Forscherpersönlichkeiten - Raymond Dart

Raymond Arthur Dart wurde 1893 in Queensland, Australien, als fünftes von neun Kindern geboren. Er wuchs auf einer Farm mit Viehwirtschaft auf und bekam nach der Schule ein Stipendium an der Universität von Queensland in Brisbane. Dort gewann er weitere Preise und Stipendien und schließlich ging er nach Sydney, um dort Medizin zu studieren. Nach Abschluss des Studiums meldete er sich in England zu einem medizinischen Korps, um im ersten Weltkrieg zu dienen. Als dieser 1918 endete, war er hoch erfreut als Assistent von Grafton Elliot Smith angenommen zu werden, der an der Universität von Manchester lehrte und seinerzeit der hervorragendste Neuroanatom der Welt war (und ein Mit-Australier, der später geadelt wurde).

Etwas in der zwischenmenschlichen Beziehung der beiden hat möglicherweise nicht harmoniert, da Raymond Dart 1922 England wieder verließ und Anatomieprofessor an der neu gründeten Universität von Witwatersrand in Johannesburg, Südafrika wurde. Trotz seiner Brillianz hatte er den Ruf "flatterhaft und unorthodox" zu sein und man sagte, dass er ständig allgemein akzeptierte Meinungen in Frage stellte. Dies waren kaum gute Voraussetzungen für einen von Smiths besten Studenten. Die Zustände an der Universität von Witwatersrand waren damals noch entsetzlich primitiv, und Dart musste Schwerstarbeit leisten, um die Anatomie-Abteilung praktisch aus dem Nichts aufzubauen.



1924 hörte Dart von einem fossilen Pavian-Schädel, der bei einer in der Nähe gelegenen Kalkstein-Höhle bei Taung gefunden worden war, und er bat darum, ihm weitere Knochen und Fossilien zu schicken. Die ersten zwei Kisten kamen im November des Jahres 1924 an, und Dart fand einen Klumpen Stein, der das Innere eines fossilen Schädels beinhaltete, sowie einen weiteren Klumpen, der möglicherweise ein Gesicht enthielt. Dart brauchte über einen Monat, um genug Stein zu entfernen um das Gesicht und den Kiefer eines jungen Primaten freizulegen, der später den Spitznahmen "Kind von Taung" erhielt. Dart betrachtete das Fossil als eine Zwischenstufe auf halben Weg vom Menschenaffen zum Menschen, und schrieb eine Abhandlung für die Zeitschrift Nature. Er nannte seinen Fund Australopithecus africanus, (Südlicher Affe von Afrika). Nach einer anfänglichen Lobesexplosion lehnte das wissenschaftliche Establishment in Großbritannien das Taung - Kind allerdings als einen Menschenaffen ab. In dieser Zeit wurde der Piltdown Mensch überall als ein menschlicher Vorfahr akzeptiert, und Taung mit seinem affenähnlichen Schädel und den menschenähnlichen Zähnen schien nicht mit dem Piltdown-Schädel mit seinen affenähnlichen Kiefern vergleichbar zu sein.

Der einzige Anhänger von Darts Theorie war der schottische Arzt und Paläontologe Robert Broom. Dart reiste 1930 nach London, um noch einmal zu versuchen, Unterstützung in der wissenschaftlichen Szene für sein Taung-Kind zu bekommen. Aber nun wurde das Kind von Taung vom zwischenzeitlich entdeckten Peking Schädel überschattet. Dart gab daraufhin die Fossiliensuche für viele Jahre auf, und konzentrierte sich stattdessen auf seine Arbeit an der Fakultät für Anatomie an der Witwatersrand Universität.



In den späten 1930'ern und frühen 1940'ern fand nun Robert Broom weitere Fossilien in Südafrika und Darts Ansicht über die Stellung der Australopithecinen wurde schließlich in den späten 40'ern allgemein akzeptiert. Die meisten Wissenschaftler gingen fortan davon aus, dass die Australopithecinen Homininen und keine Menschenaffen waren. Mitte der 1940'er Jahre ging Dart erneut auf Fossiliensuche, und zwar bei der Fundstelle von Makapansgat. Er entdeckte eine Anzahl von Fossilien, die er Australopithecus prometheus nannte, im falschen Glauben, dass ihr geschwärztes Aussehen die Verwendung von Feuer anzeigten (in der griechischen Mythologie war Prometheus der Gott des Feuers). Heute werden diese Funde dem Australopithecus africanus zugeordnet. Raymond Dart, der nie extravagante Behauptungen scheute, schloss aus seiner Analyse der Fundstelle, dass diese Kreaturen eine sogenannte "osteodontokeratische" Kultur (Knochen, Zahn und Horn) hatten, und argumentierte, dass sie wilde Jäger und blutrünstige Mörder waren, deren gewaltsame Tendenzen sie dem menschlichen Verhalten vererbten.

Die "Mörder-Menschenaffen"-Idee wurde von Schriftsteller Robert Ardrey in Büchern wie "afrikanische Entstehung" popularisiert, und ist die Inspiration der Eröffnungs-Szene des Filmes 2001: Odyssee im Weltraum. Diese Behauptungen wurden stark kritisiert, und spätere Studien zeigten dass sie tatsächlich auch falsch waren.

Dart erlebte noch den 60sten Jahrestag der Entdeckung des Taung Kindes und starb 1988 im Alter von 95 Jahren.


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