Persönlichkeiten - G. H. R. von Koenigswald

Professor Dr. Gustav Heinrich Ralph (oft abgekürzt G.H.R.) von Koenigswald (1902 -1982), war ein bedeutender deutscher Paläontologe und Geologe, der seinen beruflichen Schwerpunkt in der Homininenforschung sah, wobei er sich bei der Entdeckung und Beschreibung vieler Funde, u.a. von Homo erectus, einen Namen machte. Ralph von Koenigswald verfasste während seines wissenschaftlichen Werdegangs viele paläoanthropologische Arbeiten über seine Entdeckungen, so etwa über die Homininenfossilien, die er auf Java und anderen Teilen Südostasiens fand. Seine Veröffentlichungen begründeten seinen heutigen Ruf, einer der bedeutendsten und führenden Paläoanthropologen des 20. Jahrhunderts gewesen zu sein.

G.H.R. von Koenigswald wurde am 13. November 1902 in Berlin geboren. Diese Zeit war geprägt von einem starken öffentlichen Interesse an Darwins Evolutionstheorie und den bis dato bekannten Urmenschen wie etwa dem Neandertaler oder Dubois` Pithecanthropus. Im Alter von 15 Jahren fing er an fossile Wirbeltiere zu sammeln, das erste Stück seiner Sammlung war ein Nashornzahn, den er bei einer Exkursion nach Mauer bei Heidelberg, dem Fundort des Heidelbergmenschen, entdeckte. Sein Weg schien also schon früh vorgezeichnet zu sein. Nach Beendigung der Schule studierte er Geologie und Paläontologie in Berlin, Tübingen, Köln und München.



Java

Koenigswald's Lehrer Ferdinand Broili hatte gute Verbindungen zu den Geologen K. Martin und R.W. van Bemmelen aus den Niederlanden. Durch diese Beziehungen hatte Koenigswald das große Glück, in den späten 1930er Jahren an geologischen Forschungen auf der indonesischen Insel Java als Paläontologe teilnehmen zu können. Teilweise finanziert durch die Carnegie-Stiftung, begann er die Insel systematisch zu erkunden.

Koenigswald machte in dieser Region Asiens zwischen 1931 und 1941 seine bedeutendsten Funde. Im Alter von 33 Jahren veröffentlichte er die Entdeckung eines jugendlichen Schädeldaches aus Modjokerto und schrieb seinen Fund der von Eugène Dubois ins Leben gerufenen Spezies Pithecanthropus erectus zu. Zwar kritisierte Dubois diese Zuordnung durch den "Newcomer", doch Koenigswald ließ sich nicht beirren, geschweige denn umstimmen.

Zwischen 1937 und 1941 war es u.a. sein Verdienst, dass viele Homininenfunde aus Java gemeldet werden konnten. 1937 fand ein Assistent ein Schädelstück, und Koenigswald setzte für zusätzliche Funde eine Prämie aus. Dies führte dazu, dass Einheimische zwar weitere Stücke beibrachten, die aber allesamt wegen des erweckten Forscherdrangs bei den Bauern zersplittert und weitgehend unbrauchbar waren.

Ein Fundstück jedoch, das erste bei Sangiran gefundene Schädeldach, schien ein verblüffend genaues Duplikat von Dubois' Fund bei Trinil, ebenfalls auf Java, zu sein. Andere wohlbekannte Fossilien sind der Sangiran B-Unterkiefer, Sangiran 4, und die 1939 und 1941 gefundenen Kiefer, die Koenigswald als Meganthropus palaeojavanicus beschrieb.



Seine Untersuchungen an den Fossilien aus Zentraljava, insbesondere der Funde aus Sangiran, führten zu seiner Überzeugung, dass die Säugetierfossilien der Region allen drei Abschnitten des Pleistozäns zugeordnet werden könnten. Alle auf Java entdeckten Homininenfossilien tauchten in drei Hauptschichten auf:

  • Pucangan-Formation, Jetis-Bett, datiert auf das frühe Pleistozän,
  • die Kabuh-Formation, Trinil-Schichten, datiert auf das mittlere Pleistozän, und
  • die Ngandong-Formation, datiert auf das obere Pleistozän.

G.H.R. von Koenigswald wies als einer der Ersten darauf hin, dass diese und andere Entdeckungen (seit 1917) der Annahme aus dem 19. Jahrhundert widersprachen, wonach die Vorfahren des Menschen zuerst ein großes Gehirn und erst später andere anatomische Merkmale, wie etwa den aufrechten Gang entwickelten.

