Homo erectus ging wie wir

Presseldung vom 13.07.2016


1,5 Millionen Jahre alte Fußabdrücke geben Einblicke in das Leben von Frühmenschen

Fossile Knochen und Steinwerkzeuge verraten uns viel über die menschliche Evolution. Doch wie sich unsere Vorfahren zum Beispiel fortbewegten oder miteinander interagierten lässt sich daraus kaum ableiten. Unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der University of Washington entdeckte ein internationales Forscherteam im Norden Kenias Fußspuren von Homo erectus, die die Fortbewegungsmuster und Gruppenstrukturen dieser Urmenschen hervorragend dokumentieren. So fanden die Forscher mithilfe neuester Analysemethoden heraus, dass die Gangart vom Homo erectus der des modernen Menschen stark ähnelt. Darüber hinaus belegen die Forscher anhand der Fußabdrücke ein Sozialverhalten, das mit dem moderner Menschen vergleichbar ist.

Die Fortbewegung auf zwei Beinen ist eine für den Menschen typische Eigenschaft, deren Entstehung tiefgreifende Auswirkungen auf die biologische Beschaffenheit unserer fossilen Vorfahren und Verwandten gehabt hatte. Bisher war jedoch umstritten, wann und auf welche Art und Weise die zweibeinige Gangart des Menschen entstanden ist. Vor allem waren sich die Forscher uneins, ob und wie biomechanische Eigenschaften von der Beschaffenheit des Skeletts abgeleitet werden können. Auch dazu, wie man mithilfe von Fossilien und anderen archäologischen Funden Rückschlüsse auf die Gruppenstrukturen und das Sozialverhalten unserer Vorfahren treffen kann – Eigenschaften also, in denen sich Menschen von anderen Primaten unterscheiden und die wahrscheinlich durch große evolutionäre Ereignisse ausgelöst wurden – gab es bisher keinen Konsens.

Fast hundert Abdrücke von 20 Frühmenschen

Im Jahre 2009 entdeckten Wissenschaftler nahe der Stadt Ileret in Kenia eine Ansammlung 1,5 Millionen Jahre alter menschlicher Fußabdrücke. Bei weiteren Grabungen in der Region stießen Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und Kollegen dann auf weitere menschliche Spurenfossilien in einer für diese Zeitperiode beispiellosem Umfang. Die Forscher identifizierten fünf verschiedene Gruppen von Fußspuren, insgesamt 97 Fußabdrücke von mindestens 20 verschiedenen menschlichen Individuen, bei denen es sich sehr wahrscheinlich um Homo erectus handelte. Durch experimentelle Untersuchungen fanden die Forscher heraus, dass die Fußabdrücke hinsichtlich ihrer Form von denen moderner barfüßiger Menschen nicht zu unterscheiden sind. Das legt die Vermutung nahe, dass Homo erectus bereits über eine moderne Fußanatomie und Fußmechanik verfügte. „Unsere Untersuchung der Fußabdrücke belegt nun erstmals die Vermutung, dass unsere fossilen Vorfahren bereits vor 1,5 Millionen Jahren so gegangen sind wie wir heutzutage“, sagt Kevin Hatala vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und der University of Washington.

Von den Fußabdrücken ausgehend schätzten die Forscher anschließend das Gewicht der „Spaziergänger“ und trafen so Rückschlüsse auf das Geschlecht der Menschen, die diese Spuren vor so langer Zeit hinterlassen haben. Anhand der zwei am umfangreichsten untersuchten Stätten konnten die Forscher Hypothesen zur Zusammensetzung der Homo erectus Gruppen aufstellen. An beiden Stätten fanden sie Belege, dass mehrere erwachsene Männer der Gruppe angehörten, was auf eine gewisse Toleranz hindeutet, möglicherweise sogar auf eine Kooperation. Die Kooperation unter Männern liegt vielen sozialen Verhaltensweisen zugrunde, die moderne Menschen von anderen Primaten unterscheiden. „Wir konnten zum ersten Mal einen direkten Blick auf das Verhalten unser Vorfahren werfen“, sagt Hatala.


Diese Newsmeldung wurde mit Material von Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig erstellt


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