Tempel von Philae


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Dieser Artikel behandelt den Tempel von Philae; zu anderen Bedeutungen von Philae siehe Philae (Begriffsklärung).
Isis-Tempel von Philae
Grundriss der Insel Philae (Mitte 19. Jhd.)

Als Tempel von Philae (auch Hut-chenti, Haus des Anfangs) bezeichnet man einen Tempelkomplex in Oberägypten, etwa acht Kilometer südlich von Assuan. Die Tempelanlagen stehen auf der Insel Agilkia, nachdem sie 1977 bis 1980 am eigentlichen Standort, der heute überfluteten Insel Philae, abgebaut und etwa 600 Meter nordwestlich auf dem höheren Gelände von Agilkia neu errichtet wurden.

Das Hauptgebäude der Tempelanlagen ist der Tempel der Göttin Isis. Er steht am Westufer etwa in der Mitte der Insel. Um ihn herum befinden sich weitere kleinere Bauwerke, wie der Kiosk des Nektanebos I., der Trajan-Kiosk, der kleine Tempel der Hathor, der Tempel des Harendotes, der Kiosk des Psammetich II., die Hadrian-Bastion, der Tempel des Imhotep, die Kapelle des Mandulis und der Tempel des Arensnuphis-Dedun.

Geschichte

Tempel von Philae (Ägypten)
Agilkia (Tempel von Philae)
Agilkia (Tempel von Philae)
Lage in Ägypten

Eine Datierung der ursprünglichen Tempelgründung ist nicht möglich. Die ältesten erhaltenen Belege stammen aus der Regierungszeit von Nektanebos  I. (379 bis 360 v. Chr.), der zu Ehren von Hathor einen Tempel erbaute. Dazu gehörte ein von Nektanebos dekorierter Kiosk (Pavillon), der vermutlich einem weiteren größeren Bau angegliedert war. Letztgenannter ist zwischenzeitlich nicht mehr erhalten. Der Kiosk wurde bereits in der Antike von seinem ursprünglichen Standort entfernt.

Tempel von Philae (1838)
Datei:Temple von Phila.png
Wasser am Tempel (1932)

Als Perle des Nils wurde der Tempel der Isis auf der Insel Philae gerühmt. Lange hatten die Christen warten müssen, bevor sie Philae übernehmen konnten. Nicht einmal das Edikt des oströmischen Kaisers Theodosius I., mit dem das Christentum zur Staatsreligion erklärt worden war (391), konnte die hartnäckigen Isisverehrer von der Insel vertreiben. Erst 535/37 ließ Kaiser Justinian I. den Tempel gewaltsam schließen und in ein christliches Gotteshaus umfunktionierten, obwohl die Blemmyer noch immer an der Verehrung des Heiligtums festhielten. Der rückwärtige Bereich des Säulenraumes wurde um 553 dem Heiligen Stephan als Kirche geweiht und aus diesem Anlass eine große Zahl der Reliefs im Tempel zerstört.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts setzte der Stausee des alten Assuan-Staudamm die Tempelbauten von Philae für mehrere Monate im Jahr unter Wasser. Im Zusammenhang mit der Rettungsaktion für Nubiens Denkmäler plante man schließlich ab 1972 den Umzug der Tempelanlagen von Philae auf höher gelegenes Gelände. Als Umzugsort wurde die nordwestliche Nachbarinsel Agilkia ausersehen. Man gestaltete sie unter der Berücksichtigung der Topografie von Philae um, zersägte die wichtigsten Bauten in 37.363 zwischen 2 und 25 Tonnen schwere Blöcke und baute die Anlagen originalgetreu wieder auf. Die Arbeiten dauerten von 1977 bis 1980. Die Bauten von Philae stehen seit 1979 auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten.

Mythologische Verbindungen

Das Nutbuch

Im Nutbuch wird die Göttin Nephthys mit dem Nordhimmel verbunden, was zunächst seltsam erscheint, da diese Himmelsregion sonst mit Nut assoziiert wird. Offensichtlich liegt hier eine Ausdeutung statt einer Beschreibung vor. Grundlage ist das Motiv von zwei Himmelsgöttinnen, die auch im Tempel von Philae auf den Darstellungen zu sehen sind. Das Kopfende, das erwartungsgemäß im Westen liegen sollte, erscheint hier auch in nördlicher Ausrichtung. Hintergrund ist die Bezugnahme auf den Sternhimmel, wo der Südhimmel hinter der „Gottesmutter des Re” und der Nordhimmel vor ihr liegt. Nephthys tritt dabei am Kopfende und Isis am Hinterteil der Sonnenbarke auf. Die räumliche Aufteilung folgt dabei dem altbekannten Himmelsrichtungsmuster, das Westen und Norden als Ort der abwesenden Sonne versteht.

