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Spezies: | Australopithecus afarensis |
| lebte vor: | ca. 3,8 bis 2,9 Millionen Jahren | |
| Lebensraum: | Ostafrika | |
| Finder: | Donald Johanson, Tim White | |
| Typusexemplar: | Nr. LH4 |
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Australopithecus afarensis gehört zu einer der am Besten erforschten Vormenschenarten, deren Überreste Wissenschaftler erstmals Mitte der 1970er Jahre entdeckten. Von dieser Spezies wurden sogar Fußabdrücke in Vulkanasche freigelegt, die beweisen, dass diese Art aufrecht durch die Savannen streifte. Insgesamt fanden Wissenschaftler mehrere Hundert Knochenfragmente von Australopithecus afarensis in Tansania, Kenia und Äthiopien. Der bekannteste Australopithecus afarensis ist unter dem ungewöhnlichen Spitznamen Lucy bekannt geworden: Lucy, benannt nach dem Beatles-Hit "Lucy in the sky with diamonds". Berichten zufolge soll jemand bei der Feier, die man am Tag der Entdeckung veranstaltete, den Kassettenrecorder immer und immer wieder mit diesem Stück gefüttert haben. Irgendwann hatte der Fund dann den Spitznamen Lucy abbekommen. Einige Paläoanthropologen sind der Meinung, Australopithecus afarensis sei der gemeinsame Vorfahre von allen späteren Hominidenarten und somit auch der Menschen. Lucy ist daher auch unter dem Namen "Mutter der Menschheit" oder "afrikanische Eva" bekannt geworden. Das war allerdings etwas vorschnell, denn heute vermuten viele Wissenschaftler, dass Lucy in Wirklichkeit ein Mann war. Insgesamt wurden 40 Prozent von Lucys Skelett entdeckt. Somit ist Lucy – egal ob nun männlich oder weiblich – eines der vollständigsten Skelette eines Australopethicus, die je gefunden wurden. |
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Australopithecus afarensis gehört zu den besser bekannten Arten der Australopithecinen, schon allein wegen der Fülle von Fossilfunden, die dieser Art zugeschrieben werden. A. afarensis wurde 1978 von Donald Johanson und Tim White beschrieben und deren Arbeit führte bis in die 1980er Jahe zu hitzigen Debatten über die Gültigkeit dieses Taxons. Heute akzeptiert jedoch die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler diese Art und reiht sie in die Schlange der Anwärter auf den Titel "Vorfahr des Menschen" ein.
Das vielleicht vollständigste Exemplar eines Australopithecus afarensis ist das Fundstück AL 288-1 (besser bekannt unter dem Namen „Lucy“), ein 3,2 Millionen Jahre altes Einzelskelett, das im November 1974 bei Hadar, Äthiopien gefunden wurde.
Australopithecus afarensis kann anatomisch in zwei chronologische Kategorien eingeteilt werden, nämlich frühe Exemplare die vor 3,9-3,5 Millionen Jahren lebten und späte vor 3,5-3,0 Millionen Jahren. Zu den frühen afarensis gehören Fundstücke aus Laetoli, Belohdelie und vielleicht Sibilot, während die Funde aus Hadar und Maka hauptsächlich die späteren Formen repräsentieren dürften.
Neben „Lucy“ gibt es noch andere bekannte und wichtige Exemplare, so etwa ein Fund mit dem bedeutungsschwangeren Namen „Die erste Familie“ (A.L. 333-105) oder der Schädel AL 444-2, sowie AL 129-1A + 1B, ein komplettes Kniegelenk eines Australopithecus afarensis. Erwähnen muss man hier auch unbedingt die Fußabdrücke von Laetoli, die Mary Leakey 1977/78 freilegte und das Typusexemplar LH 4, das anatomisch als besonders charakteristisch für afarensis angesehen wird.
