Gehängeband


Ein Gehängeband ist ein magisches Amulettband, das im Frühmittelalter von westgermanischen Frauen getragen wurde. Es sollte Unheil abwenden und wurde offen über der Kleidung entlang des Oberschenkels angebracht.

Trageweise

Das Gehängeband war Bestandteil der Tunika ähnlichen Vierfibeltracht. Es wurde mit zwei paarig übereinander angebrachten Bügelfibeln an einer Schärpe im vorderen Beckenbereich befestigt, die über einem Gürtel (cingulum) getragen wurde.

Im Verlauf des 5. Jahrhunderts sind Gehängebänder erstmals im Inventar westgermanscher Frauengräber nachweisbar. Sie kommen mit der Einführung der Vierfibeltracht auf. Im Verlauf des 6. Jahrhunderts werden die Bügelfibeln größer und von ihren Trägerinnen immer tiefer Richtung Knie getragen. Am Übergang vom 6. zum 7. Jahrhundert gerät die Vierfibeltracht allmählich aus der Mode. Das Gehänge wird fortan an der linke Seite über der Hüfte getragen. Es wird von nun an direkt am Gürtel ohne die Bügelfibeln befestigt, die aus dem Inventar der Gräber nach und nach verschwinden und im späteren 7. Jahrhundert nicht mehr nachweisbar sind.

Das Band an sich war aus Leder oder aus Stoff gefertigt, das bei wohlhabenderen Frauen mit Bronze-oder Silberblech beschlagen gewesen sein konnte. Am unteren Ende wurde das Gehängeband mit einem Ziergegenstand beschwert. Dieser Gegenstand konnte eine Zierscheibe aus Metall oder eine große Millefioriperle sein, aber auch Tierzähne, Schlüssel oder ähnliche Gegenstände kommen vor. In einigen Gräbern finden sich hier auch kleine Messer.

Quellenlage

Ebenso wie zur Vierfibeltracht, sind auch zum Gehängeband keine zeitgenössische Bilddokumente oder Beschreibungen bekannt. Kenntnis über Trageweise und Funktion der Gehängebänder erhalten Archäologen nur aus systematischen Ausgrabungen von germanischen Gräberfeldern. Da nach germanischer Tradition die Toten in ihrer Tracht bestattet wurden, sind hier aussagefähige Befunde zu erwarten.[1]

Da das Gehängeband selbst gewöhnlich aus einem sehr vergänglichen organischem Material bestand, kann es nur anhand seiner anorganischen, metallischen Bestandteile rekonstruiert werden. Von besonderer Aussagekraft sind hierbei die Gräber wohlhabenderer Frauen, bei denen das Gehängeband mit einem Blech aus Metall beschlagen war.

Ein besonders gut erhaltenes und nicht von Grabräubern geplündertes Grab stellt in diesem Zusammenhang die Grablege im Kölner Dom einer mutmaßlichen fränkischen Prinzessin, das sogenannte Wisigarde-Grab, aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts dar.[2]

Eine weitere wichtige Quelle ist das reich ausgestaltete Frauengrab 91b aus dem frühen 6. Jahrhundert im Gräberfeld von Köln-Müngersdorf. Dieses Grab zeigt deutliche Hinweise auf ein silberbeschlagenes Amulettband.[3]

Literatur

  • Carl Dietmar, Marcus Trier: COLONIA - Stadt der Franken: Köln vom 5. bis 10. Jahrhundert. DuMont Buchverlag, Köln 2011. S. 93.
  • Karin Krapp: Die Alamannen: Krieger – Siedler – frühe Christen. Theiss, Stuttgart 2007. ISBN 3-8062-2044-1. S. 118ff.
  • Rosemarie Müller, Heiko SteuerFibel und Fibeltracht. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 8, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1994, S. 549–556.
  • Ulrike Müssemeier: Tracht und Schmuck der Frauen. In: Gehard Bauchhenß: Die Franken in Wesseling. Rheinland-Verlag, Köln 1997. S. 54-69.
  • Helga Schach-Dörges: Zur Vierfibeltracht der älteren Merowingerzeit. In: Claus Dobiat (Hrsg.): Reliquiae gentium. Festschrift für Horst Wolfgang Böhme zum 65. Geburtstag. Rahden 2005. S. 349-357.
  • Frank Sigmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinland-Verlag GmbH Köln, 1998, S. 55f.
  • Gudula Zeller: Tracht der Frauen. In: Alfried Wieczorek, Patrick Périn, Karin von Welck, Wilfried Menghin: Die Franken – Les Francs. Band 2. Zabern, Mainz 1996. S. 673ff.

Anmerkungen

  1. Müssemeier 1997, S. 54.
  2. Otto Doppelfeld: Die beiden fränkischen Gräber unter dem Kölner Dom. In: Otto Doppelfeld, Renate Pirling: Fränkische Fürsten im Rheinland. Die Gräber aus dem Kölner Dom, von Krefeld-Gellep und Morken. Rheinland-Verlag, Düsseldorf 1966. S. 30-49.
  3. Fritz Fremersdorf: Das fränkische Gräberfeld Köln-Müngersdorf. de Gruyter Verlag, Berlin 1955. S. 115, 133, 147f, Taf. 47.

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