Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg Konstanz
Kloster Petershausen 03.jpg
Zentrale des Landesmuseums in Konstanz – altes Klostergebäude und moderner Anbau
Daten
Ort Konstanz, Baden-Württemberg
Art
Geschichte, Archäologie
Eröffnung 14. März 1992
Besucheranzahl (jährlich) > 40.000
Betreiber
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
Leitung
Claus Wolf
Website
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Das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg (alm) betreut die Landesarchäologie von Baden-Württemberg, indem es archäologische Funde aus dem Landesgebiet archiviert und in Sonderausstellungen sowie mehreren Museen präsentiert.

Die zentrale Schausammlung befindet sich in Konstanz. Weitere baden-württembergische Sammlungen und Ausstellungen sind dem Landesmuseum unterstellt.

Die Gründung des Landesmuseums wurde am 8. Juni 1990 vom Landeskabinett Späth beschlossen. Gründungsdirektor war Dieter Planck, 2010 bis zu seinem Ruhestand am 1. September 2018 hatte Jörg Heiligmann die Leitung inne. Anschließend übernahm zunächst Barbara Theune-Großkopf kommissarisch die Leitung. Am 1. Juli 2019 wurde Claus Wolf neuer Direktor des Landesmuseums[1] – wie zeitweise auch Dieter Planck – in Personalunion mit der Leitung des Landesdenkmalamts.

Zentrale Konstanz

Einbaum aus dem Schluchsee (ca. 650 n. Chr.)[2]

Die Zentrale in Konstanz beherbergt die wichtigste Dauerausstellung des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg. Sie ist im Konventsgebäude der ehemaligen Benediktinerabtei Petershausen untergebracht und wurde am 14. März 1992 zunächst als Außenstelle eröffnet. Seit 2010 ist das Museum keine Außenstelle mehr, sondern ein eigenständiges Museum.[3] Ihre große Schausammlung präsentiert mittels einer repräsentativen Auswahl archäologischer Funde einen Querschnitt der Landesgeschichte.

Dauerausstellungen

Die ständige Ausstellung in Konstanz hat 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf drei Stockwerken und besteht aus mehreren Themenräumen:

Erdgeschoss

  • Infopoint zum UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen
  • Nachgestellte Grabungsstätte (Räume 101–103): Hier werden die Methoden dargestellt, mit denen der Archäologe seine Erkenntnisse bei Ausgrabungen gewinnt.
  • Menhir von Weilheim
  • Der Mensch (Raum 104): zur Entwicklung des Menschen
  • Einbaum, Lastensegler, Dampfschiff (Raum 105): Geschichte der Schifffahrt in Südwestdeutschland
  • Schiffsfunde vom Bodensee (Raum 106), darunter auch das älteste Schiff vom Bodensee, ein mittelalterliches Lastschiff, das vor Immenstaad gefunden wurde. Der Umriss des Lastkahns wird von der Außenfassade des Anbaus besonders hervorgehoben.
  • Ehemaliges Refektorium (Raum 111) für Vorträge
Feuersteindolch aus der Pfahlbausiedlung Allensbach, 2900 v. Chr.

Erstes Obergeschoss

  • Die Welt der Pfahlbauten (Raum 201 – 203): Präsentation der neuesten Ergebnisse der Pfahlbauforschung zu den Pfahlbauten am Bodensee und in Oberschwaben
  • Ladenburg (Raum 204): Reste der römischen Siedlung Lopodunum; Schatzfund von Ladenburg
  • Lauchheim (Raum 205): Grabbeigaben
  • Sonderausstellungsräume (Raum 206–208)
    • 2021/2022: Große Sonderausstellung Magisches Land – Kult der Kelten in Baden-Württemberg[4]

Zweites Obergeschoss

  • Trossingen (Raum 301)
  • Trossingen (Raum 302)
  • Lebensbedingungen in mittelalterlichen Städten und Dörfern (Raum 303)
  • Konstanz (Raum 304): Stadtarchäologie – Die Entdeckungen der letzten zehn Jahre der Stadtarchäologie Konstanz und auch die Entwicklung des römischen Kastells werden präsentiert.
  • Aus Latrinen lernen (Raum 305): Weggeworfenes erzählt uns die Geschichte
  • Spaß und Spiel im Mittelalter (Raum 306); zu sehen ist unter anderem die älteste Maske aus Südwestdeutschland
  • Gruftartefakte der Grafen von Sulz aus der Tiengener Kirche St. Maria Himmelfahrt (Raum 308): Die Religion bestimmt das Leben
  • Das unterirdische Stadtarchiv (Raum 309): Die Türen zur Vergangenheit

