Jostbergkloster


Das Jostbergkloster war eine Niederlassung der Franziskanerobservanten auf einem Höhenzug des Teutoburger Waldes südwestlich von Bielefeld. Erhalten haben sich die Grundmauern der spätgotischen Klosterkirche.

Geschichte

Ein Kreuz hinter dem Chor der Klosterruine
Blick in den ehemaligen Chorraum
Südliche Langhauswand

In einer Urkunde des Jahres 1483 stellte Bischof Simon III. von Paderborn fest, dass zwei Jahre zuvor Gläubige auf dem Loyckhuserberge begonnen hatten, den heiligen Eremiten Jodokus, den Schutzpatron der Pilger, in einem Häuschen (domunculam) zu verehren. Da eine Wallfahrt entstanden war, erlaubte der Bischof den Bau einer dem Jodokus und der heiligen Maria geweihten Kapelle. Spätestens 1496 baten der Bielefelder Franziskaner Johannes Schrage und sein Bruder Wessel den Herzog Wilhelm von Jülich und Berg, Grafen von Ravensberg, darum, Franziskaner zu berufen, um den Jodokuskult vor Ort mit Hilfe einer klösterlichen Niederlassung zu betreuen. Nach einer Absage durch den Orden kam es erst 1498 nach Intervention Papst Alexanders VI. zur Gründung eines Observantenklosters mit Übernahme der bestehenden Kapelle.

1501 erhielten die Franziskaner aus Rom die Genehmigung, das Kloster an einer anderen Stelle auf dem Berg neu zu bauen. Der Neubau wurde 1502 geweiht. Jedoch beklagten sich die Brüder über den Wind im Winter und Wassermangel im Sommer sowie über die Abgeschiedenheit, die die Seelsorge und das Betteln erheblich behindern würden. Am 10. Juni 1507 genehmigte Papst Julius II. eine Übersiedlung des Klosters in die Stadt Bielefeld, wo den Franziskanern ein Grundstück an der Obernstraße geschenkt worden war. Die neue Klosterkirche St. Jodokus und Franziskus wurde 1511 konsekriert.

Bau und Anlage

Die spätgotische Klosterkirche ist in Grundmauern in einer Höhe bis zu einem Meter erhalten. Der Chor ist 9,1 Meter breit und 14 Meter lang. Die Kirche war einschiffig mit drei Jochen und hatte einen 5/8-Chorschluss und eine Gesamtlänge von 24,4 Metern Innenmaß.

Die Ruine der Klosterkirche wurde 1912 auf Veranlassung der Stadt Bielefeld und 1966 durch die römisch-katholische Kirchengemeinde St. Jodokus freigelegt. Seitdem zerfiel das Bauwerk; Souvenirjäger hatten wiederholt Stücke herausgebrochen. Erst 1993/94 erfolgte eine archäologische Grabung und Dokumentation. Die Instandsetzung und teilweise Restaurierung der Kirchenruine wurde 2009 beendet.

Literatur

  • Daniel Bérenger: Müdehorst und Jostberg. Zwei Klosterkirchenruinen in Bielefeld. In: Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg 92 (2007), S. 7-26.
  • Daniel Bérenger: Bielefeld: Die Klosterkirchenruine auf dem Jostberg, In: Ostwestfalen-Lippe – Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8062-2303-3
  • Roland Pieper: Jostberg bei Bielefeld. Aspekte zu einem Franziskanerkloster in Passlage. In: R. Averkorn (Hg.): Europa und die Welt in der Geschichte. Festschrift zum 60. Geburtstag von Dieter Berg, Bochum 2004, S. 813-832.
  • Michael Zozmann: Die Geschichte des Klosters auf dem Jostberg bis zu seiner Verlegung in die Stadt Bielefeld im Jahr 1511. In: Johannes Altenberend, Josef Holtkotte (Hrsg.): St. Jodokus 1511 - 2011. Beiträge zur Geschichte des Franziskanerklosters St. Jodokus in Bielefeld. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-89534-911-9, S. 25-40.

52.0107555555568.4902777777778Koordinaten: 52° 0′ 39″ N, 8° 29′ 25″ O


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