Australopithecus afarensis war ca. 30 bis 50 kg schwer und erreichte eine Körpergröße von 1,20 m. Die Größe des Gehirns entsprach weitgehend der heutiger Schimpansen, jedoch sind die Backenzähne deutlich größer als bei Schimpansen von ähnlicher Statur. Australopithecus afarensis war daher wohl auf die Zerkleinerung recht grober Pflanzenteile angepasst, wie man sie in den an den tropischen Regenwald anschließenden Savannengebieten findet. Aus der Anatomie der Schulterblätter und der Arme kann man Rückschlüsse auf eine noch vorhandene Fähigkeit zum Klettern in den Bäumen ziehen. Die Fingerknochen der Hand waren stärker gebogen als beim heutigen Menschen. Überwiegend dürften diese Vormenschen jedoch aufrecht gegangen sein.
Eine große Anzahl von Fundstücken stammt aus Laetoli, Tansania, ungefähr 50 km südlich von der Olduvai-Schlucht gelegen. Die meisten Stücke wurden zwischen 1974 und 1979 von Mary Leakey gefunden und von Tim White wissenschaftlich beschrieben. Die Überreste sind zwischen 3,76 und 3,56 Millionen Jahre alt, so etwa LH 15 mit einem Alter von 3,46 Millionen Jahren. Die Überreste bestehen zum größten Teil aus Zähnen und Kiefern, jedoch befindet sich auch ein Teil des postcranialen Skeletts eines Kindes darunter (LH 21).
Die Gebisse aus Laetoli gehören zu den komplettesten, die man von frühen Hominiden kennt. Die Eckzähne zeigen noch die ursprünglichen, markanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wobei sich die Eckzähne der Männchen zum einen durch ihre Größe und zum anderen durch die sich verjüngenden Zahnkronen von den Weibchen unterscheiden. Australopithecus afarensis besaß relativ die größten Zähne aller Hominiden, vergleichbar etwa mit Schimpansen.
Einer der weithin bekanntesten Überreste von Laetoli sind die berühmten Fußspuren. Es hat viele Interpretationen der Abdrücke gegeben, etwa welche Spezies sich da in der Vulkanasche verewigte, wieviele Individuen es waren, welche Geschlechter beteiligt waren und wie der aufrechte Gang dieser Hominiden wohl ausgesehen haben mag. Heute sind sich die Wissenschaftler weitgehend einig: Eine Gruppe Australopithecus afarensis, die dort vor ungefähr 3,56 Millionen Jahren entlangmarschierte, war der Verursacher der einzigartigen Zeugnisse aus der Zeit der Vormenschen, die eindeutig belegen, dass die Vorfahren der Menschen bereits aufrecht gingen.
Andere wichtige Fundorte, an denen man Überreste von Australopithecus afarensis fand, sind der Turkwel Fluss an der Grenze zwischen Kenia und Uganda, wo man 3,5 Millionen Jahre alte Stücke fand, sowie der 3,4 Millionen Jahre alte Fundort Maka in Äthiopien.
Unter den Turkwel-Funden befinden sich auch Handgelenksknochen (WT 22944), die als sehr menschenähnlich beschrieben werden, besonders auffällig ist das Fehlen jeglicher Anpassung an den Knöchelgang, wie ihn etwa Gorillas und Schimpansen praktizieren. Die Anatomie der Handwurzelknochen deutet auf erhöhte Beweglichkeit der Finger sowie des Handgelenks hin. Dies schließt ein leistungsfähiges Hakenbein (Os hamatum, einer der acht Handwurzelknochen) ein welches wiederum auf einen Karpaltunnel (Canalis carpi, ein Nerven-Muskeldurchgang an der Hand) hinweist, der zweimal so groß ist, wie bei einem modernen Homo sapiens. Deshalb hatten die Australopithecinen womöglich einen sehr leistungsfähigen Griff, der auf eine noch teilweise arboreale (baumlebende) Lebensweise hindeutet.
