Burgwartsberg


Burgwartsberg (Freital)
Burgwartsberg
Burgwartsberg
Der Burgwartsberg in Freital
Karte von Pesterwitz aus dem Jahr 1821 mit dem Burgwartsberg in der Bildmitte unten

Der Burgwartsberg liegt auf der Flur von Pesterwitz, einer Ortschaft auf dem Gebiet der Stadt Freital im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im Freistaat Sachsen. Der Flurname entstand erst im 19. Jahrhundert, als der Berg als Standort einer Burg im Zentrum des erstmals 1068 urkundlich genannten Burgwards Bvistrici angenommen wurde. Die Existenz eines „Burgwards Pesterwitz“ wurde jüngst von dem Historiker Manfred Kobuch in Zweifel gezogen. Der Sporn trug jedoch eine hochmittelalterliche Burg, deren Reste in Form von Gräben und Wällen erhalten blieben. Heute wird der Burgwartsberg zumeist als Standort der Burg Thorun angesehen, die 1206 geschleift wurde.

Beschreibung

Der Burgwartsberg ist ein steiler, gestreckter Talsporn oberhalb des Weißeritztales. Der Sporn wurde mit einer Befestigung, deren Reste heute als Wall erscheinen, abgeriegelt. An der Südspitze ist ein doppelter Wall erhalten, der sich als einfacher Wall leicht hangabwärts versetzt am Nordhang entlang zieht. Ursprünglich dürfte er am Nordwestende der Burg den Sporn zur Hochfläche hin abgeriegelt haben, doch ist die Situation in jüngerer Zeit stark verändert und eingeebnet worden. Lediglich die Reste eines Halsgrabens sind hier noch zu erkennen. An der südöstlichen Hangpartie sind keine Wallreste erkennbar. Entweder sind diese abgestürzt oder es waren an dem sehr steilen Hang keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen getroffen worden.

Bislang haben auf dem Burgwartsberg keine archäologischen Ausgrabungen stattgefunden und es sind keine Reste von eventuell einstmals vorhandenen Steingebäuden bekannt.

Historische Bedeutung

Seit dem 19. Jahrhundert wurde auf dem Burgwartsberg das befestigte Zentrum eines Burgwards vermutet. Ein solcher erscheint unter der Bezeichnung "Bvistrici" lediglich in einer 1068 ausgestellten Urkunde König Heinrichs IV.[1]. Der Name ist slawischen Ursprungs und tritt als Bystritza oder dessen Ableitungen häufig als Gewässer-, Flur- und Ortsname in Ostmitteleuropa auf. In dem Zusammenhang erscheint er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Name des Flusses Weißeritz. Obwohl die anschließende Lokalisation des Burgwardmittelpunkts auf dem Burgwall in der Flur Pesterwitz sehr unsicher war, verfestigte sich diese Zuschreibung im Laufe der Zeit und führte auch zur Benennung des Berges und angrenzender Straßen. Der neue Flurname wurde in der örtlichen Überlieferung wenig später bereits als Beleg für die Richtigkeit dieser Annahme gewertet.

An der Stelle des bereits mit der Einführung der Burgwardorganisation in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts angelegten Burgwardmittelpunktes sollte vermutlich in den 1190er Jahren durch die Burggrafen von Dohna die Burg Thorun angelegt worden sein, die bereits 1206 als Ergebnis einer Gerichtsverhandlung wieder geschleift werden musste [2].

Auffällig war jedoch, dass archäologische Funde des 10., 11. und der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts ausblieben. 1997 sprach sich der sächsische Landeshistoriker Manfred Kobuch gegen die Lokalisierung des Burgwardmittelpunktes von "Bvistrici" auf dem Pesterwitzer Burgwartsberg aus. Die Reste der Befestigung werden seither nur noch mit der in der kurzen Zeit um 1200 belegten Burg Thorun in Zusammenhang gebracht.

Burgwartschänke Freital

Direkt unterhalb des Berges und der Befestigung liegt in der Freital Burgwartstraße die sogenannte Burgwartschänke. Sie wurde in den Jahren 1912/1913 von dem Architekten Kretschmar für den Betreiber Emil Mensch als Gaststätte mit zwei Gaststuben erbaut. Unter dem Besitzer Wilhelm Böhmer erfolgte 1927/28 der Anbau eines Saales. Nach 1945 wurde das Haus kurzzeitig als Offiziers-Casino genutzt. Nach 1961 wurde das Restaurant dann an die DDR-Handelsorganisation (HO) verpachtet und von unterschiedlichen Geschäftsführern betrieben. Im Jahr 2001 begann eine Modernisierung des Gebäudes, das am 1. Mai 2002 als Burgwartschänke durch die Betreiberfamilie Bunge wiedereröffnet wurde.

Einzelnachweise

  1. MGH D HIV S. 270 f. Nr. 212. Online-Edition: http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000450/image_372
  2. Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae II 1, S. 70-72 Nr. 74. Online-Edition: http://codex.isgv.de/codex.php?band=cds2_01&f=&a=b&s=070

Literatur

  • Gerhard Billig, Heinz Müller: Burgen. Zeugen sächsischer Geschichte, Verlag Degener Co. Neustadt a. d. Aisch, 1998, S. 186. ISBN 3-7686-4191-0 .
  • Manfred Kobuch: Der Burgward Pesterwitz – ein Irrtum. In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte. Bd. 86, 1997, S. 313–326.

Weblinks

Siehe auch

51.01844444444413.653833333333Koordinaten: 51° 1′ 6″ N, 13° 39′ 14″ O


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