Ölberg (Jerusalem)


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Ölberg
Jüdischer Friedhof am südlichen Ölberg, vom Südosten der Altstadt aus gesehen

Jüdischer Friedhof am südlichen Ölberg, vom Südosten der Altstadt aus gesehen

Höhe 809 m
Lage Jerusalem, Israel
Koordinaten 31° 47′ 0″ N, 35° 15′ 3″ O31.78333333333335.250833333333809Koordinaten: 31° 47′ 0″ N, 35° 15′ 3″ O
Ölberg (Jerusalem) (Israel)
Ölberg (Jerusalem)

Der Ölberg (hebräisch ‏הר הזיתיםHar haSetim; arabisch ‏جبل الزيتون‎ Dschabal az-Zaitūn, beides Olivenberg) in Jerusalem ist eine Erhebung nordöstlich und östlich des Tempelbergs und der Jerusalemer Altstadt. Vom Palästinakrieg 1948 bis zur Einnahme durch Israel im Sechstagekrieg wurde das Gebiet mit Ausnahme des noch zum Hügelzug gehörenden Skopusberges von Jordanien verwaltet. Der Name – in den meisten anderen Sprachen lautet er Olivenberg – leitet sich vom ursprünglichen Bewuchs mit Olivenbäumen ab. Die Hügelkette erreicht eine Höhe von 827 m; der eigentliche Ölberg mit der Himmelfahrtskuppe ist 809 m hoch und liegt damit 120 m über dem Kidrontal und etwa 65 m über dem Tempelberg.

Religiöse Bedeutung des Ölbergs

Obwohl der Ölberg nicht allzu hoch ist, ist er relativ bekannt. Das liegt vor allem daran, dass er in der Tradition von Judentum, Islam und Christentum eine besondere Stellung einnimmt.

Judentum

Nach jüdischem Glauben wird der Messias über den Ölberg nach Jerusalem einziehen und im Kidrontal unterhalb des Hügels das Jüngste Gericht halten. Deswegen wurde am Hang des Berges ein ausgedehnter jüdischer Friedhof angelegt. Die Gräber des 1948 stark beschädigten Friedhofs stammen zum Teil noch aus biblischer Zeit.

Islam

Den Glauben, dass das Kidrontal der Ort des endzeitlichen Gerichts sei, teilen die Muslime; nach ihrer Vorstellung wird in der Endzeit ein Seil vom Tempelberg zum Ölberg gespannt, über das die Gerechten hinübergehen werden; entsprechend befinden sich im Tal – auf der Seite des Tempelbergs – auch muslimische Gräber.

Christentum

In der christlichen Tradition wird der Ölberg insbesondere mit verschiedenen neutestamentlichen Geschichten in Verbindung gebracht. So soll Jesus

  • vom Ölberg aus in Jerusalem eingezogen sein (Lk 19,28–40 EU),
  • am Ölberg über den von ihm vorhergesehenen Untergang der Stadt geweint haben (Lk 19,41–44 EU),
  • am Fuß des Berges im Garten Getsemani gefangen genommen worden sein (Mt 26 EU) und
  • vom Ölberg in den Himmel aufgefahren sein (z. B. Lk 24,50 EU).

Aus diesem Grund gibt es dort folgende jährliche Veranstaltungen:

  • Am Palmsonntag findet am Nachmittag eine große Prozession vom Ölberg zum Löwentor statt.
  • Zu Christi Himmelfahrt ist es der katholischen Kirche erlaubt, in der moslemischen Himmelfahrtskapelle einen Gottesdienst abzuhalten.

Biblische Prophezeiungen:

  • Nach Sach 14,4 EU wird sich der Ölberg in der Mitte spalten zu einem sehr großen Tal.

Kirchen auf dem Ölberg

In Erinnerung an diese biblischen Geschichten wurden mehrere Kirchen errichtet. Diese sind in der Reihenfolge der klassischen Besuchsfolge von oben nach unten aufgezählt:

  • Nördlich der Himmelfahrtskuppe in der Nähe des Skopusbergs steht die unter Kaiser Wilhelm II. gebaute zum nach dessen Frau benannten Auguste-Viktoria-Hospital gehörende evangelische Himmelfahrtskirche.
  • Die von den Kreuzfahrern 1152 errichtete Himmelfahrtskapelle innerhalb eines Moscheebezirks erinnert an die entsprechende biblische Geschichte; in der näheren Umgebung wurden die Überreste mehrerer Kirchen und Klöster aus dem 4. bis 6. Jahrhundert entdeckt.
  • Ein benachbartes russisch-orthodoxes Kloster nimmt ebenfalls in Anspruch, am Ort der Himmelfahrt zu stehen.
  • Zu einem französischen Karmelitinnenkloster gehört die Paternosterkirche, in der das Vaterunser in 140 Sprachen auf ebenso vielen Keramiktafeln zu lesen ist. Hier soll Jesus in der Grotte der Unterweisung die Jünger belehrt und ihnen das Vaterunser eingeprägt haben. In diesem Bereich des Ölbergs befand sich in byzantinischer Zeit die Eleona-Basilika, die wie die Grabeskirche und die Geburtskirche in Bethlehem auf Veranlassung von Kaiserin Helena erbaut wurde.
  • Dominus flevit (der Herr weinte) ist der Name einer kleinen römisch-katholischen Kirche der Franziskaner relativ weit oben am Hang. Sie wurde 1955 auf den Fundamenten einer byzantinischen Kirche aus dem 6. Jahrhundert in Form einer Träne erbaut und erinnert an die Trauer Jesu im Wissen um die Zerstörung Jerusalems. Die Kirche ist vor allem durch Innenaufnahmen bekannt: Statt eines Altarbildes gibt es ein vergittertes Fenster, durch das der Blick auf die Altstadt mit Grabeskirche und Felsendom fällt. Viele Besucher nehmen irrtümlich an, das Fenster weise direkt auf den muslimischen Felsendom. Tatsächlich sind Altar und Fenster nach der Grabeskirche ausgerichtet, die etwas rechts hinter dem Felsendom gelegen ist. Im Garten gibt es alte jüdische und byzantinische Gräber und Ossarien zu sehen.
  • Die russisch-orthodoxe Maria-Magdalena-Kirche befindet sich in einem höher gelegenen Teil des Gartens. Durch ihre sieben vergoldeten Zwiebeltürme fällt sie beim Blick von der Altstadt besonders auf; gebaut wurde sie um 1885 durch Zar Alexander III.. Die hochglänzende Vergoldung wurde von dem deutschen Vergoldermeister Hans Kellner aus München unter Verwendung von 24-karätigen Blattgold der Goldschlägerei Eytzinger aus Schwabach in den Jahren 1998 und 1999 ausgeführt.
  • Die römisch-katholische Kirche der Nationen im Garten Getsemani am Fuß des Berges wurde in Erinnerung an das verzweifelte Gebet Jesu im Garten errichtet. Der Name erinnert daran, dass mehrere Staaten zu ihrer Errichtung 1924 beitrugen. Sie hat zwölf Kuppeln, die für die zwölf Apostel stehen. Am Fußboden ist noch der Grundriss einer Vorgängerkirche aus dem 4. Jahrhundert sichtbar; in der Kreuzfahrerzeit wurde ebenfalls eine Kirche an dieser Stelle errichtet.
  • Die griechisch-orthodoxe Kirche am Mariengrab wurde zuerst im 5. Jahrhundert über einer Grabstätte errichtet, die als das Grab von Maria, der Mutter Jesu gilt, in dem sie einige Tage bis zur Himmelfahrt gelegen habe soll. Zudem werden dort die Gräber ihrer Eltern Joachim und Anna und ihres Mannes Josef gezeigt. Jährlich findet einige Tage vor dem Fest Mariä Himmelfahrt (nach julianischem Kalender) eine Prozession mit dem Leichnam Marias von der Stadt zum Grab statt.
  • Neben dieser Kirche befindet sich die Verrats-Grotte der Katholiken, in der die Festnahme Jesu geschehen sein soll.
  • Auf der anderen Straßenseite steht das orthodoxe Stephanuskloster, das an die Steinigung des Heiligen Stephanus erinnert.

Außerdem leben auf dem Ölberg (französische) Benediktinerinnen. Auf dem Hang zum Skopusberg steht eine große Bildungseinrichtung der Mormonen.

Bedeutung für den Tourismus

In Friedenszeiten ist der Ölberg ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen, da sich von der Aussichtsplattform oberhalb des jüdischen Friedhofs ein herrlicher Blick auf die Jerusalemer Altstadt bietet. Die meisten bekannten Großaufnahmen des Tempelbergs und Panoramabilder der Altstadt stammen vom Ölberg.

Politische Bedeutung

Auf dem Ölberg befinden sich zwei für die arabische Bevölkerung wichtige Spitäler: das muslimische Al-Mukassed und das evangelische Auguste-Viktoria-Hospital. Über den Berg führte die Straße zu den Orten Abu Dis, Bethanien und Bethlehem. Seit dem Bau der israelischen Sperranlagen ist es nicht mehr möglich, diese Orte auf diesem Weg zu erreichen. Palästinenser aus dem Umland Jerusalems können somit diese Spitäler nicht mehr besuchen. Die Buslinie, der früher zur Al-Quds-Universität fuhr, endet nun am Ölberg. Neben der Vaterunserkirche unterhalten jüdische Siedler einen demonstrativ israelisch beflaggten Stützpunkt, um ihren Anspruch auf Siedlungsrechte in diesem Gebiet zu bekräftigen.

Galerie

Siehe auch

  • Liste berühmter Begräbnisstätten

Weblinks

 <Lang> Commons: Ölberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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