Annalenstein Amenemhets II.


Faksimilieabschrift des Annalensteins

Der Annalenstein Amenemhets II. ist eine der wenigen im Original erhaltenen altägyptischen Annalen.

Entdeckung und Erforschung

Der Annalenstein wurde Anfang der 1970er Jahre in Mit Rahina (das altägyptische Memphis) von Gerhard Haeny gefunden, der auf der Unterseite einer Kolossalstatue von Ramses II. Inschriften beobachtete. Zusammen mit Sami Farag wurde der Block 1974 gehoben, der auch 1980 eine Kopie der Inschrift veröffentlichte. Eine zweite Kopie wurde 1982 publiziert. Bei beiden Kopien handelt es sich um einfache Abschriften, erst 1991 und 1992 erfolgten die Veröffentlichungen zweier genauer Faksimilieabschriften.[1][2]

Der Rosengranitblock ist 188 cm mal 250 cm groß und es sind noch die Reste von 41 senkrechten Kolumnen erhalten. Ein weiteres, kleineres Fragment dieser Inschrift ist schon um 1908 von Flinders Petrie gefunden und 1909 publiziert worden[3], wobei beide Fragmente nicht anpassen.

Inhalt

Auf dem Annalenstein sind Ereignisse aus den Regierungsjahren von Amenemhet II. überliefert. In einem kurzen Telegrammstil werden die Vorkommnisse der einzelnen Jahre berichtet, wobei auf dem großen Fragment nur zwei Jahre erhalten sind. Jahreszahlen sind nicht erhalten. Bei den aufgelisteten Ereignissen handelt es sich zu einem großen Teil um Stiftungen an verschiedene Tempel des Landes. Es gibt aber auch den Bericht von Handelsexpeditionen und einem Feldzug nach Asien mit der Auflistung der dort gemachten Beute. Die sonst nicht belegten Orte Jasy und Juai sind zerstört worden, wobei 1554 Gefangene nach Ägypten gebracht wurden. Es wird von einer Delegation von Kinder der Fürsten aus Nubien und der aus Asien berichtet. Es gibt den Bericht von kultischen Handlungen, wie einem Königsopfer und dem Vogelfang mit Schlagnetz im Fayum.

Lokalisierungen

jꜣssj und jw(ꜣ)j

Die in dem Text erwähnten Toponyme jꜣssj und jw(ꜣ)j konnten bisher nicht eindeutig identifiziert werden. Wolfgang Helck liest jꜣssj als aa-r/la-s-ja und setzt es mit Zypern (Alasia) gleich.[4] Dies würde auch den Transkriptionsvorschriften der 12. Dynastie entsprechen, demzufolge das ägyptische Aleph (ꜣ) wegfällt, womit jꜣssj zu jssj wird – der schon für das Neue Reich bekannten Bezeichnung Zyperns. jw(ꜣ)j identifiziert Helck mit Ura bei Korykos an der türkischen Südostküste, während Hartwig Altenmüller es in Syrien, nahe der Nordgrenze Ägyptens, vermutet. Berücksichtigt werden muss, dass in dem Text eine Feldzugsdauer (per Schiff) von vier Monaten angegeben wird und beide Orte wegen der aufeinanderfolgenden Nennung nah beieinander liegen müssen.[5]

ṯmpꜣw

In den Annalen werden gelieferte Tribute aus Nubien, Asien und ṯmpꜣw, einem in der Ägyptologie bisher unbekannten Toponym, unterschieden. Hans Goedicke versuchte dieses mit der nicht eindeutig lokalisierten Stadt Tunip gleichzusetzen, deren bisher frühester inschriftlicher Beleg aus der frühen 18. Dynastie stammt und deren archäologische Überreste er bei Kamid el-Loz vermutet.[6] Als weitere mögliche Lokalisierungen kamen bisher die asiatische Festung ṯpꜣ(w)[4] und die mesopotamische Stadt Sippur in Betracht.[7][5]

Bedeutung

Die Annalen ergaben völlig neue Einblicke in die Außenpolitik Ägyptens zur Zeit der 12. Dynastie. Bis zur Entdeckung der Inschrift aus Mit Rahina waren ägyptische Aktivitäten in der Levante nur von einer Stele des Generals Chusobek her bekannt. Der Annalenstein liefert einen inschriftlichen Beweis für die politische Einflussnahme Ägyptens im palästinischen Raum zu dieser Zeit und deutet auf intensive Beziehungen hin. Falls Helcks Identifikation von jꜣssj mit Alasia richtig ist, wäre der Annalenstein auch der einzige inschriftliche Beleg für Kontakte Ägyptens mit Zypern im Mittleren Reich.[5]

Literatur

  • Hartwig Altenmüller und Ahmed M. Moussa: Die Inschrift Amenemhets II. aus dem Ptah-Tempel von Memphis, ein Vorbericht. In: Studien zur altägyptischen Kultur. (SAK) 18 (1991), S. 1–48.
  • Julia Budka: Die Annalen Amenemhets II. In: Gabriele Höber-Kamel (Hrsg.): Ägypten und Vorderasien. (= Kemet Heft 1/2000), Kemet Verlag, Berlin 2000, ISSN 0943-5972, S. 12–13.

Einzelnachweise

  1. Hartwig Altenmüller, Ahmed M. Moussa: Die Inschrift Amenemhets II. Aus dem Ptah-Tempel von Memphis. Ein Vorbericht. In: SAK 18 (1991), S. 1-48.
  2. Jaromir Malek, Stephen Quirke: Memphis, 1991: Epigraphy. In: Journal of Egyptian Archaeology 78 (1992), S. 13-18.
  3. W. M. Flinders Petrie, with a chapter by J.H. Walker: Memphis I. London 1909, Tafel 5.
  4. 4,0 4,1 Wolfgang Helck: Ein Ausgreifen des Mittleren Reiches in den zypriotischen Raum? In: Göttinger Miszellen 109, Göttingen 1989, S. 27–30.
  5. 5,0 5,1 5,2 Julia Budka: Die Annalen Amenemhets II., 2000, S. 12–13.
  6. Hans Goedicke: Egyptian Military Actions in "Asia" in the Middle Kingdom. In: Revue d’égyptologie 42, Klincksieck, Paris 1991, S. 89–94.
  7. Manfred Görg: Die Beziehungen zwischen dem alten Israel und Ägypten : Von den Anfängen bis zum Exil. (= Erträge der Forschung Bd. 290), Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997, ISBN 3-534-08426-8, S. 19.

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