineversion).
  • Bertha Porter, Rosalind L. B. Moss: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings. IV. Lower and Middle Egypt. Clarendon Press, Oxford 1934, S. 241 (PDF 14,3 MB).
  • Rolf Gundlach: El Maabde. In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie. Band 3. Harrassowitz, Wiesbaden 1980, ISBN 3-447-02100-4, Spalte 1107.
  • Thierry Zimmer: Les grottes des crocodiles de Maabdah (Samoun). Un cas extreme d’analyse archéologique. Van Siclen Books, San Antonio 1987, ISBN 0-933175-13-2.
  • Ursula Rößler-Köhler: 1. Vorbericht über die Grabungsaktivitäten des Bonner Ägyptologischen Seminars in der antiken Stadt bei al-Maʿabda in Mittelägypten. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Abteilung Kairo. (MDAIK) Band 50, 1994, S. 253–268.
  • Joris Peters, Angela von den Driesch: Archäozoologisch-kulturhistorische Auswertung frühgeschichtlicher Krokodilknochen aus Al-Ma'abda (Mittelägypten). In: Bonner zoologische Beiträge. Band 50, Nr. 3, 2002, S. 211–219 (PDF 1,8 MB).
  • Andreas Effland: "Es sind Männer hier gewesen, deren Berichten man Glauben schenken muß...": Karl May und die Krokodilgrotte von Maabda. In: Nicole Kloth u. a. (Hrsg.): Es werde niedergelegt als Schriftstück. Festschrift für Hartwig Altenmüller zum 65. Geburtstag. Buske, Hamburg 2003, ISBN 3-87548-341-3, S. 57–69 (eingeschränkte Onlineversion).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. John Gardner Wilkinson: A Handbook for Travellers in Egypt: Including Descriptions of the Course of the Nile Through ... 5th revised edition, Murray, London 1875, S. 367.
  2. John Gardner Wilkinson: Manners and customs of the ancient Egyptians: including their ... Band 3, Murray, London 1837, S. ?.

Koordinaten: 27° 20′ 0″ N, 31° 1′ 30″ O

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