Besondere Exponate

  • Seit 2007 präsentiert das Landesmuseum die sogenannte Trossinger Leier, einen Fund aus einer alamannischen Grabstätte bei Trossingen, die auf das Jahr 580 n. Chr. datiert wird. Die Leier ist fast vollständig erhalten und gilt als das besterhaltene Stück unter den insgesamt 15 bekannten frühmittelalterlichen Exemplaren.
  • Im Eingangsbereich, im Bereich der Treppe, steht das Original des Menhirs von Weilheim, eines teilweise reliefierten Monolithen aus der frühen Bronzezeit.
  • Das älteste Schiff vom Bodensee aus dem Jahr 1340 n. Chr. diente zum Transportieren von Gütern und wird in einem eigens dafür errichteten gläsernen Anbau des Museums gezeigt.
  • Weitere Highlights werden auf der Website des Museums vorgestellt.[5]

Archäologie & Playmobil

Im Dachgeschoss des Hauptsitzes Konstanz findet seit dem Jahr 2006 regelmäßig zur Weihnachtszeit die Ausstellung Archäologie und Playmobil statt. Hier werden auf 100 Quadratmetern verschiedene geschichtliche Epochen anhand von Spielzeugfiguren dargestellt.[6] Zu den Themen gehörten:

  • 2006/2007: Ritter, Wikinger und Römer
  • 2008/2009: Archäologie, Mittelalter, Wikinger, Ägypter und Römer (Alexandrinischer Krieg)[7]
  • 2009/2010: Ausgrabungen in Konstanz, Leben auf einer mittelalterlichen Burg, Wikinger sowie römische Kultur im Reich der Pharaonen[8]
  • 2010/2011: Ritter, Sarazenen und Kelten[6]
  • 2011/2012: Leben am römischen Limes, in stein- und bronzezeitlichen Pfahlbauten und in der eiszeitlichen Welt der Schwäbischen Alb[9]
  • 2012/2013: Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2012: Die Welt der Kelten. Zentren der Macht. Kostbarkeiten der Kunst (zusammen mit dem Landesmuseum Württemberg, in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und dem Historischen Museum Bern)[10]
  • 2013 bis 2015: Voll bis unters Dach – Konstanz und sein Konzil (aus Anlass des 600. Jubiläum des Konstanzer Konzils)
  • 2015 bis 2017: Die Pfahlbauten! (aus Anlass der Großen Landesausstellung 4.000 Jahre Pfahlbauten)
  • 2020 bis 2021: Es kommt ein Schiff, geladen (Szenen rund um die Schifffahrt während der Pfahlbau- und Römerzeit sowie im Mittelalter)

Einblicke von Museum

Veranstaltungen

Es finden neben Kinder-, Gruppen-, Familien-, Senioren- und Sonderführungen zu den Dauer- und Sonderausstellungen sowie durchs ganze Museum, auch Ferienaktionen und museumspädagogische Programme wie Tagungen, Lesungen, Taschenlampenführungen, Feste, Märkte, Workshops, Geburtstage und andere Unterhaltungsprogramme statt.

An jedem ersten Samstag im Monat ist der Eintritt frei.

Weitere Sammlungen

Das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg betreut folgende archäologische Zweigmuseen:

Als zentrale Dokumentationsstätten des Weltkulturerbes Obergermanisch-Raetischer Limes:

Das Zentrale Fundarchiv im ehemaligen Festungslazarett in Rastatt beherbergt die Lagerobjekte.[11]

Landesausstellungen

Das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg hat die Großen Landesausstellungen Baden-Württemberg 1997 „Die Alamannen“, 2005 „Imperium Romanum – Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau“ und 2009 „Eiszeit – Kunst und Kultur“ präsentiert, die in wechselnden Ausstellungsgebäuden in Stuttgart (zum Beispiel im Kunstgebäude am Schloßplatz oder im Gebäude der Landesbank Baden-Württemberg) gezeigt wurden. Das Archäologische Landesmuseum hatte die Federführung bei der Durchführung der großen Sonderausstellung „Troia – Traum und Wirklichkeit“ im Jahr 2001 und bereitete gemeinsam mit der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Federseemuseum Bad Buchau und den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg eine weitere Große Landesausstellung mit dem Thema „4.000 Jahre Pfahlbauten“ vor, die bis Oktober 2016 im Kloster Schussenried und im Federseemuseum Bad Buchau gezeigt wurde.

Dienststelle Rastatt mit Zentralem Fundarchiv und Referat Zweigmuseen

Das Zentrale Fundarchiv des Landesmuseums im badischen Rastatt wurde am 4. Juni 1999 eröffnet. Es ist im ehemaligen Lazarett der Bundesfestung Rastatt untergebracht und dient der zentralen Aufbewahrung archäologischer Funde aus Baden-Württemberg, die nicht in den Museen ausgestellt werden können. Beispielsweise werden die Skelettfunde vom Areal des ehemaligen Vincentius-Krankenhauses in Konstanz in der Nähe der Schottenkapelle St. Jakob (Konstanz) im Archiv des Landesamtes für Denkmalpflege in Rastatt aufbewahrt.[12]

Außerdem befindet sich in der Dienststelle Rastatt auch das Referat Zweigmuseen des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg.

