Hünenbett ohne Kammer von Boltersen
Das Hünenbett von Boltersen

Das Hünenbett von Boltersen

Hünenbett ohne Kammer von Boltersen (Niedersachsen)
Koordinaten 53° 16′ 2″ N, 10° 35′ 47″ OKoordinaten: 53° 16′ 2″ N, 10° 35′ 47″ O
Ort Boltersen, Niedersachsen, Deutschland
Entstehung 3500 bis 2800 v. Chr.

Das Hünenbett ohne Kammer von Boltersen (Fundstellennummer 47) liegt etwa 12 Kilometer östlich von Lüneburg in Niedersachsen. Es ist eine von einst drei eng benachbarten, ihrer Findlinge beraubten Megalithanlagen am Uhlenberg, wovon eine wiederhergestellt wurde. Das Hünenbett entstand zwischen 3500 und 2800 v. Chr. als Megalithanlage der Trichterbecherkultur (TBK). Neolithische Monumente sind Ausdruck der Kultur und Ideologie jungsteinzeitlicher Gesellschaften. Ihre Entstehung und Funktion gelten als Kennzeichen der sozialen Entwicklung.[1]

Beschreibung

Vor der Rekonstruktion des kammerlosen Hünenbettes wurde die Anlage archäologisch untersucht. Im Westteil des anhand der Standspuren der Einfassung rekonstruierbaren Langbettes fanden sich Reste einer hölzernen Kammer und querschneidige Pfeilspitzen sowie Scherben eines frühneolithischen Trichterbechers. Die Anlage wurde mittels Findlingen zu einem 30 Meter langen Hünenbett ausgebaut. Mittelneolithische Keramik (Typ Alttiefstich) die neben dem Langbett gefunden wurde, weist auf den Fortbestand von Aktivitäten an der Anlage hin.

Gegen Ende der Jungsteinzeit wurden im Bereich der einstigen Holzkammer zwei Gräber in den Hügel gegraben. Beide Bestattungen hatten einen Feuersteindolch und Keramik als Beigabe. In die in Dänemark Dolchzeit genannte Endphase des Neolithikums gehört auch ein zwischen zwei Findlingen der Nordostseite des Langbettes vergrabener Hort, der aus drei Felsgesteinsäxten und einem Feuersteinbeil bestand.

Die etwa 300 Gräber auf dem Buckelgräberfeld von Boltersen, deren Bezugspunkt das rekonstruierte Großsteingrab ist, gehören in die Jüngere Kaiserzeit (3. bis 5. Jahrhundert n. Chr.). Auf dem Gräberfeld wurde unter unbekannten Umständen eine bronzene Schwanenfibel gefunden. Das gegossene und nachgravierte Stück ist 6,6 Zentimeter lang. Das Design des Stückes aus dem 8. Jahrhundert zeigt inselbritischen Einfluss und ist ein Unikat.

Um Boltersen finden sich Reste der kammerlosen Hünenbetten von Bavendorf und Horndorf. Ein Gräberfeld mit 45 Hügeln liegt im Wald bei Rullstorf. Auf dem Kronsberg bei Rullstorf Landkreis Lüneburg wurde von 1979 bis 2009 eine umfangreiche archäologische Flächengrabung durchgeführt. Im Rahmen der Grabungen fanden die Wissenschaftler ein großes Körper- und Brandgräberfeld aus spätsächsischer Zeit (7.–8. Jahrhundert), dessen Untersuchung aufschlussreiche und interessante Erkenntnisse zu Tage brachte. In Rullstorf findet sich eines der größten Pferdegräberfelder Deutschlands, das zugleich zu den wichtigen Fundstellen dieser Art in Europa zählt.

Siehe auch

Literatur

  • Hans-Jürgen Häßler (Hrsg.): Ur- und Frühgeschichte in Niedersachsen. Theiss, Stuttgart 1991 S. 509. ISBN 3-8062-0495-0
  • Ernst Sprockhoff: Atlas der Megalithgräber Deutschlands. Teil 3: Niedersachsen – Westfalen. Rudolf-Habelt Verlag, Bonn 1975, ISBN 3-7749-1326-9, S. 40.

Weblinks

Commons: Großsteingrab Boltersen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Müller In: Varia neolithica VI 2009 S. 15

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.