Fusang-Baum in einer Darstellung einer Abreibung der Reliefs an den Wu Liang Shrines, 2. Jh.

Fusang (chinesisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value), Pinyin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value)) ist ein mythologischer Begriff in der antiken Chinesischen Literatur. Er bezeichnet verschiedene Orte, und teilweise auch (Lebens-)Bäume. Oft beschreibt er ein geheimnisvolles Land im Osten.

Im Shanhaijing und mehreren zeitgenössischen Texten,[1] bezieht sich der Begriff auf einen mythologischen Baum des Lebens, abwechselnd identifiziert mit dem Maulbeer- oder Hibiskusbaum. Sein Standort wird gewöhnlich weit im Osten von China, sowie teilweise in variierenden konkreten Gebieten östlich von China verortet.[1][2]

Mythologie

Ein Land mit dem Namen Fusang wurde von dem buddhistischen Missionar Hui Shen (chinesisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value), Pinyin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value)) erstmals 499 n. Chr. beschrieben.[3] Er gibt an, dass es ein Ort „20.000 Chinese li östlich von Da-han“ sei und damit östlich von China. Joseph Needham setzt Da-han mit einer Region gleich, die heute als Burjatien in Siberien bezeichnet wird.[1] Hui Shen fuhr mit dem Schiff nach Fusang und bei seiner Rückkehr berichtete er dem Chinesischen Kaiser. Seine Beschreibungen sind im Liang Shu, einem Text aus dem 7. Jahrhundert von Yao Silian niedergeschrieben. Darin wird eine bronzezeitliche Zivilisation beschrieben. Das Fusang aus dieser Beschreibung wurde verschiedentlich verortet, unter anderem als Beschreibung von Amerika, Sachalin, der Kamtschatka-Halbinsel oder der Kurilen. Die Amerika-Hypothese wurde im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert heiß diskutiert, nachdem Schriften von Joseph de Guignes aus dem 18. Jahrhundert neu herausgegeben und von Charles Godfrey Leland 1875 verbreitet wurden. Sinologen wie Emil Bretschneider, Berthold Laufer und Henri Cordier lehnten die Hypothese jedoch ab und bis zum Ersten Weltkrieg waren die Diskussionen darum beigelegt.[1]

Spätere chinesische Schriften benutzen den Namen „Fusang“ für andere, weit weniger definierte Orte.[1]

Mythologische Darstellung

Ein früher Bericht erzählt, dass der Kaiser Qin Shihuangdi 219 v. Chr. eine Expedition von 3.000 Verurteilten entsandte zu einem Ort weit im Osten, hinter dem Ozean. Dieser Ort wurde Fusang genannte und die Verurteilten sollten Opfer für einen Vulkangott sein, der ein Lebenselixier in seinem Besitz hatte. Es gab tatsächlich wohl zwei Expeditionen unter Xu Fu, dem Hofzauberer, auf der Suche nach dem Elixir des ewigen Lebens. Die erste Expedition kehrte um 210 v. Chr. zurück und Xufu behauptete, ein gigantisches Seemonster hätte den Zugang versperrt. Auf die zweite Expedition wurden zahlreiche Bogenschützen mitgesandt um das Monster zu erlegen, aber niemand hörte mehr von der Mannschaft. Jedoch, „...Anmerkungen in dem Buch der Geschichte deuten an, dass der Expeditionsleiter Xu Fu schon lange nach China zurückgekehrt sei und irgendwo bei Langya herumlungerte und das beeindruckende Budget verlebte.“[4]

Interpretationen der Darstellung von Hui Shen

Ost-Japan

Eine mögliche Zuordnung für Fusang ist Japan. Hui Shens Bericht unterscheidet jedoch Fusang vom antiken japanischen Königreich Wo, welches vermutlich in den Regionen Kinki, Kyūshū, oder den Ryūkyū-Inseln verortet war.[5]

