Thrakisches Hügelgrab nahe Pomorje, Bulgarien
Schematischer Querschnitt eines Kurgans

Kurgan ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:ISO15924:97: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), kurgán „Hügel, Hügelgrab“, ursprünglich aus einer Turksprache entlehnt) bezeichnet einen großen, aus Erde oder Steinen aufgeschütteten kegelförmigen Grabhügel, wie er vor allem auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetstaaten zu finden ist. Im Deutschen meist als „Hügelgrab“ bezeichnet, ist im romanischen Sprachraum die Bezeichnung Tumulus üblich. Solche Grabhügel wurden ab der Jungsteinzeit bis in die Antike angelegt, an einigen Orten bis ins Mittelalter. Sie finden sich häufig in Moldawien, Russland, der Ukraine und der ostgeorgischen Trialeti-Kultur (mittlere Bronzezeit). Auch in Südost- und Mitteleuropa gibt es zahlreiche Kurgane. Die meisten der in oder unter den Hügeln liegenden Grabkammern sind über die Jahrtausende ausgeraubt worden, aber immer noch werden bei archäologischen Ausgrabungen aufsehenerregende Funde gemacht.

Etymologie

Für das russische Wort kurgán gibt es zwei Hauptquellen: Zum einen wird eine Herleitung vom alttürkischen korgan (Zuflucht, Festung) und dann dem mitteltürkischen kurgan (Festung, Festungswall, Hauptschrein) angenommen. Beide werden als Lautverschiebung des alttürkischen korigan betrachtet, mit der Wortwurzel korı- (schützen, verteidigen) und dem alttürkischen Suffix -gan.[1] Zum anderen wird kurgán vom alttürkischen Wortstamm qur- abgeleitet, ursprünglich aus Urtürkisch *kur- „(ein Gebäude) errichten, gründen“. Eine klare Trennung zwischen dem russischen kurgán und dem urtürkischen *kōrɨ-kan (Zaun, Schutz) ist aber schwierig herzustellen.[2]

Steinzeit und Bronzezeit

Die Kurgane der Jungsteinzeit und der Bronzezeit (ab dem 5. Jahrtausend v. Chr.) wurden von Angehörigen der so genannten Ockergrabkultur (Balkengrab-, Grubengrabkultur und der Katakombengrab-Kultur) zumeist entlang von Flussläufen errichtet. Sie enthalten eine Grabkammer mit einem einzelnen männlichen Skelett, manchmal zusammen mit Skeletten einer oder mehrerer Frauen und Untergebenen, die offensichtlich zum Begräbnis geopfert wurden. Grabbeigaben sind oft Waffen, in späteren Gräbern auch geopferte Pferde und ganze Wagen.

Die litauische Archäologin Marija Gimbutas hat ab 1956 eine Reihe dieser grabhügelbauenden Völker der späten Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit in Russland, der Ukraine und Moldawien aufgrund gemeinsamer Merkmale ihrer Bestattungen als „Kurgankultur“ zusammengefasst.

Eisenzeit

In der Eisenzeit (1. Jahrtausend v. Chr.) wurden Kurgane vor allem von Skythen und Sarmaten im eurasischen Raum errichtet, vorwiegend auf den höchsten Erhebungen in der eurasischen Steppe. Diese Grabhügel bildeten oft eine Kette von fünf bis zehn Kilometer Länge, die vielleicht auch der Gebietsabgrenzung diente. In der Öffentlichkeit wurden Funde aus dieser Epoche vor allem wegen des „Goldes der Skythen“ bekannt. Seit Jahrzehnten werden hier immer wieder in Einzelgräbern auch Frauenskelette gefunden. Die US-amerikanische Archäologin Jeannine Davis-Kimball unterteilt diese in vier Gruppen, je nach Art und Anzahl der Grabbeigaben: Kriegerinnen, Priesterinnen, Krieger-Priesterinnen und Frauen des Herdes. Davis-Kimball sieht hierin Hinweise für die Gleichstellung der Frau in sarmatischen Stämmen, die als ein möglicher Ursprung des Amazonen-Mythos diskutiert wird.

Experimentelle Archäologie

Die experimentelle Archäologie hat herausgefunden, dass zum Bau eines Kurgan-Grabhügels in Steppengebieten mindestens 100 Personen einen Monat lang beschäftigt waren, ohne die übliche Auskleidung der eigentlichen Grabkammer(n) mit Holz oder Steinmaterialien. Holz für die Grabkammern wurde nachweislich oft im Winter (in den bewaldeten Winterquartieren) geschlagen und über weite Strecken zum Ort der Bestattung transportiert. Fertige Kurgane konnten durchaus eine Höhe von über 20 Metern erreichen.

Siehe auch

Literatur

  • Ljudmila Konstantinovna Galanina u. a.: Die Kurgane von Kelermes: „Königsgräber“ der frühskythischen Zeit (= Steppenvölker Eurasiens. Band 1). Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau 1997, ISBN 5-89526-001-2 (Neuauflage 2003: ISBN 3-8053-2807-9; durchsuchbare Ansicht in der Google-Buchsuche).
  • Anatoli Nagler: Kurgane der Mozdok-Steppe in Nordkaukasien (= Archäologie in Eurasien. Band 3). Marie Leidorf, Espelkamp 1996, ISBN 3-89646-252-0 (Doktorarbeit 1993).

Weblinks

Commons: Kurgans – Sammlung von Bildern
Wiktionary: Kurgan – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Eintrag kurgan. In: Etymologisches Türkisches Wörterbuch Nişanyan.
  2. Einträge *Kōrɨ- und *Kur-. In: Sergei Anatoljewitsch Starostin u. a.: Etymological Dictionary of the Altaic Languages. Brill, Leiden 2003.

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