Mythologisch entspricht der Nordhimmel auch der Entstehungsregion des Re, wobei Nephthys und Isis eine Doppelfunktion als Amme und Mutter einnehmen und deshalb in ihrer Funktion mit Nut verschmelzen können. Zudem liegt eine deutliche Verbindung zum Osirismythos vor, wo Nephthys und Isis gemeinsam Horus als Mutter und Amme aufziehen. Im Nutbuch erscheint Re als Horus. Re übernimmt kurz vor seinem Aufgang die Erscheinungsform des Falken. Sein Aufenthaltsort befindet sich zu diesem Zeitpunkt noch weit entfernt hinter Punt. Damit schlüpft Re in die Rolle von Horus im Horizont. Dass Re tatsächlich als Horus verstanden wird, zeigt die spätere Nennung von Osiris als „seinen Vater”. Namentlich wird Re deshalb in den ersten 15 Zeilen des Nutbuches nicht erwähnt und taucht nur in den Formen „dieser Gott” oder „Majestät dieses Gottes” auf. In der göttlichen Genealogie treten die Gottheiten Nut und Geb wiederum als Großeltern des Hor-pa-chered auf, Kindgott in den beiden Göttertriaden auf Philae. Der kindliche Horus wird bezüglich des Nutbuches in diesem Zusammenhang auch als kindlicher Nachfolger des alternden Re verstanden.

Der Osirismythos

Blick vom Tempeltor für das Abaton (Osirisgrab) von Bigeh auf den Isis-Tempel von Philae 1838

Der Legende nach ist Philae der Platz, an dem Isis das Herz ihres Mannes Osiris fand, nachdem – gemäß dem Osirismythos – sein Bruder Seth ihn umgebracht, zerstückelt und die Teile im ganzen Land versteckt hatte. Letztlich fanden Isis und ihre Schwester Nephthys alle verstreuten Teile des Osiris und setzten seinen Leichnam wieder zusammen. Doch Osiris wollte nicht mehr im Diesseits bleiben und entschied sich fürs Jenseits. Sozusagen im göttlichen Austausch wurde Isis schwanger und brachte den Gott Horus zur Welt. Die Reliefs im Inneren des Mammisi (Geburtshaus) schildern die Geburt der Gottheit Horus, das Kind und seine Kindheit in den Deltasümpfen.

Der Tempel wurde unter den Ptolemäern erbaut, aber auch noch die römischen Herrscher bauten an dem so weit entfernten Heiligtum. Isis, die im Gebiet um den Katarakt als Herrin der Überschwemmung verehrt wurde, war im gesamten Römischen Imperium als Göttin der Fruchtbarkeit, der Liebe und der Erlösung beliebt. Philae war eines der Hauptheiligtümer dieser Zeit; der Tempelbetrieb wurde erst in der ausgehenden Spätantike auf kaiserlichen Befehl eingestellt.

Mythos vom Sonnenauge

Nicht nur die Muttergöttin Isis oder der Nil wurden auf Philae als Lebensspender verehrt, sondern ebenso die Sonne. Als Tochter des Re erschien Tefnut als Hathor im Göttermythos Die Heimkehr der Göttin auch als Sonnenauge. Die Doppelseitigkeit ihres Wesens kommt auf einer Inschrift in Philae zum Ausdruck: Als Sachmet ist sie zornig, als Bastet fröhlich. Sachmet, Bastet, Sopdet, Hathor und Isis sind in Tefnut vereint. Als Sonnenauge hatte sich die Göttin während des Winters tief in den Süden nach Nubien verzogen, weshalb sie auch den Beinamen die nubische Katze trug:

„Der Festjubel ist mit dir fortgezogen, die Trunkenheit verschwand und wurde nicht gefunden. Schlimmer Streit ist in ganz Ägypten. Der Festsaal des Re ist erstarrt, die Trinkhalle des Atum ist bedrückt. Sie alle sind mit dir fortgezogen und haben sich vor Ägypten verborgen. Man ist in Heiterkeit unter den Nubiern.“

