Verfärbungen im Acker zeigen den Verlauf des Begrenzungswalls
Blick von Norden auf die bewaldete Bergzunge des Eselsberges mit dem «Dachshügel»

Der Dachshügel Großdraxdorf ist ein archäologischer Fundplatz bei Großdraxdorf, einem Weiler der Stadt Berga/Elster im Landkreis Greiz in Thüringen. Bezogen auf die Grundfläche handelt es sich um das größte Bodendenkmal des nördlichen Vogtlandes.[1][2]

Lage

Das Felsgebilde der Teufelskanzel

Das Areal der Siedlungs- und Wallanlage liegt auf dem Eselsberg, etwa drei Kilometer südlich der Gemeinde Wünschendorf/Elster und der südlich angrenzenden Flur des Ortes Großdraxdorf. Die Hochfläche ragt mit ihren bewaldeten Steilhängen bis zu 90 Meter über den Talgrund der Weißen Elster. Am westlichen Rand der Hochfläche führt der von Großdaxdorf kommende Kirchsteig nach Veitsberg an dem durch mehrere Sagen bekannten Felsen Weiberstein vorbei und strebt zunächst der Nordspitze des Bergsporns zu. Die dort befindliche Teufelskanzel ist ein ebenfalls durch Sagen bekannter Ort. Im Gehölz an der Abbruchkante konnten die spärlichen Reste einer abgegangenen mittelalterlichen Spornburg nachgewiesen werden, die als Flurname Burgstatt auch in älteren Kartenwerken für das südlich angrenzende Gebiet verwendet wurde.[1] Für die auffälligen Reste der einstigen Wallburg wurde der Name Dachshügel gewählt.[2]

Alter und Besiedlungsphasen

Die ersten Spuren menschlichen Lebens stammen vom Ende der Jungsteinzeit, es handelt sich um Keramik und Werkzeugreste.[1]

Die bronzezeitlichen Grabfunde, die zum Teil unter den Resten eines Walls gefunden wurden, stellen Reste eines Hügelgräberfeldes dar. Zum Ende der Bronzezeit entstand eine außerordentlich hohe Holz-Erde-Stein-Konstruktion als Wallbefestigung. Das Wachstumsalter der für die Wallanlage verwendeten Baumstämme liegt nach Radiokarbon-Datierung um 1260 bis 980 vor Christus.[3]

Die umfangreiche Wallanlage wurde fortwährend mit Unterbrechungen bis in das Mittelalter besiedelt. Die heutigen Flurnamen Burgstatt und Wüstes Gut erinnern an die letzte Besiedlungsphase im 13. Jahrhundert.

Eine vermutete slawische Wallburg des 8. bis 10. Jahrhunderts und den lokalen deutschen Herrschaftssitz scheint es nicht an diesem Platz gegeben zu haben.[2]

1847 wurde ein bedeutender Teil des Areals zugunsten der landwirtschaftlichen Nutzung einplaniert, im verbliebenen Teil erkennen Besucher die noch deutlichen Reste der einstigen Wallanlage. Von Bauern der umliegenden Orte wurden schon im beginnenden 19. Jahrhundert in den Wällen Schürfstellen angelegt, um dort Asche, Schlackereste und Holzkohle zu bergen, die sie zur Düngung der Felder und Gärten verwendeten. Die dabei zufällig freigelegten Fundstücke erweckten rasch das Interesse des Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins, der ab 1854 die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen vornahm.[2][4][5]

Fundstücke

Fundstücke der ersten Grabungen in den Jahren 1854/55 zeigt das Museum Reichenfels-Hohenleuben.[6]

Weblinks

Commons: Dachshügel Großdraxdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Karl Peschel: Der Eselsberg bei Großdraxdorf, Stadt Berga, Lkr. Greiz, in urgeschichtlicher Zeit - ein Beitrag zur Forschungsgeschichte in Thüringen. In: Alt-Thüringen. Band 39. Beier & Beran, Weimar 2006, ISBN 978-3-937517-61-2, S. 5–68. (als Digitalisat bei URMEL)
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Das nördliche Vogtland um Greiz. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Greiz, Weida, Berga, Triebes, Hohenleuben, Elsterberg, Mylau und Netzschkau. In: Leibniz-Institut für Länderkunde (Hrsg.): Landschaften in Deutschland. Band 68. Böhlau Verlag, Leipzig 2006, ISBN 3-412-09003-4, Großdaxdorf, seit 1994 zu Berga, mit Dachshügel und Dachsdorfer Bastei, S. 105–108.
  3. Kurt Serwotke: Eichenblätter Heft 7 Heimat- und Geschichtsverein, Berga/Elster 2013.
  4. Beiträge zur Geschichte O.Fischer Verlag Aderhold, Weida/Th. 1930
  5. Stadt Berga – Großdraxdorf (Memento vom 3. Juni 2009 im Internet Archive)
  6. Museum Reichenfels. Abgerufen am 26. Mai 2017.

Koordinaten: 50° 46′ 40,8″ N, 12° 6′ 31,7″ O

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