In der chinesischen Mythologie bezeichnet Fusang einen göttlichen Baum und eine Insel im Osten, dort, wo die Sonne aufgeht. Ein vergleichbarer Baum, der „Ruomu“ (若木) existiert im Westen und es hieß, jeden Morgen ginge die Sonne vom Fusang auf und fiel Abends in den Ruomu. Chinesische Legenden erzählen zehn Vögel (typischerweise Raben) lebten in dem Baum und während neun ruhen, würde der zehnte die Sonne auf ihrer Reise tragen. Diese Legende enthält Anklänge an das chinesische Märchen vom Bogenschützen Houyi, der die Welt rettete, indem er neun der zehn Sonnen vom Himmel schoss, als eines Tages alle zehn in den Himmel stiegen. Einige Gelehrte haben auch die Bronze-Bäume aus der archäologischen Stätte Sanxingdui mit den Fusang-Bäumen in Verbindung gebracht.

In der chinesischen Dichtung bezeichnete Fusang später direkt „Japan“ zumal das japanische Nihon (日本) wörtlich „Wurzel [= Quelle, Geburtsort, Ursprung] der Sonne“ bedeutet (Chinesisch Riben). Einige Dichter Tang-Dynastie glaubten Fusang „liege zwischen dem Festland und Japan“.[6] Wang Wei (王维) schrieb 753 ein Abschiedsgedicht als Abe no Nakamaro (Chin.: Zhao Heng 晁衡) nach Japan zurückkehrte, in dem er schrieb: „The trees of your home are beyond Fu-sang.“[7]

Fusang wird im Japanischen „Fuso“ (ふそう 扶桑, vom klassischen Fusau ふさう) ausgesprochen und ist einer der antiken Namen von Japan. Mehrere Kriegsschiffe der Kaiserlichen Japanischen Marine wurden „Fusō“ benannt (beispielsweise die eisengepanzerte Fusō und das Schiff Fusō, 1915, Zweiter Weltkrieg) und auch verschiedene Firmen (Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation) tragen noch heute den Namen.

Gustaaf Schlegel verortete Fusang in Karafuto oder Sachalin[8]. Joseph Needham ergänzte, dass „wenn Kamtschatka und die Kurilen ebenfalls in Betracht gezogen werden können, es keine bessere Möglichkeit der Identifizierung zum gegenwärtigen Tag gibt“.[1]

In Japan selbst gab es eine alte Provinz Fusa-no kuni (Land von Fusa) im Osten von Honshū, heute das Gebiet der Präfektur Chiba und Teile des südwestlichen Ibaraki.

Amerika

Karte des französischen Kartographen Philippe Buache (1753). Fusang („Fou-sang des Chinois“, 'Fusang der Chinesen') nördlich von Kalifornien, im Gebiet von British Columbia.

Einige Historiker wie Charles Godfrey Leland und Joseph de Guignes (Le Fou-Sang des Chinois est-il l'Amérique? Mémoires de l'Académie des Inscriptions et Belles Lettres, t. 28, Paris 1761) nehmen an, die Distanzen, welche von Hui Shen angegeben werden (20.000 Chin. Li), würden Fusang an die Westküste des Amerikanischen Kontinent verlegen, angenommen die Definition des li zur Zeit der Han-Dynastie. Einige europäische Karten des 18. Jahrhunderts verorten Fusang nördlich von Kalifornien, im Gebiet des heutigen British Columbia. Ein Ort in Amerika lässt sich allerdings nicht mit der Aussage in Deckung bringen, dass es Pferde gebe (die zu der Zeit in Nord- oder Südamerika nicht vorhanden waren) oder der Domestizierung und dem Melken von Hirschen.[9]

Beschreibungen von Fusang

Erwähnung von Fusang (Fousang des Chinois) auf einer französischen Karte von 1792, im Gebiet des heutigen British Columbia.

