Neue Fakten zur Ankunft des Weizens in China

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Ein internationales Forscherteam um die Außenstelle Peking des Deutschen Archäologischen Instituts (in Kooperation mit der Freien Universität Berlin und der Shandong-Universität Jinan China) revidiert die lange gültige Annahme eines sukzessiven West-Ost-Transfers des Weizenanbaus auf den späteren Routen der Seidenstraße.


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Verkohlte Weizenkörner vom Fundplatz Zhaojiazhuang, Provinz Shandong, VR China (2460-2200 v. Chr.)
Abbildung: ©DAI Peking
Original-Publikation:

Long, T.W., Leipe, C., Jin, G.Y., Wagner, M., Guo, R.Z., Schroeder, O., Tarasov, P. E.
The early history of wheat in China from 14C dating and Bayesian chronological modelling
Nature Plants, Vol. 4, May 2018, 272-279
DOI: 10.1038/s41477-018-0141-x


Die bahnbrechende Studie mit direkt datierten Weizenfunden vom Unterlauf des Gelben Flusses und einer neuen Chronologie der Verbreitung von Weizen, die am 30. April 2018 in der Zeitschrift Nature Plants veröffentlicht wurde, zeigt, dass dieses Getreide zuerst ca. 2600 Jahre v. Chr. Ostchina erreichte.

Weizen wurde etwa 8500 Jahre v. Chr. in Westasien domestiziert. Seine Verbreitung nach Europa gilt als gut erforscht, doch wann und wie er nach Ostasien kam, ist noch immer unklar. Die Diskussionen drehen sich um Zeitpunkt, Verbreitungsrouten und die Wirkung von Weizen in den prähistorischen Kulturen Chinas. Aber warum kam er überhaupt? China brauchte ihn nicht, denn es hatte bereits eine gut funktionierende Landwirtschaft mit eigenen Domestikaten: Reis und zwei Sorten Hirse.

Weizen erreichte China zu einer Zeit, die als Ende des Neolithikums und Beginn der Bronzezeit bezeichnet wird. Überall in Eurasien nahmen damals die Kontakte zwischen verschiedenen Siedlergruppen zu, wuchsen Mobilität, Austausch und Vernetzung. Wer sie waren, wissen wir noch nicht, aber sie brachten zusammen mit Weizen auch Gerste, Schafe, Ziegen, Rinder und die Bronzemetallurgie nach China. Darin besteht Einigkeit unter den Archäologen: diese neuen Kulturelemente revolutionierten die Wirtschaft und resultierten in einer zuvor unerreichten Bevölkerungsdichte und sozialen Komplexität in Nordchina. Bronzezeit bedeutet in China Beginn von Staatlichkeit. Deshalb berührt die Verbreitung von Weizen eines der brennendsten Themen der Chinesischen Archäologie – die Geburt der Chinesischen Zivilisation.

In dieser neuen Studie wurde das Alter von verkohlten Weizenkörnern von sechs Fundplätzen auf den Halbinseln Shandong und Liaoning mit der Radiokarbonmethode (14C) bestimmt, die Größe der Körner mit der aus anderen Regionen verglichen und mit Bayesischer Modellierung aller Datierungen die Chronologie des Erscheinens von Weizen in verschiedenen Gebieten Chinas rekonstruiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass Weizen am unteren Gelben Fluss etwa 2600 v. Chr. eintrifft, erst ca. 1900 v. Chr. am Oberlauf in Gansu und in Xinjiang und ca. 1600 v. Chr. am mittleren Gelben Fluss und in Tibet. Damit werden die traditionellen Hypothesen (A) einer progressiven Verbreitung des Weizenanbaus in China von West nach Ost oder (B) seines nahezu gleichzeitigen Erscheinens im gesamten nordchinesischen Raum widerlegt. Wahrscheinlicher ist, dass Weizen über die eurasischen Steppen in den chinesischen Siedlungsbereich gelangte und zuerst von den Eliten am Unterlauf des Gelben Flusses konsumiert wurde. Aber warum gerade dort?

Eine gesellschaftliche Elite, die Reichtum und Status in aufwändig eingerichteten Grabanlagen zelebriert, wird dort zum ersten Mal ab etwa 3500 v. Chr. sichtbar. Machtentfaltung geht ab dem frühen dritten Jahrtausend v. Chr. einher mit dem Bau befestigter Stadtanlagen – Dinggong in der Provinz Shandong ist eine der prominentesten und in ihren Mauern fand man Weizen. Die Akkumulation von Luxusgütern wie in der Shandong-Longshan-Kultur findet sich sonst nur noch im Taosi-Komplex. Elegantes Geschirr für das Servieren, Speisen und Trinken verweist auf rituelle Feste und Zeremonien vor Publikum. Weizen als exotisches Getreide, oder Speisen und Getränke, die aus Weizen gemacht wurden, könnten bei solchen zur Schau Stellungen von Macht eine wichtige Rolle gespielt haben. Das würde auch erklären, warum Weizen nach seiner Ankunft nicht gleich zu einem Grundnahrungsmittel wurde, sondern frühestens nach 1600 v. Chr., wahrscheinlich noch viel später.

Die Gemeinschaften am Unterlauf des Gelben Flusses waren generell experimentierfreudig. Sie gehörten zu den ersten, die ab ca. 7000 v. Chr. Hirse domestizierten und um 6000 v. Chr. den Reisanbau aus dem Süden übernahmen. Ihr Handel mit Salz förderte die Entstehung von Städten wie Dinggong, wo auch die ältesten Schriftfragmente Chinas entdeckt wurden. Um die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. hatten sie ein Reich geschaffen, das den Nachbarn am Mittel- und Oberlauf des Gelben Flusses wirtschaftlich und technologisch überlegen, aber mit allen eng vernetzt war.


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