Siehe auch

  • Liste archäologischer Museen
  • Liste der Landesmuseen
  • Liste der Museen in Baden-Württemberg

Literatur

  • Dieter Planck (Hrsg.): Archäologie in Baden-Württemberg. Das Archäologische Landesmuseum, Außenstelle Konstanz. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum, Außenstelle Konstanz. Theiss, Stuttgart 1994, ISBN 3-8062-1168-X.
  • Glaube, Kunst und Spiel (= Almanach 1). Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 1996, ISBN 3-8062-1293-7.
  • Goldene Jahrhunderte. Die Bronzezeit in Südwestdeutschland (= Almanach 2). Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1298-8.
  • Das römische Prunkportal von Ladenburg (= Almanach 3). Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062-1376-3.
  • Von Schmieden, Würflern und Schreinern. Städtisches Handwerk im Mittelalter (= Almanach 4). Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1422-0.
  • Einbaum, Lastensegler, Dampfschiff. Frühe Schifffahrt in Südwestdeutschland (= Almanach 5/6). Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2000, ISBN 3-8062-1500-6.
  • Über die Alpen. Menschen – Wege – Waren (= ALManach 7/8). Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1733-5.
  • Die Schraube zwischen Macht und Pracht. Das Gewinde in der Antike. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg und vom Museum Würth. Thorbecke, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-3628-0.
  • Die Alamannen. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1302-X.
  • Troia. Traum und Wirklichkeit. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg u. a. Theiss, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1543-X.
  • Imperium Romanum – Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1945-1.
  • Im Schutze mächtiger Mauern. Spätrömische Kastelle im Bodenseeraum. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg u. a. Frauenfeld 2005, ISBN 3-9522941-1-X.
  • Bevor die Römer kamen. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg u. a. Sulgen 2008, ISBN 978-3-9522941-3-0.
  • Eiszeit – Kunst und Kultur. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0832-2.
  • Barbara Theune-Großkopf: Mit Leier und Schwert. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg. Friedberg 2010, ISBN 978-3-9812181-2-1.
  • Die Welt der Kelten. Zentren der Macht – Kostbarkeiten der Kunst. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg, dem Landesmuseum Württemberg und dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7995-0752-3.
  • Römer, Alamannen, Christen. Frühmittelalter am Bodensee. Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg und dem Museum für Archäologie Thurgau, Frauenfeld 2013, ISBN 978-3-9522941-6-1.
  • GlasKlar – Archäologie eines wertvollen Werkstoffes Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg, Friedberg 2015, ISBN 978-3-9817006-1-9.
  • 4.000 Jahre Pfahlbauten Hrsg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg und dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Ostfildern 2016, ISBN 978-3-7995-0676-2.

Weblinks

Commons: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Pressemitteilung Baden-Württemberg.de: Professor Dr. Claus Wolf neuer Direktor am Archäologischen Landesmuseum. 2. Mai 2019, abgerufen am 11. Dezember 2020.
  2. Schluchsee: Einbaum schwimmt ins Museum, Badische Zeitung vom 9. Juni 2011, Zugriff am 12. Juni 2011
  3. Über uns // Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg (Memento vom 14. Mai 2013 im Internet Archive)
  4. Große Sonderausstellung: „Magisches Land“ – Kult der Kelten in Baden-Württemberg. https://www.alm-bw.de, abgerufen am 28. August 2021.
  5. Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg: Highlights – Überblick; abgerufen am 9. Juni 2020
  6. 6,0 6,1 Luisa Rische: Mit Playmobil auf Zeitreise, Südkurier, 15. Dezember 2010, Zugriff am 12. Februar 2012
  7. Fritjof Schultz-Friese: Eine der größten Playmobil-Ausstellungen Deutschlands im ALM Konstanz, Bodensee-Woche, 9. Januar 2009, Zugriff am 12. Februar 2012
  8. kunst-und-kultur.de: Archäologisches Landesmuseum Ausstellung: ARCHÄOLOGIE und playmobil, Zugriff am 12. Februar 2012
  9. konstanz.alm-bw.de: Archäologie und Playmobil (Memento vom 30. April 2013 im Internet Archive), Zugriff am 12. Februar 2012
  10. http://www.kelten-stuttgart.de/
  11. Ralf Baumann: 25 Jahre Archäologisches Landesmuseum. In „Konstanzer Almanach“, 2018, S. 70–71.
  12. Lukas Ondreka: Die Toten vom Vincentius-Areal. In: Südkurier, 13. November 2018, S. 19.

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