Nach dem Bericht von Hui Shen bei seinem Besuch in China, in der Fassung des Liang Shu:

„Fusang ist 20.000 li im Osten des Landes Dàhàn (‚Groß-Han‘), und liegt im Osten von Zhong Guo (Königreich der Mitte = China).“ „In diesem Land gibt es viele Fusang-Pflanzen (Rote Maulbeere?) die ovale Blätter bilden, ähnlich wie die Paulownien und essbare lila-rote Früchte wie Birnen. Dort gab es reichlich Kupfer und Spuren von Gold und Silber, aber kein Eisen. Die eingeborenen Stämme in Fusang waren zivilisiert und lebten in gut organisierten Gemeinwesen. Sie stellten Papier aus der Rinde der Fusang-Pflanzen her zum Schreiben und stellten aus den Rindenfasern Kleidung her, die sie für Gewänder oder Füllstoffe verwendeten. Ihre Häuser oder Hütten wurden aus dem Holz des Roten Maulbeerbaums hergestellt. Früchte und junge Sprösslinge der Pflanzen wurden als Nahrung verwendet. Sie hielten auch Hirsche für Fleisch und Milch, genauso, wie die Chinesen Rinder zu Hause hielten, und stellten Käse aus der Hirschmilch her. Sie reisten auf Pferden und transportierten ihre Güter mit Karren oder Schleifen, die von Pferden, Büffeln oder Hirschen gezogen wurden.“

Über die Regierung des Landes: „Ein Kaiser, oder ein Ober-Häuptling, mit Hilfe mehrerer Beamter, regierte das Land. Die Mehrheit der Menschen waren rechtschaffene Bürger. Das Land hatte keine Armee oder militärische Verteidigung außer zwei Gefängnissen, einem im Norden und einem im Süden des Landes. Diejenigen, die schwere Verbrechen begingen, wurden in den Norden gesandt und die anderen in den Süden des Landes für den Rest ihres Lebens. Diese Verurteilten konnten jedoch heiraten. Wenn sie heirateten und Kinder bekamen, wurden ihre Söhne Sklaven und ihre Töchter blieben Mägde.“

Über die Sitten: „Die Eheschließung war relativ einfach. Wenn ein Junge ein Mädchen heiraten wollte, dann musste er eine Hütte neben dem Haus der Braut errichten und ein Jahr lang dort bleiben. Wenn das Mädchen ihn mochte, dann heirateten sie, ansonsten wurde er gefragt, wegzugehen. ... Wenn eine Person in der Gemeinschaft verstarb, wurde ihr Körper verbrannt. Die Trauerzeit variierte zwischen sieben Tagen für den Tod eines Elternteils bis zu fünf Tagen für einen Großeltere und drei Tagen für einen Bruder oder eine Schwester. Während ihrer Trauerperiode durften sie keine Nahrung zu sich nehmen, nur Wasser. Sie hatten keinen religiösen Kult.“[10]

Das Liang Shu beschreibt auch die Konversion von Fusang zum Buddhismus durch fünf buddhistische Mönche aus Gandhara:

„In Früheren Zeiten, wußten die Menschen von Fusang nichts über den Buddhismus, aber im zweiten Jahr des Ming Kaisers ((劉)宋明帝) der Liu Song-Dynastie (485 n. Chr.), reisten fünf Mönche aus Kipin (der Region von Kabul in Gandhara) mit dem Schiff in dieses Land. Sie verbreiteten die buddhistische Lehre, verteilten Schriften und Zeichnungen, und ermahnten die Menschen, sich von weltlichen Bindungen zu lösen. Als Ergebnis veränderten sich die Sitten in Fusang.“[11]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 „if Kamchatka and the Kuriles may also be considered there is no better means of identifying it at the present day.“ Joseph Needham, Ling Wang, Gwei-Djen: Science and civilisation in China. vol. 4, Physics and physical technology. pt. 3, Civil engineering and nautics. Cambridge University Press 1971: S. 540–542. ISBN 978-0-521-07060-7
  2. Joseph Needham: Science and civilisation in China, vol. 5: Chemistry and chemical technology. pt. 3, Spagyrical discovery and invention: historical survey, from cinnabar elixirs to synthetic insulin. Cambridge University Press, 1976, ISBN 978-0-521-21028-7, S. 19.
  3. 《梁書•諸夷列傳》 (Collective Biographies of Foreign Countries, Book of Liang): 扶桑國者,齊永元元年,其國有沙門慧深來至荊州,说云:“扶桑在大漢國東二萬餘里” (The country of Fusang, in the year Yong-yuan 1 of the Qi Dynasty, a Shramana monk from there called Hui Shen came to Jingzhou, and said: "Fusang is 20,000 li to the East of the country of Dàhàn"
  4. „... asides in the Record of the Historian imply that its leader Xu Fu had returned to China long ago and was lurking somewhere near Langya, frittering away the expedition's impressive budget.“ Jonathan Clements: The First Emperor of China. Sutton Publishing 2007: S. 150. ISBN 978-0-7509-3960-7
  5. Tsunoda Ryusaku: Japan in the Chinese Dynastic Histories: Later Han Through Ming Dynasties. ed. by Carrington C. Goodrich, tr., South Pasadena: P. D. and Ione Perkins, 1951: S. 5.
  6. lay between the mainland and Japan.
  7. Edward H. Schafer: Fusang and Beyond: The Haunted Seas to Japan. In: Journal of the American Oriental Society. 1989, 109.3: S. 379, 394.
  8. „the long island of Karafuto or Sakhalin“
  9. Kenneth L. Feder: Encyclopedia of Dubious Archaeology: From Atlantis To The Walam Olum. Greenwood 2010: S. 117. ISBN 978-0-313-37919-2
  10. Fusang is 20,000 li to the East of the country of Dàhàn (lit. 'Great Han'), and located to the east of China (lit. 'Middle Kingdom'). On that land, there are many Fusang plants (perhaps red mulberry) that produce oval-shaped leaves similar to paulownia and edible purplish-red fruits like pears. The place was rich in copper and traces of gold and silver but no iron. The native tribes in Fusang were civilized, living in well-organized communities. They produced paper from the bark of the Fusang plants for writing and produced cloth from the fibers of the bark, which they used for robes or wadding. Their houses or cabins were constructed with red mulberry wood. The fruits and young shoots of the plants were one of their food sources. They raised deer for meat and milk, just as the Chinese raised cattle at home, and produced cheese with deer milk. They traveled on horseback and transported their goods with carts or sledges pulled by horses, buffalo, or deer. An emperor, or a main chief, with the help of several officials, governed the country. The majority of people were law-abiding citizens. The country had no army or military defense but two jails, one in the north and the other in the south of the country. Those who had committed serious crimes were sent to the north and they stayed there for their entire lives. These inmates, however, could get married. If they got married and produced children, their sons became slaves and their daughters remained as maids. The marriage arrangement was relatively simple. If a boy wanted to marry a girl, he had to build a cabin next to the home of the girl and stay there for a year. If the girl liked him they would get married; otherwise he would be asked to go away ... When a person died in the community his body would be cremated. The mourning period varied from seven days for the death of a parent to five days for a grandparent and three days for a brother or sister. During their mourning period they were not supposed to consume food, only water. They had no religion. Lily Chow: Liang Shu In: Chasing Their Dreams. Chinese Settlement in the Northwest Region of British Columbia. Caitlin 2001. ISBN 978-0-920576-83-0.
  11. In former times, the people of Fusang knew nothing of the Buddhist religion, but in the second year of Da Ming of the Liu Song dynasty (485 AD), five monks from Kipin (Kabul region of Gandhara) travelled by ship to that country. They propagated Buddhist doctrine, circulated scriptures and drawings, and advised the people to relinquish worldly attachments. As a result, the customs of Fusang changed".

Literatur

  • Charles Godfrey Leylamd: Fusang; Or, The Discovery of America by Chinese Buddhist Priests in the Fifth Century, New York: Barnes & Noble (1875) 1973. Reprint: Forgotten Books 2010. ISBN 978-1-4400-7044-0
  • Edward P. Vining: Inglorious Columbus; or, Evidence that Hwui Shan and a Party of Buddhist Monks from Afghanistan Discovered America in the Fifth Century, A.D. New York: D. Appleton and Company 1885. ISBN 978-0-217-68056-1
  • S. Wells Williams: Notices of Fu-sang, and Other Countries Lying East of China, in the Pacific Ocean. Translated from the Antiquarian Researches of Ma Twan-Lin, with Notes. Tuttle, Morehouse & Taylor, New Haven 1881. archive.org

Weblinks

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