Pexels / pixabay.com
Landmassenverteilung im frühen Karbon

Erdgeschichte - Karbon


Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Das Karbon wird unterteilt in das Unterkarbon oder Dinantium (vor 333 bis 355 Millionen Jahren) und das Oberkarbon oder Silesium (vor 290 bis 333 Millionen Jahren). Die englische Bezeichnung carboniferous period (von lateinisch carbo: Kohle; ferre: tragen) wurde 1822 für die Kohle führenden Schichten in England und Wales eingeführt. Zur Zeit des Karbons entfalten sich die Amphibien und es entstehen die Reptilien. Der Luftraum wird von Insekten erobert und erstmals gibt es eine großflächige Besiedelung des Festlandes durch Kohle-Wälder unter tropisch feuchtem Klima. Im Karbon werden die großen Kohlelagerstätten gebildet.

Gondwana nähert sich weiter Euramerika und beide kollidieren im späten Karbon auf breiter Front. Dabei werden in Mitteleuropa und Nordamerika riesige Gebirge aufgefaltet. Starke Klimakontraste gegen Ende des Karbons führen zur Vergletscherung großer Teile von Afrika, Indien, Australien und der Antarktis, während Mitteleuropa im Tropengürtel liegt.



Kohlewald im Karbon
Landpflanzen des Karbons im Lebensbild, ein typischer Kohlewald

Im Unter-Karbon läßt sich in Mitteleuropa ein zweigeteilter etwa westöstlich verlaufender Ablagerungsraum unterscheiden mit der dem Land näher gelegenen Kohlenkalk-Fazies des Flachwassers im Nordwesten und der landferneren schiefrig-sandigen Kulm-Fazies des offenen Meeres im Südosten. In mehreren Phasen wird im Verlauf des Karbons durch die Nord-Drift von Gondwana ein bis zu 500 km breites Gebirge aufgefaltet, das durch ganz West- und Mitteleuropa, von Spanien bis Polen verläuft. An seinem nördlichen Ufersaum und in festländischen Becken wachsen im Ober-Karbon in tropischen Sümpfen riesige Wälder, aus denen später mächtige Kohleflöze entstehen.

Wichtige Entwicklungfortschritte machen die Fische, die Vierfüßer und die Pflanzen: Die altertümlichen gepanzerten Fische werden von den Knorpel- und Knochenfischen abgelöst, aus den Amphibien entstehen die Reptilien. Nachdem im jüngsten Devon üppige Wälder schon weit verbreitet und die ersten Samenpflanzen entstanden waren, kommen nun Samenpflanzen und Sporenpflanzen nebeneinander vor. Das Festland wird großräumig von einer Pflanzendecke bekleidet. Dadurch wird es auch den Tieren, deren Nahrungsgrundlage die Pflanzen bilden, möglich, das Festland zu besiedeln. Auffällige Faunenelemente sind die bis zwei Meter langen Tausendfüßer und erste flugfähige Insekten mit bis zu 70 cm Flügelspannweite. Beide Gruppen gehören, neben den Spinnentieren, zu den besonderen Seltenheiten unter den karbonischen Fossilien.

Berühmte Fundstätten:

Ruhrgebiet, Saarland, Belgien, Donez-Becken, Appalachen.

Literatur

  • Text: Dr. Karsten Weddige, Senckenberg Museum