Die Heimkehr der Göttin, Demotischer Papyrus

Als Sonnenauge verspürte sie offenbar wenig Neigung, nach Ägypten zurückzukehren. Re sandte ihr den Götterboten Thot nach, dem es gelang, die Abtrünnige zur Rückkehr zu bewegen. In Ägypten angekommen, feierte das ganze Land im Rahmen des Hathor-Festes und des Bastet-Festes mit der Göttin ihre glückliche Heimkehr:

„Der Affe (Thot) war vor ihr an jedem Ort, wohin sie gehen würde. Die Göttin zog in Freude weiter, indem sie in ihrer schönen Gestalt der Tefnut war. Man meldete es Re im großen Palast. Er kam aus Heliopolis nach Memphis vor sie. Er begrüßte die Göttin und feierte mit ihr ein Fest in Memphis.“

Die Heimkehr der Göttin, Demotischer Papyrus

Tempelanlagen

Kiosk des Nektanebos I.

Kiosk des Nektanebos I.

Der Pavillon oder Kiosk des Nektanebos I. wurde in dessen Regierungszeit von 379 bis 360 v. Chr. errichtet. Die an der Südwestecke der Insel Agilkia wiedererrichteten Gebäudereste stellen den ältesten heute aufrecht stehenden Bau des Tempelkomplexes dar. Der rechteckige Portikus mit 14 Kompositsäulen aus einer Verbindung von glockenförmigen Papyrus- und Sistrum-Kapitellen mit Darstellungen des Kopfes der Göttin Hathor war wohl Teil eines von Nektanebos entwickelten Gesamtkonzepts für die Inselbebauung.

Durch Ptolemaios VIII. wurde das Gebäude im zweiten Jahrhundert v. Chr. zusätzlich mit zwei Obelisken versehen. Einer von ihnen wurde auf Grund seiner Beschriftung in hieroglyphischer wie griechischer Schreibung der Königsnamen Ptolemaios und Kleopatra IV. durch Jean-François Champollion zur Entzifferung der Hieroglyphenschrift verwendet.[1]

Nektanebos I. vor Isis und Hor-pa-chered

Auf einer der Schrankenwände des Kioskes befindet sich ein Relief des Kindgottes Hor-pa-chered. Das Relief stellt den ältesten und einzigen Beleg für Hor-pa-chered in einem Tempel aus der Zeit vor den Ptolemäern dar. Auf dem Relief ist Nektanebos I. zu sehen, wie er der thronenden Isis und ihrem hinter ihr stehenden Kind Hor-pa-chered ein Speiseopfer darbringt.[2] Hor-pa-chered ist ikonografisch als nackter Kindgott mit Doppelkrone und Jugendlocke abgebildet; in der linken Hand ein Anch-Zeichen haltend, die rechte Hand befindet sich am Mund.[3]

Bauten am Dromos

Als Dromos wird der beidseitig von Säulengängen flankierte Platz vor dem ersten Pylon des Isis-Tempels bezeichnet. Die östliche Kolonnade blieb mit 16 Säulen unvollendet. Auf der Westseite bilden 32 mit Opferszenen geschmückte Säulen vor einer mit ebensolchen Reliefs verzierten Wand die Grenze des Tempelkomplexes zum die Insel umgebenden Wasser. Die Pflanzen nachempfundenen Formen der Säulenkapitelle unterscheiden sich jeweils von denen der anderen Säulen.

Im vorderen, südlichen Bereich des Dromos befindet sich im Boden ein antikes Nilometer zur Messung des Nilpegels. Den südlichen Abschluss der östlichen Säulenreihe bilden die Reste des Tempels des Arensnuphis-Dedun, der durch den meroitischen König Arqamani und den Pharao Ptolemaios V. angelegt wurde. Östlich hinter der Wand mit den 16 Säulen befindet sich die wahrscheinlich unter dem Kaiser Augustus errichtete kleine Kapelle der nubischen Gottheit Mandulis. Nördlich dieser Säulenreihe schließt sich vor dem ersten Pylon des Isis-Tempels, etwas nach hinten versetzt, der Tempel des Imhotep an, ein Bauwerk aus der Zeit Ptolemaios II.[4]

Haupttempel der Göttin Isis

Anlage des Isis-Tempels

Die beidseitigen Säulenreihen des Dromos waren so angelegt, dass sie in Richtung des Haupttempels von Philae auseinanderführten und in ihrem Zentrum den Blick auf ein Eingangstor freigaben, das noch heute existiert und aus der Zeit Nektanebos I. stammt. Das Tor befindet sich im linken Turm des ersten Pylon und führt durch diesen hindurch zum Eingang des Mammisi, dem „Geburtshaus“ (koptisch „Ort der Geburt“). Schon das Nektanebos-Tor, als eigentliches Eingangstor des Tempelbaus gedacht, wie auch das unter den Ptolemäern errichtete Mammisi weichen auf Grund der geografischen Gegebenheiten der Insel von der Bauachse des Dromos nach Osten hin ab, was noch mehr auf den dahinter stehenden Tempelbau einschließlich des zweiten Pylon zutrifft.

