Wie das Werfen uns zum Menschen machte

Presseldung vom 04.07.2013


Olympiasieger im Speerwerfen und professionelle Baseball-Spieler müssen sich wohl bei unseren ausgestorbenen Vorfahren für ihren Erfolg bedanken

Olympiasieger im Speerwerfen und professionelle Baseball-Spieler müssen sich wohl bei unseren ausgestorbenen Vorfahren für ihren Erfolg bedanken, dies zeigt eine Studie von US-Forscher Neil Roach von der George Washington University, die in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Nature vorgestellt wird.

Natürlich hat sich die Fähigkeit, weit, schnell und präzise zu werfen nicht entwickelt, damit unsere Vorfahren Ball spielen konnten. Die Studie von Dr. Roach weist darauf hin, dass sich diese Fähigkeit erstmals vor fast 2 Millionen Jahren entwickelte, als der Mensch begann zu jagen. Mit ihrer Fähigkeit zu werfen sind Menschen einzigartig, auch verglichen mit unseren Vettern, den Schimpansen.

"Schimpansen sind unglaublich stark und athletisch, doch auch erwachsene männliche Schimpansen können Gegenstände nur mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 km/h werfen - das ist gerade mal ein Drittel der Geschwindigkeit eines 12-jährigen Schülers beim Baseballtraining", sagte Dr. Roach, Leiter der Studie und Post-Doktorand am Center for the Advanced Study of Hominid Paleobiology in the Columbian College of Arts and Sciences.

Gefördert durch ein Stipendium der National Science Foundation, stellten sich Dr. Roach und Kollegen von der Harvard University die Frage, warum Menschen so gut werfen können und wann sich diese Fähigkeit entwickelt hat.

Ausgerüstet mit einem 3-D-Kamera-System, wie man es bei der Produktion von Videospielen und Animationsfilmen verwendet, nahmen sie die Bewegungen von Baseball-Spielern auf. Dabei fanden sie heraus, dass die menschliche Schulter beim Werfen wie eine Steinschleuder funktioniert und dabei große Mengen an Energie speichert und wieder freisetzt.

"Wenn Menschen Gegenstände werfen, müssen die Arme zuerst nach hinten vom Ziel weg gedreht werden. Während dieser Phase des "Arm-Spannens" strecken sich die Sehnen und Bänder hinter der Schulter und speichern elastische Energie", so Dr. Roach. "Wenn diese Energie freigesetzt wird, beschleunigt sie den Arm nach vorne und erzeugt so die schnellste Bewegung, die der menschliche Körper produzieren kann und dies führt zu einer sehr hohen Wurfgeschwindigkeit."

Dr. Roach und Kollegen haben auch festgestellt, dass bestimmte anatomische Merkmale des Oberkörpers, der Schultern und der Arme diese Energiespeicherung erst möglich machen. Diese Merkmale, die es dem Menschen ermöglichen so gut zu werfen, erscheinen erstmals beim Homo erectus vor etwa 2 Millionen Jahren.

"Wir denken, dass das Werfen in Bezug auf das Jagdverhalten schon sehr früh eine große Rolle gespielt hat und dass es unseren Vorfahren erlaubte, sicher und effektiv auch Großwild zu erlegen", sagte Dr. Roach. "Der Verzehr von kalorienreichem Fleisch und Fett hatte die Entwicklung von größeren Gehirnen zur Folge, was schließlich dazu führte, dass sich Homo erectus in neue Regionen der Welt ausbreitete - all dies machte uns zu dem, was wir heute sind."

Dr. Roachs Studie könnte auch eine große Bedeutung für einige heutige Athleten haben. Speerwerfer und Baseball Pitcher werfen zum Beispiel viel häufiger als es unsere Vorfahren wahrscheinlich getan haben. "Im Endeffekt - trotz der Tatsache, dass wir uns zu Werfern entwickelt haben - können bei einer Überbeanspruchung dieser Fähigkeit schlimme Verletzungen auftreten", sagte Dr. Roach.

Der nächste Schritt für Dr. Roach und seine Kollegen wird es sein, zu untersuchen, was Menschen vor so langer Zeit geworfen haben, zumal Pfeile mit Steinspitzen in den archäologischen Aufzeichnungen offenbar relativ spät auftauchen. Die wahrscheinlichsten Jagdwaffen der Wahl? Steine und angespitzte hölzerne Speere.


Diese Newsmeldung wurde mit Material von ScienceDaily erstellt


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
L 398-1035
L 398-1035

Theropithecus

Elemente: L. LM3

Omo, Äthiopien

31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...
03.09.2020
Künstliche Intelligenz hilft in der Archäologie
Künstliche Intelligenz ist besser als bisherige Softwareanwendungen in der Lage, den Ursprung archäologischer Funde aus naturwissenschaftlichen Unte...
26.08.2020
Bronzezeit: Fremde Ernährungstraditionen in Europa
Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit beeinflusste auch ein neues Lebensmittel die ökonomische...
26.08.2020
Wie sich Neandertaler an das Klima anpassten
Klimaveränderungen kurz vor ihrem Verschwinden lösten bei den späten Neandertalern in Europa eine komplexe Verhaltensänderung aus: Sie entwickelte...