Der Faustkeil von Gerwisch gilt als ein besonders schön bearbeiteter Faustkeil, der sich auf der Grundlage typologischer Vergleiche in das Mittelpaläolithikum einordnen ließ. Das zweiseitig flächenretuschierte, 12,6 cm lange Gerät aus Feuerstein ist mit einem Alter von 200.000 Jahren (nach anderen Angaben 250.000 Jahre[1]) der wohl älteste Faustkeil in Sachsen-Anhalt.[2]

Fundort

Der Faustkeil von Gerwisch kam 1957 zunächst in einem Betonwerk in Dingelstedt (Kreis Halberstadt) ans Licht,[3] so dass eine Datierung ausgeschlossen war. Erst durch die Rückverfolgung der Fuhre, mit der das Gerät in das Betonwerk gelangt war, ließ sich der genaue Herkunftsort ermitteln. Derartige Steinwerkzeuge finden sich im Mittelelbegebiet meist beim Kiesabbau, da sie sich in Sedimentschichten unterhalb des Grundwasserspiegels befinden.

Aufbewahrungsort

Der Faustkeil befindet sich im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle; eine Kopie wurde für das Kreismuseum in Genthin angefertigt.[4]

Literatur

  • Thomas Weber: Fundplatz Kiesgrube: Die ersten Menschen in Sachsen-Anhalt, Zwei »Faustkeile« aus Wallendorf und Gerwisch, in: Harald Meller (Hrsg.): Schönheit, Macht und Tod. 120 Funde aus 120 Jahren Landesmuseum für Vorgeschichte Halle, Begleitband zur Sonderausstellung, Halle (Saale) 2001, S. 190 f.
  • Archäologische Kostbarkeiten im Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle/Saale, Landesmuseum für Vorgeschichte, 1958, S. 6 („das schönste Exemplar … im Elb-Saale-Gebiet“).

Weblinks

Anmerkungen

  1. Darunter Herbert Dandl: Arbeit und Beruf im historischen Prozess, Diss. Dortmund 2006, S. 55.
  2. Volker Toepfer: Der Faustkeil von Gerwisch bei Magdeburg, Berlin 1959, S. 5ff. und Ders.: Das Acheuléen auf dem Boden der Deutschen Demokratischen Republik, in: Anthropologie 19 (1962) 5–7.
  3. Schriften zur Ur- und Frühgeschichte 16–17 (1964), S. 7.
  4. Das Jerichower Land von A bis Z: Alles beg..., in: Volksstimme, 7. Januar 2014.