Durch die ptolemäischen Pharaonen Ptolemaios II. und Ptolemaios III. erfolgte ein weitgehender Umbau und eine Erweiterung des Tempelkomplexes. Unter ihnen wurden die beiden Tempelpylonen, der Vorhof am Mammisi und der Säulensaal (Hypostyl) des Isis-Tempels errichtet.

Erster Pylon von Südosten
Erster Pylon von Südwesten

Die Größe des 20 Meter hohen ersten Pylon mit seinen 38 Metern Breite erforderte eine Verschiebung der schon nach Osten abknickenden Achse der Tempelanlagen. Östlich des vorhandenen, in den westlichen Pylonturm integrierten Nektanebos-Tores entstand zwischen den Türmen des Pylon ein neues größeres Eingangsportal. Vor dem Eingangsbereich fehlen dementsprechend die hinteren Säulen der östlichen Kolonnade des Dromos. Während der erste Pylon mit dem neuen Portal aus der Zeit Ptolemaios II. stammt, stellen die auf ihm angebrachten Reliefs den späteren Pharao Ptolemaios XII. dar, wie er vor Isis, Hor-pa-chered, Harendotes, Nephthys sowie Hathor Opfer darbringt und die Feinde des Landes niederwirft.

Der Hof des Isis-Tempels ist wegen der Abweichung von der Bauachse zwischen den beiden Pylonen unregelmäßig angelegt. Er wird zum zweiten Pylon hin breiter. Der die Nordseite begrenzende Pylon mit dem Eingang zum Tempel ist 13 Meter hoch und 30 Meter breit. Auf ihm finden sich ähnlich dem ersten Pylon weitere Reliefs Ptolemaios XII., der Gefangene vor den Göttern tötet. Vor dem rechten (östlichen) Turm des zweiten Pylon steht ein mit Hieroglyphen versehener Granitblock, auf dem eine Landschenkung des Pharao Ptolemaios VI. an den Tempel geschildert wird.

Hathor-Säulen vor dem Mammisi

An der Ostseite des Hofes steht ein Gebäude mit Portikus und sechs verschiedenen Nebengelassen, die in der Vergangenheit Kultzwecken dienten. Den westlichen Bereich nimmt das Mammisi ein, das einen Peripteraltempel mit umlaufenden hathorischen Säulen darstellt. Oberhalb der Pflanzenblätter darstellenden Kapitelle ist auf vier Seiten das Gesicht der Göttin Hathor eingearbeitet. Nur diese Göttin wurde von vorn abgebildet, die Gesichter aller anderen Götter immer von der Seite.

Einige Stufen führen hinauf zum eigentlichen Tempeleingang im Zentrum des zweiten Pylon. Hinter ihm öffnet sich ein Säulenatrium, der Pronaos, eine in der Mitte nach oben offene Säulenhalle mit zehn ehemals bemalten Säulen. Die Farben wurden weitgehend durch das Wasser des Stausees des Assuan-Staudamms im 20. Jahrhundert ausgewaschen. Blumenkapitelle stützen eine seitlich umlaufende Decke, auf der Symbole Ober- und Unterägyptens, Sonnenbarken und astronomische Zeichen dargestellt sind. An den Wänden sind zahlreiche koptische Kreuze eingeritzt. Sie stammen aus dem 6. Jahrhundert, als der Pronaos unter dem oströmischen Kaiser Justinian I. durch Bischof Theodoros in eine Kirche umgewandelt war.[5]

Isis-Altar im Naos
Ptolemaios II. bringt Isis und Hor-pa-chered Gaben dar

Der folgende Naos besteht aus zwölf mit liturgischen Szenen ausgeschmückten Räumen und dem Heiligtum im Zentrum des Tempels. In der Mitte des Heiligtums steht noch heute der Sockel, auf dem sich die Barke mit dem Abbild der Göttin Isis befand. Auch hier zeigen die Wände reichhaltige Reliefs der Gottes- und Königsdarstellungen. Verschiedene Herrscher bringen der Isis und dem Osiris Opfergaben dar. Daneben sind auch andere Gottheiten abgebildet. Vom Naos gelangt man über eine Treppe zu einer Terrasse, auf der sich die Bestattungskapelle des Osiris befindet. Hier ist der Osirismythos dargestellt, mit Tod, Bestattung und Wiederauferstehung des Gottes.[5]

