Dünsberg


Dieser Artikel behandelt den Berg Dünsberg; für den Ortsteil des Marktes Rennertshofen, siehe Dünsberg (Rennertshofen).
Dünsberg
Blick auf den Dünsberg

Blick auf den Dünsberg

Höhe 497,7 m ü. NN
Lage Hessen, Deutschland
Gebirge Gladenbacher Bergland
Dominanz 14 km → Schönscheid (498 m, Zollbuche)
Schartenhöhe 194 m ↓ Erbhof zwischen Frankenbach und Wilsbach[1]
Koordinaten 50° 39′ 2″ N, 8° 34′ 50″ O50.6506078.580569497.7Koordinaten: 50° 39′ 2″ N, 8° 34′ 50″ O
Dünsberg (Hessen)
Dünsberg
Blick von Gießen vorbei an den Burgen Vetzberg (links) und Gleiberg (rechts) zum Dünsberg

Blick von Gießen vorbei an den Burgen Vetzberg (links) und Gleiberg (rechts) zum Dünsberg

Der Dünsberg ist mit 498 m ü. NN der höchste Berg in der Umgebung von Gießen und Wetzlar, Hessen. Auf dem Berg befand sich eine große keltische Siedlung (Oppidum).

Geographie

Geographisch bzw. geologisch betrachtet bildet der im Landkreis Gießen gelegene Dünsberg, dessen Gipfel sich ungefähr 7 km (Luftlinie) nordwestlich von Gießen bzw. nordöstlich von Wetzlar unmittelbar nordwestlich von Fellingshausen (ein Ortsteil von Biebertal) erhebt, aufgrund seiner Besonderheit eine sog. Singularität am Südostrand des Gladenbacher Berglandes, das naturräumlich noch zum Westerwald gezählt wird. Flächenmäßig gehört der größte Teil des Dünsbergs zum Biebertaler Ortsteil Königsberg. Der stark bewaldete Berg, der von einem Naturschutzgebiet umgeben ist, besteht überwiegend aus Kieselschiefern, die im Karbon vor etwa 360 – 300 Millionen Jahren entstanden sind. Östlich, südöstlich und südlich des kegelförmigen Bergs verläuft etwas entfernt die Lahn, die unter anderem durch Gießen und Wetzlar fließt. Seine Dominanz gegenüber dem 30 cm höheren Schönscheid im Höhenzug Zollbuche beträgt 14 Kilometer.

Dünsberg-Türme

Weithin sichtbar und eindeutig erkennbar ist der Dünsberg durch den zwischen 1974 und 1978 von der Deutschen Bundespost errichteten, 108 Meter hohen Fernmeldeturm Dünsberg, der den von 1964 bis 1966 erbauten Stahlgitterturm ersetzt.

Unmittelbar neben dem Fernmeldeturm steht ein 1899 errichteter Aussichtsturm von mit einer daran angegliederten Gaststätte. Die Aussicht reicht unter anderem bis zum Westerwald, zum Vogelsberg und zum Taunus.

Sehenswertes

Der Dünsberg ist sowohl als Landschafts- als auch als Kulturdenkmal von Bedeutung:

Er ist als höchster Berg der Gegend ein beliebtes Ziel bei allen ambitionierten Radfahrern und Wanderern. Der Dünsberg lässt sich dabei sowohl über öffentliche Straßen und einen asphaltierten Zufahrtsweg (gesperrt für den Straßenverkehr) als auch über diverse Pfade und unbefestigte Wege direkt am Berg ersteigen.

In der Gemeindeverwaltung in Rodheim sind im Museum KeltenKeller zahlreiche Originalfunde aus den Ausgrabungen zu besichtigen. Seit 1999 finden dort umfangreiche Ausgrabungen statt. Um die Lebensweise der Kelten zu demonstrieren, wurden vom Dünsberg-Verein ein Keltentor sowie weitere Bauwerke einer Keltenstadt errichtet.

Geschichte

Hauptartikel: Ringwallanlage Dünsberg
Ringwall auf dem früher von Kelten besiedelten Dünsberg

Am Südhang des Dünsberg befinden sich Grabhügel mit Funden aus dem Neolithikum und der Bronzezeit. Daher ist eine Besiedlung bereits in der vorkeltischen Epoche wahrscheinlich. Systematische Befestigungen der Kuppe sind seit der Urnenfeldzeit (8. Jahrhundert v. Chr.) nachweisbar.

Die keltische Siedlung (Oppidum), erreichte während der La-Tène-Zeit (etwa 3. Jahrhundert v. Chr.) die höchste Blüte. Von der Siedlung zeugen noch heute drei konzentrische Ringwälle als Reste. Die Ringe erreichen eine Höhe bis zu 10 Meter. Der äußere Ring umschließt ein Areal von 90 Hektar. Schätzungen gehen von bis zu 2.000 Einwohnern aus. Durch Nutzung regionaler Eisenvorkommen erreichte der Ort eine wirtschaftliche Blüte. Im 1. Jahrhundert n. Chr. setzte der Niedergang der Siedlung ein. Die genauen Gründe sind unbekannt.

Nach dem Ende der Keltensiedlung wurde der Dünsberg jedoch, wegen seiner strategisch günstigen Lage, auch weiter als befestigter Ort genutzt. So sind Waffenfunde aus dem 5. Jahrhundert bekannt. Funde am Osthang des Berges werden als Reste einer alamannischen Burg des 4. oder 5. Jahrhunderts angesehen. Zu dieser Zeit hatte höchstwahrscheinlich ein alamannischer regulus, ein Kleinkönig, seinen Sitz auf dem Berg. Ebenfalls aus der Merowingerzeit sind Funde vom Dünsberg überliefert.

