Hannibal Gisko († 258 v. Chr. in Karthago) war ein karthagischer Kommandeur sowohl der Armee als auch der Flotte im Ersten Punischen Krieg.

Über Giskos frühes Lebens und Karriere ist nichts bekannt. In den Quellen tritt er erstmals im Jahr 261 v. Chr. als kommandierender General der von den Römern belagerten Garnison in der Schlacht von Agrigent auf. Trotz der Beharrlichkeit, die seine Männer und er über Monate hinweg zeigten und trotz des Entsatzes, den ein Hanno heranführte, fiel die Stadt in römische Hand. Gisko gelang es, in den letzten Zügen der Schlacht nach Karthago zu entfliehen. Offensichtlich schadete diese Niederlage, die mehr römischem Eigensinn als seiner Unfähigkeit zu verdanken ist, seiner Karriere nicht. Im folgenden Jahr tritt Gisko erneut auf, jetzt als Admiral der karthagischen Flotte in der Straße von Messina. Die Römer bereiteten den Stapellauf ihrer ersten Flotte vor und mussten aufgehalten werden. Gisko schlug den Konsul Gnaeus Cornelius Scipio in der Schlacht bei den Liparischen Inseln und ließ ihn durch seinen Unteroffizier Boodes gefangen nehmen, aber dieser Sieg war bedeutungslos (außer für Scipio, der für diese Leistung den Beinamen „Asina“ (Esel) erhielt), da die Masse der römischen Flotte weiterhin in den umgebenden Gewässern manövrierte.

Später im Jahr 260 v. Chr. traf Gisko auf ebendiese Flotte und war dann der erste punische General, der Bekanntschaft mit dem Corvus, einer Vorrichtung zum Entern gegnerischer Schiffe, und seiner tödlichen Wirkung machte. Im Vertrauen auf Karthagos Überlegenheit zur See setzte Gisko seine Schiffe in der Seeschlacht von Mylae in der traditionellen Linie ein. Mit oder ohne Erfahrung, die Römer unter Konsul Gaius Duilius schlugen die karthagische Flotte vernichtend, im Wesentlichen aufgrund der Anwendung von an Land bewährten Kampftechniken in der Seekriegsführung. Gisko verlor aufgrund dieser Niederlage das Zutrauen seiner politischen Führung und wurde von seiner Stellung abberufen, aber nicht bestraft. Er sollte dann Sardinien verteidigen, unterlag aber 258 v. Chr. dem Konsul Gaius Sulpicius Paterculus in der Schlacht bei Sulci und wurde von seinen unzufriedenen Untergebenen gekreuzigt.

Weblinks

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.