Neues Alter für die Neandertaler aus der El Sidrón Höhle

Presseldung vom 04.04.2013


Eine neue Studie mit neuartiger Probenvorbereitung liefert genauere C-14 Datierungen

In einer Studie konnte das Alter der Neandertaler-Reste in der El Sidrón Höhle (Asturien, Spanien) genau bestimmt werden - frühere Studien lieferten offensichtlich nur ungenaue Datierungen. Durch eine neue Art der Vorbehandlung ist es gelungen, die Kontamination alter Knochen durch jungen Kohlenstoff soweit zu reduzieren, dass die Fehlerquote von 40.000 auf knapp 3.200 Jahre sank.

Die El Sidrón Höhle in Asturien (Nordspanien) ist eine der westlichsten Fundorte von Neandertalern auf der iberischen Halbinsel. Sie enthält eine große Anzahl menschlicher Fossilien sowie Steinwerkzeuge, die von den Neandertalern hergestellt wurden. Nun ist es dank der Entwicklung neuer analytischer Verfahren einem Forscherteam, koordiniert von der Universität Oviedo (Spanien), gelungen, eine genauere Datierung für die Neandertaler in Asturien zu liefern.

Das genaue Alter der Überreste aus El Sidrón könnte eine wichtige Information in der Diskussion darüber sein, wann der Übergang vom Neandertaler zum Homo sapiens in Europa stattfand. "Einige frühere Datierungen, die für menschlichen Überreste bestimmt wurden, beliefen sich auf nur rund 10.000 Jahre. Diese Ergebnisse sind mit anderen Funden inkonsistent und können als nicht glaubwürdig eingestuft werden. Außerdem würde dieses junge Alter in der Diskussion darüber, wann Homo neanderthalensis ausstarb, wohl von den meisten abgelehnt werden", erklärt Marco de la Rasilla, Koordinator des Forschungsteams.

Um das Alter der Neandertaler von El Sidrón anzupassen, verglichen De La Rasilla und sein Team bisherige Ergebnisse des französischen Laboratoire des Sciences du Climat et de l´Environnement (LSCE, Labor für Klima-und Umweltwissenschaften) mit neuen Daten des Oxford Radiocarbon Accelerator Unit (ORAU). Die Datierungen beider Labors konnten durch De La Rasilla und sein Team bestätigt werden - die Neandertaler aus der asturischen Höhle lebten vor rund 49.000 Jahren.

"Die vorherige Altersbestimmung auf 10.000 Jahre für El Sidrón war die Folge einer Probenkontamination", erläutert De La Rasilla. Die Kohlenstoff-14 Methode ist die am weitesten verbreitete Datierungsmethode in der Archäologie. Mit ihrer Hilfe kann man das Alter des Kohlenstoffs in einem Objekt bestimmen. Wenn die Probe mit jungem Kohlenstoff oder anderen Substanzen verunreinigt wird, dann erscheint das Objekt jünger als es tatsächlich ist.

Der neuen C-14 Datierung des ORAU Labors in Oxford ging eine hochmoderne Ultrafiltrationsbehandlung vorraus, die Kontaminationen so weit wie möglich reduziert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Überreste zwischen 45.200 und 51.600 Jahre alt sind.

Der Mittelwert zwischen diesen Daten und den Daten, die zuvor von dem französischen Labor gefunden wurden - in dem die Proben einer unterschiedlichen Vorbehandlung mit Ninhydrin unterzogen wurden, um Verunreinigungen zu entfernen - ergibt für die Bewohner von El Sidrón ein Alter von 49.000 Jahren. De La Rasilla kommt zu dem Schluß: "Die Tatsache, dass zwei unabhängige Laboratorien mit unterschiedlicher Probenvorbereitung zu ähnlichen Zahlen kommen, macht dieses Alter noch zuverlässiger".


Diese Newsmeldung wurde mit Material von Plataforma SINC erstellt


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