Ananke ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:ISO15924:97: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) war in der griechischen Mythologie die Personifizierung des unpersönlichen Schicksals, im Unterschied zu dem von den Moiren zugeordneten persönlichen (gerechten) Schicksal und zu Tyche, die für den sowohl zum Glück als auch zum Unglück blinden Lebenszufall steht. In Tragödiendichtungen erscheint sie als die oberste Macht, der selbst die Götter gehorchen.

Nach Schreckenberg geht das Wort Ananke auf das semitische Chanak („Joch“, insbesondere das Sklaven oder Gefangenen auferlegte Joch) zurück, von wo es in das Ionische übernommen wurde und bereits von Homer in übertragener Form verwendet wird. Die ursprüngliche Bedeutung war allerdings auch in späterer Zeit noch präsent, so z. B. mehrfach im Gefesselten Prometheus des Aischylos.[1]

In der orphischen Theogonie, wo sie auch mit Adrasteia gleichgesetzt wird, ist sie eine Göttin des Uranfangs, die in schlangenhafter Umschlingung mit Chronos die Dreiheit von Aither, Chaos und Erebos erzeugt[2] bzw. den Aither und Phanes.[3] Sie gilt auch als Gattin des Demiurgen und Mutter der Heimarmene.[4]

Bei Platon ist sie Mutter der Moiren[5] und eine der ursprünglichen Schöpfungsmächte.[6] In späterer Zeit spielt Ananke eine Rolle in der Hermetik.[7] Nach Pausanias befand sich auf der Akropolis von Korinth ein Heiligtum der Ananke.[8] In der römischen Mythologie erhielt sie den Namen Necessitas.

Ananke erscheint auch als Gegenstand eines Gedichts von Goethe, des vierten in seinem Zyklus Urworte, Orphisch:

ΑΝΑΓΚΗ, Nötigung
Da ist’s denn wieder, wie die Sterne wollten:
Bedingung und Gesetz; und aller Wille
Ist nur ein Wollen, weil wir eben sollten,
Und vor dem Willen schweigt die Willkür stille;
Das Liebste wird vom Herzen weggescholten,
Dem harten Muß bequemt sich Will und Grille.
So sind wir scheinfrei denn nach manchen Jahren
Nur enger dran, als wir am Anfang waren.[9]

Auch Victor Hugo führt im Vorwort des Romans Der Glöckner von Notre-Dame als ein Leitmotiv des Buchs ΑΝΑΓΚΗ ein: „Gerade über dieses Wort ist vorliegendes Buch geschrieben worden.“[10]

Literatur

  • Heinz Schreckenberg: Ananke. Untersuchungen zur Geschichte des Wortgebrauchs. Zetemata Bd. 36, Beck, München 1964.
  • Wilhelm Gundel: Beitraege zur Entwickelungsgeschichte der Begriffe Ananke und Heimarmene. Habilitationsschrift, Giessen 1914.
  • Wolfgang Fauth: Ananke. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 2, Stuttgart 1967, Sp. 332.
  • Konrad Wernicke: Ananke. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,2, Stuttgart 1894, Sp. 2057 f.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Aischylos: 103 ff; 217 ff; 510 ff.
  2. Frg. 54 in: Orphicorum Fragmenta. Hrsg. von Otto Kern.
  3. Apollonios von Rhodos, Argonautika 12 ff.
  4. Frg. 162 in: Orphicorum Fragmenta.
  5. Platon: Politeia 617c.
  6. Platon: Symposion 195c; 197b.
  7. Proklos: Kommentar zu Platons Politeia. 2,344 f. Siehe auch Kroll: Die Lehren des Hermes Trismegistos. 1914, S. 212 f.
  8. Pausanias: Beschreibung Griechenlands 2,4,6
  9. Goethe. Berliner Ausgabe. Bd. 1, S. 550. Als zweites in diesem Zyklus von 5 Gedichten erscheint Tyche, das Zufällige.
  10. Victor Hugo: Der Glöckner von Notre-Dame. Europäischer Literaturverlag, Berlin 2015, ISBN 9783959090308.

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