Vom Pronaos aus führt eine Seitenpforte westlich zur Hadrian-Bastion (auch Hadrianstor), die vor der Versetzung der Tempel nach Agilkia den Blick auf das benachbarte Osirisheiligtum auf der Insel Bigeh freigab. An den Wänden künden Darstellungen des Jenseitsherrschers Osiris, aus dessen Mumie Getreidehalme sprießen, von der Hoffnung auf neues Leben nach dem Tod. Interessant ist hier auch die Darstellung der Nilquelle an der Nordwand des Torinneren, wie sie der Vorstellung der alten Ägypter entsprach. Als Vergöttlichung des oberen und unteren Nils sieht man den heiligen Stier Apis als Hermaphrodit mit menschlichen Zügen. In einer Höhle stehend, die von einer Schlange umwunden ist, ergießt sich aus zwei in seinen Händen haltenden Gefäßen das Wasser des Flusses, dessen Quelle in der Nähe des Berges Mu-Hapi („Wasser des Hapi/Apis“) beim ersten Katarakt vermutet wurde.[5]

Nördlich der Hadrian-Bastion befanden sich zwei weitere Nebengebäude des Isis-Tempels, von denen jedoch kaum etwas erhalten ist. Dabei handelte es sich um den Kiosk des Psammetich II. und den Tempel des Harendotes. Südlich der Hadrian-Bastion sind Teile eines zweiten, neueren Nilometers erhalten. Auch das im folgenden beschriebene Mammisi östlich dieses Nilometers kann als Nebengebäude des Isis-Tempels angesehen werden.

Das Mammisi im Hof des Isis-Tempels

Bau- und Dekorationsphasen

Durch den 1. Pylon führen zwei Eingänge in den ersten Hof: Das Haupttor in der Mitte und ein im westlichen Torturm angebrachter Durchgang, der direkt auf das Mammisi (Geburtshaus) zuführt. Die Reliefs im Inneren schildern die Geburt von Horus, das Kind und seine Jugend in den Deltasümpfen. Das Mammisi von Philae wurde bereits von Ptolemaios II. für die Gottheit Horus, das Kind erbaut.

Ptolemaios VI. dekorierte später Teile der Vorhalle und der Kammer I, wobei Horus, das Kind in Philae die Rolle der lokalen Erscheinungsform als Götterkind und Sohn der Isis und des Osiris übernahm. In den entsprechenden Inschriften des Ptolemaios VI. heißt es:[6]

„Ptolemaios VI. machte sein Denkmal für seinen Vater Hor-pa-chered, den Sohn der Isis und des Osiris.[7] Es ist der Sohn des Re, Ptolemaios, ewig lebend, geliebt von Ptah, indem er das Haus der Geburt ihres (Isis) Sohnes Hor-pa-chered erbaut hat.[8]

Inschriften des Ptolemaios VI.[6]

Augustus dekorierte weitere zahlreiche Szenen des Hor-pa-chered an den Gebäuden auf Philae, darunter ebenfalls an den Außenwänden des Mammisis. Hadrian sollte es vorbehalten bleiben, abschließende Dekorationen des Hor-pa-chered auf Philae anzubringen;[9] zugleich auch der letzte Beleg der Verehrung des Kindgottes Hor-pa-chered in einem ägyptischen Tempel.[6]

Darstellungen
Mammisi des Isis-Tempels

Auf den Wändern der Kammer II ist die Geburtslegende abgebildet. Die zugehörigen Szenen haben ihre mythologischen Wurzeln im Neuen Reich, als die göttliche Geburt des Königs fester Bestandteil der Bildprogramme in den Tempeln des Neuen Reiches war. Die ptolemäischen Könige veränderten den Geburtsmythos. In allen Mammisis der griechisch-römischen Zeit ersetzte die jeweilige neue lokale Form eines Kindgottes das vorher bestehende zentrale Königsmotiv des Neuen Reiches. Der Name der beteiligten Gottheiten basierte in den lokalen Mammisis auf dem dort bestehenden Pantheon. [6]