Der Fundort Maka brachte ebenfalls interessante Überreste von Australopithecus afarensis zutage, darunter den oberen Teil eines Oberschenkelknochens (Femurs), zwei teilweise erhaltene Unterkiefer (Mandibula), ein Stück einer Elle (Ulna) und ein fast kompletter Oberarmknochen (Humerus). Der Oberschenkelknochen gehörte einem ziemlich großen Individuum für diese Zeit (ungefähr 45 Kilogramm) und wird allgemein als männlich bezeichnet. Er stellt einen starken Beweis für die Zweibeinigkeit von Australopithecus afarensis dar. Der Oberarmknochen zeigt eine Morphologie, die der des viel kleineren Oberarmknochens von AL 288-1 (Lucy) sehr ähnlich ist, dies zeigt das hohe Maß an sexuellem Dimorphismus, der für die Art Australopithecus afarensis bezeichnend ist. Der kompletteste der vier Kiefer von Maka trägt die Bezeichnung VP 1/2, er vereinigt viele Characteristika der Spezies Australopithecus afarensis in sich, wie etwa parallele hintere Zahnreihen, große Schneide- und Eckzähne oder die dreiecksförmigen Kronen der dritten Molaren.
Hadar in Äthiopien ist das größte und jüngste Fundareal, das auch die höchste Variabilität der einzelnen afarensis-Fundstücke aufweist. Manche Forscher glauben daher, dass dort mindestens zwei oder mehr Arten gelebt haben, andere dagegen sind sich sicher, dass bei Hadar ausschließlich Australopithecus afarensis vorkam. Die meisten scheinen jedoch letztere Annahme zu vertreten. Die Funde umspannen einen Zeitraum von 3,4 bis 2,96 Millionen Jahre, unter ihnen viele der gut erforschten Exemplare wie etwa AL 288-1, AL 333 und AL 444-2. Die Überreste aus Hadar stammen von schätzungsweise 40 bis 100 Individuen.
Die Umwelt von Hadar vor dreieinhalb Millionen Jahren scheint ein Mix aus Savanne und Waldland gewesen zu sein, und nicht nur Grasland, wie viele Forscher ursprünglich angenommen haben. Der Nahrungserwerb des Australopithecus afarensis dürfte relativ unspezialisiert gewesen sein. Früchte, Beeren, Nüsse, Samen, Schößlinge, Knospen und Pilze standen zur Verügung. Unterirdische Wurzeln und Knollen konnten ausgegraben werden. Im Wasser und am Boden lebende kleine Reptilien, Jungvögel, Eier, Weichtiere, Insekten und kleine Säugetiere wurden vermutlich auch nicht verschmäht. Einige wichtige Unterschiede zwischen dem Gebiss des frühen Australopithecus afarensis aus Laetoli und der jüngeren Fundstücke aus Hadar könnten mit der verschiedenartigen Umwelt zusammenhängen, in denen die Gruppen lebten.
Die Fossilien von Australopithecus afarensis sind für die Erforschung der menschlicher Evolution deshalb so wichtig, weil sie zu den frühesten Hominiden gezählt werden können, sieht man einmal von Australopithecus anamensis und Ardipithecus ramidus ab. Die vielen Knochenüberreste des Bewegungsapparates sind ein entscheidender Beweis für die Zweibeinigkeit der von afarensis und die Zähne, Kiefer und postcranialen Skelettteile scheinen einen evolutionären Trend darzustellen, der Australopithecus afarensis eindeutig auf eine Linie zum modernen Menschen stellt.
Artikel: Hans-Peter Willig
Quellen:
T. D. White, G. Suwa, W. K. Hart, R. C. Walter, G. WoldeGabriel, J. de Heinzelin, J. D. Clark, B. Asfaw, E. Vrba. "New discoveries of Australopithecus at Maka in Ethiopia". In Nature 366, 261-265 (1993)
Leakey, M.D., R.L. Hay, G.H. Curtis, R.E. Drake, M.K. Jakes, and T.D. White. 1976. "Fossil hominids from the Laetoli Beds, Tanzania." In Nature, vol. 262, pp. 460-465.
Johanson, D., und B. Edgar. 2000, Lucy und ihre Kinder . Spektrum akad. Verlag ISBN: 3-8274-1049-5
Schrenk, Friedemann. 2001, Die Frühzeit des Menschen. Der Weg zum Homo sapiens . C.H.Beck ISBN: 3-406-48030-6
Hay, R. L., Leakey M.D., Die versteinerten Fußspuren von Laetoli. In Spektrum der Wissenschaft, 1982