Direkt am Dünsberg vorbei zog einst ein vermutlich schon frühgeschichtlicher Höhenweg, aus Richtung Gießen (Glauberg?, Schiffenberg?) kommend, der auf der „Lahn-Dill-Wasserscheide“ bzw. „Aar-Salzböde-Wasserscheide“ weiter zur Angelburg führte, einem bedeutenden Kreuzungspunkt frühgeschichtlicher und mittelalterlicher Fernwege. Hier befand sich vermutlich auch ein zentrales vorchristliches (keltisches?) Heiligtum, die heutigen Wilhelmsteine. Der Weg hieß später „Westfalenweg“, weil man über ihn nach Westfalen gelangen konnte. Ab Gießen bis zur Zollbuche hat die heutige L 3047 seine Nachfolge angetreten. Sie verläuft nahezu auf der gleichen Trasse.

Während des Siebenjährigen Krieges wurde, Herbst 1759 oder März 1761, von französischen Truppen auf dem Dünsberg eine Schanze errichtet.

Die Gemarkung gehörte bis zum 1. Januar 1977 zum Altkreis Wetzlar.

Einzelnachweise

  1. TK 25 liefert eine niedrigere Dominanz als die in Dominanzen und Prominenzen nach Highrisepages.de, wo offenbar bis zum Hirschhohl (503 m) gemessen wird.

Literatur

  • Dünsberg-Verein Biebertal e. V.: Der Dünsberg und das Biebertal, Brühl’sche Universitätsdruckerei Gießen 1982, ISBN 3-9800654-1-3.
  • Archäologie im Gleiberger Land e. V.: Der Dünsberg bei Biebertal, Kreis Gießen – Archäologische Ausgrabungen in einer keltischen Stadt, Biebertal 2006, ISBN 3-00-018809-6.
  •  Michael Losse: Die Lahn Burgen und Schlösser. Imhof Verlag, Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-070-9.
  •  Christoph Schlott: Dünsberg. Keltenmetropole an der Lahn. Terra Incognita Institut, Usingen 2008, ISBN 9783980975131.

Weblinks


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...
03.09.2020
Künstliche Intelligenz hilft in der Archäologie
Künstliche Intelligenz ist besser als bisherige Softwareanwendungen in der Lage, den Ursprung archäologischer Funde aus naturwissenschaftlichen Unte...
26.08.2020
Bronzezeit: Fremde Ernährungstraditionen in Europa
Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit beeinflusste auch ein neues Lebensmittel die ökonomische...
26.08.2020
Wie sich Neandertaler an das Klima anpassten
Klimaveränderungen kurz vor ihrem Verschwinden lösten bei den späten Neandertalern in Europa eine komplexe Verhaltensänderung aus: Sie entwickelte...
17.08.2020
Radiokarbonuhr zur C-14 Datierung neu geeicht
Die Radiokarbondatierung wird genauer als je zuvor: Als Teil eines internationales Forschungsteam trug die Universität Hohenheim dazu bei die Technik...
06.08.2020
Langer Hals half Saurier bei Unterwasserjagd
Sein Hals bestand aus dreizehn extrem verlängerten Wirbeln und war dreimal so lang wie sein Rumpf: Der Giraffenhalssaurier Tanystropheus lebte vor 24...
06.08.2020
Ein Riesenkranich aus dem Allgäu
Forschungsteam beschreibt rund elf Millionen Jahre alten Vogelschädel von der Fundstelle Hammerschmiede als frühesten Nachweis eines großen Kranich...
04.08.2020
Jonah’s Mausmaki: Internationales Forscherteam entdeckt in Madagaskar neue Primatenart
Ein Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus sechs Ländern hat in Madagaskar eine neue Mausmaki-Art entdeckt. Das Forscherte...
31.07.2020
Bisher älteste Bissspuren von Säugetieren auf Dinosaurierknochen entdeckt
Forschungsteam der Universität Tübingen belegt, dass kleine Säuger aus dem Nordwesten Chinas vor 160 Millionen Jahren Aas nicht verschmähten.
30.07.2020
Wie die Landwirtschaft ins Ammertal einzog
Forschungsprojekt erstellt geoarchäologisches Archiv der ersten Mensch-Umwelt Interaktionen in Tübinger Region: Landschaft wandelte sich vom Feuchtg...
30.07.2020
55 Millionen Jahre altes Skelett einer Eule
Senckenberg-Wissenschaftler Gerald Mayr hat mit Kollegen aus Belgien und den USA eine neue fossile Eulenart beschrieben. Das Skelett von Primoptynx po...
25.07.2020
Kluge Köpfe entwickeln geschickte Hände
Affenarten mit grossen Gehirnen beherrschen schwierigere Handgriffe als solche mit kleinen Hirnen. Doch das Erlernen feinmotorischer Fähigkeiten wie ...
25.07.2020
Neandertaler besaßen niedrigere Schmerzschwelle
Schmerz wird durch spezielle Nervenzellen übertragen, die aktiviert werden, wenn potenziell schädliche Einflüsse auf verschiedene Teile unseres Kö...
20.07.2020
Werkzeug-Satz aus Elfenbein
Meißel aus Mammutstoßzähnen wurden vor 38.000 Jahren multifunktional eingesetzt – Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgesc...
16.07.2020
Schwanz wog zweieinhalb Tonnen
Ein Forscherteam unter der Leitung von Verónica Díez Díaz, Postdoktorandin an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Museum für Naturkunde Be...