Forscherpersönlichkeiten - Michel Brunet

Michel Brunet
Der Franzose Michel Brunet zeichnet verantwortlich für Funde wie Australopithecus bahrelghazali und Sahelanthropus tchadensis - Spitzname Tomaï.

Michel Brunet ist französischer Paläontologe und Professor an der Universität von Poitiers.

Brunet wurde 1940 in Vienne, in der Region von Poitou geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er auf dem Land. Im Alter von 8 Jahren zogen er und seine Familie nach Versailles um. Er studierte an der Sorbonne Paläontologie und wurde dann Professor für Wirbeltier-Paläontologie an der Universität von Poitiers, wo er sich auf Huftiere spezialisierte.

Ein Wendepunkt in der Karriere Brunets war die Bekanntschaft mit dem Paläoanthropologen David Pilbeam, der in Pakistan nach fossilen Menschenaffen und den Vorfahren der Homininen suchte. Brunet kam auf die Idee, gemeinsam mit seinem Kollegen Emile Heintz eine eigene Mannschaft zusammenzustellen, um über die Grenzen Pakistans hinaus auch in Afghanistan nach Fossilien zu suchen. Leider wurden bei dieser ersten Expedition keine fossilen Affen gefunden und das Vorhaben blieb erfolglos.

In den 1980er Jahren taten sich Brunet und Pilbeam zusammen und reisten nach Afrika. Sie wollten die Theorie von Yves Coppens überprüfen, wonach die Homininen zuerst in den Savannen Ostafrikas entstanden sind. Die Idee der beiden Paläontologen war, dass das Ufer des Tschadsees in der Vergangenheit ein besonderer Anziehungspunkt für Säugetiere aller Art gewesen sein musste, und möglicherweise auch für Homininen. 1984 begann ihre Suche in Kamerun, doch die neun darauf folgenden Grabungskampagnen waren entmutigend. Es wurden keine Homininen gefunden.



Brunet bekam eine neue Gelegenheit, als er von der Regierung des Tschad die Erlaubnis bekam in der Djurab Wüste zu forschen. Wegen des Bürgerkriegs im Tschad war diese Region lange für Ausländer gesperrt und Brunet stellte unverzüglich eine Französisch-Tschadische Forschungsgemeinschaft zusammen (Mission Paléoanthropologique Franco-Tchadienne oder MPFT), finanziert von der Universität von Poitiers, der Universität von N'Djamena und des Centre Nationale d'Appui à La Recherche (CNAR).

Die Region entpuppte sich als sehr reich an Fossilien. Allein im Jahr 2002 fand Brunet nicht weniger als 8000 Exemplare und dies überzeugte ihn, dass hier auch Homininen zu finden seien. Dieses Vertrauen in die Fundregion wurde belohnt, denn am 23. Januar 1995 fand Brunet einen 3,5 Millionen Jahre alten, von Sand und Schmutz bedeckten Kieferknochen. Er erkannte, dass es sich um einen Australopithecinen handeln musste und schuf eine neue Art: Australopithecus bahrelghazali. Formlos nannte er das Fossil Abel, als Erinnerung und Tribut an seinen verstorbenen Freund Abel Brillanceau. Abel war das erste Homininenfossil seiner Art, das westlich des ostafrikanischen Grabenbruchs (Rift-Valley) gefunden wurde und änderte radikal die Diskussionen über das Verbreitungsgebiet der Australopithecinen. Bis dahin vermutete man den Lebensraum dieser Vormenschen nur in Süd- und besonders in Ostafrika.



Noch während über Australopithecus bahrelghazali heftig diskutiert wurde fand ein Mitglied von Brunets Mannschaft, Auchounta Djimdoumalbaye aus dem Tschad, am 19. Juli 2001 ein weiteres aufregendes Fossil: einen fast kompletten Schädel, dessen Alter auf sagenhafte 6 bis 7 Millionen Jahre datiert wurde. Mit dem Spitznamen „Toumai“ versehen stufte Brunet das Fossil als ersten Vertreter der neuen Art Sahelanthropus tchadensis ein. Brunet und andere, wie etwa der Amerikaner Tim White, sind fest davon überzeugt, dass Toumai bereits zu den Homininen zu zählen ist. Andere wie Milford Wolpoff glauben stattdessen, dass es sich um einen ausgestorbenen Menschenaffen handelt. Auch glauben viele Experten, wie z. B. Chris Stringer, dass es noch zu früh ist um sagen zu können ob Toumai auf einer gemeinsamen Entwicklungslinie mit den Menschen liegt; aber alle sind sich über den großen Wert der Entdeckung einig.

Die Entdeckung von Australopithecus bahrelghazali und Sahelanthropus tchadensis machten Brunet zu einer Art Star in der Paläoanthropologie und 2003 wurde ihm der Dahn-David-Preis verliehen, ein Preis der Menschen zugesprochen wird, deren Forschungen helfen die Welt besser zu verstehen.


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