Im Jahr 1937 betreute Koenigswald den Besuch des renommierten Paläontologen Franz Weidenreich, der auf Java die erst kürzlich in diesem Jahr entdeckten Fundstellen untersuchen wollte. 1937 war auch das Jahr, als G.H.R. von Koenigswald die niederländische Staatsangehörigkeit bekam. 1938 verkündete Koenigswald zusammen mit Weidenreich die Entdeckung eines neuen Schädels, den sie ebenfalls Dubois` Pithecanthropus zuschrieben. Anfang des Jahres 1939 nahm Koenigswald einige Fossilien aus Java mit nach China, um sie dort Franz Weidenreich zu zeigen, der zu dieser Zeit die Ausgrabungen bei Zhoukoudian, nähe Peking (Peking-Mensch) leitete. Als beide ihre Fundstücke verglichen, kamen sie zu dem Schluss, dass sich die Exemplare aus China und Indonesien (Java) stark ähnelten. Nach ihren Studien entschieden sie sich, den Gattungsnamen Sinanthropus zu verwerfen und alle Exemplare der bereits bestehenden Gattung Pithecanthropus zuzuordnen. Später wurde Pithecanthropus (auf Anregung des Evolutionsbiologen Ernst Mayr) der Gattung Homo erectus zugeordnet.

Der zweite Weltkrieg

Der zweite Weltkrieg brachte Koenigswald und seine Fossilien aus Java in große Gefahr. Dennoch schaffte er es, viele seiner Fundstücke aus Java vor den eindringenden Japanern in Sicherheit zu bringen. So konnte nur ein einziger fossiler Schädel von den Invasoren beschlagnahmt werden. Obwohl Koenigswald einen niederländischen Pass hatte, wurde er in einem Kriegsgefangenenlager interniert. Das Fossil wurde übrigens dem japanischen Kaiser Hirohito zum Geschenk gemacht, konnte aber nach der japanischen Niederlage 1945 wiederentdeckt werden.



Während der Kriegsjahre wurde Weidenreichs Beschreibung von Sinanthropus veröffentlicht. In einem gemieteten Büro im Gebäude des American Museum of Natural History führte Weidenreich seine und Koenigwalds Überlegungen zur Evolution des Menschen weiter, wobei er die bisherige Fundlage neu interpretierte und Sinanthropus sowie Pithecanthropus in die Gattung Homo mit unterschiedlichen Subspezies integrierte. Er veröffentlichte einige Arbeiten, in denen er den Entdeckungen Koenigwalds wissenschaftlichen Beschreibungen zuordnete. Dies geschah im Glauben, dass Koenigswald in den Lagern der Japaner ums Leben kam. Nach dem Krieg, als Koenigswald aus der japanischen Gefangenschaft zurückkehrte, entwickelte sich eine lange Freundschaft zwischen ihm und Franz Weidenreich, die beide 18 Jahre lang höchst produktiv am Museum of Natural History in New York verbrachten.

Die Niederlande

In den anschließenden Jahren hatte Koenigswald einen Lehrstuhl für Paläontologie inne, der eigens für ihn an der Rijksuniversiteit zu Utrecht in den Niederlanden geschaffen wurde. Während seiner akademischen Karriere besuchte er in den Jahren 1951 - 52 Fundstellen in Nord- und Südafrika, den Philippinen, Thailand und Borneo (1957), sowie Pakistan (1966 -67). Hier fanden von Koenigswald und seine Studenten einen fossilen Gaumen, welcher der neuen hominoiden Spezies Sivapithecus zugeschrieben wurde, sowie Zähne von Ramapithecus, der lange Zeit als der Urahn aller Homininen galt.

Koenigswald untersuchte die stammesgeschichtlichen Beziehungen zwischen afrikanischen, asiatischen und europäischen Hominoiden, die man Ramapithecus oder seinen nahen Verwandten aus Griechenland und Kenia, dem Graecopithecus zuschrieb.

G.H.R. von Koenigswald lehrte bis 1968 in Utrecht, anschließend wurde er Begründer und Leiter der Sektion Paläoanthropologie am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main. Zusammen mit J.L. Franzen leitete er dieses Forschungszentrum vierzehn Jahre lang.

Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald verstarb am 10. Juli 1982 im Alter von 80 Jahren in seinem Haus in Bad Homburg, nähe Frankfurt am Main.


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