Im Mammisi von Philae wird die zugehörige lokale Form des Kindgottes nur einmal namentlich als Hor-pa-chered erwähnt. In den sonstigen Darstellungen wird dagegen der Name des Götterkindes nicht genannt, jedoch wird immer wieder auf die Funktion des Chnum verwiesen, der auf einer Töpferscheibe das Götterkind Hor-pa-chered formt. Als Göttermutter wird dagegen einheitlich das Isis-Motiv verwendet.[6]

Die ikonografischen Motive zeigen in den Opferhandlungen den Kult des Hor-pa-chered. Ähnliche Darstellungen finden sich auch auf oder in anderen Gebäuden auf Philae. Zudem weisen die Abbildungen auf Philae zahlreiche Parallelen zu anderen Mammisis auf. Dort wird ebenfalls auf die Benennung des Götterkindes als Hor-pa-chered verzichtet, was auf die besondere Bedeutung des zentralen Isis-Motivs schließen lässt. Eine namentliche Erwähnung des Götterkindes ist auf dieser Grundlage nicht notwendig. In den aus Philae selten belegten privaten Personennamen ist die Verehrung des Hor-pa-chered erhalten geblieben; so war der Sohn eines Pa-di-Hor-pa-chered erster Gottesdiener der Isis und der Sohn eines Hor-pa-chered ebenfalls Gottesdiener der Isis. Daneben wird der Philae-Kult des Hor-pa-chered in griechischen Weihe-Inschriften dreier Altäre bezeugt.[10]

Kleiner Hathor-Tempel

Hathor-Tempel

Östlich des zweiten Pylon des Tempels der Isis erheben sich die Reste des kleinen Hathor-Tempels, der in der Zeit des Pharao Ptolemaios VI. fertiggestellt, durch Ptolemaios VIII. erweitert und später durch die Kaiser Augustus und Tiberius ausgeschmückt wurde. Sein Eingang befindet sich auf einer Kult-Terrasse an der Ostseite oberhalb des Ostufers der Insel. Hinter dem Eingang schließt sich der Pronaos mit 10 Säulen an, dahinter liegen die kleinen Räume des Naos.[11]

Die Reliefs des Tempels erinnern an den Göttermythos von der „Heimkehr der Göttin“, in dem Hathor als Tochter des Re bei der Rückkehr aus Nubien auf der Insel Philae rastete. Sie ist dort als „Herrin der Freude“ dargestellt, die zur Musik tanzt, die ihr zu Ehren und zur Beschwichtigung ihres Zorns, der sie zum Weggang aus Ägypten veranlasst hatte, von Musikanten intoniert wird. Darunter sind ein Doppelflöte spielender Priester, ein Laute spielender Affe, weitere tanzende Affen sowie der zwergenhafte Gott Bes, der trommelt oder Harfe spielt.[12][13]

Kiosk des Trajan

Trajan-Kiosk des Augustus

Südlich des kleinen Hathor-Tempels und wie dieser am Ostufer der Insel gelegen steht der Trajan-Kiosk. Mit ihm wurde eine Ost-West-Prozessionsachse vom Inselufer zum Haupttempel geschaffen. Er besteht aus 14 mittels Zwischenmauern verbundenen Säulen mit glockenförmigen Papyruskapitellen unter einem umlaufenden Epistyl, das einst eine Holzkonstruktion zur Stützung eines Zeltdaches trug.[14] An der östlichen Terrasse legte bei Flussprozessionen die heilige Barke mit der Statue der Göttin Isis an.

Der Trajan-Kiosk ist mit 15,4 × 20,7 Meter bei einer Höhe von 15,45 Meter der größte erhaltene freistehende Kiosk Ägyptens.[15] Auf Grund zweier Reliefs, die Kaiser Trajan als opfernden Pharao vor den Göttern Isis, Osiris und Horus als Kind zeigen, wurde das Bauwerk meist diesem Kaiser zugeschrieben. Der Trajan-Kiosk wurde jedoch schon unter Kaiser Augustus erbaut und später durch Trajan wiedererrichtet.[16] Nach Dietrich Wildung blieb der Bau jedoch unvollendet, da Reliefs und Inschriften fehlen.[14]

Medien

Im Film Die Mumie kehrt zurück reisen die Protagonisten im Laufe einer Verfolgungsjagd auch zu einem digitalen Nachbau der Insel.

Literatur

  • Hans Bonnet: Philae. In: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-937872-08-6, S. 592-594.
  • Johannes Hahn: Die Zerstörung der Kulte von Philae. Geschichte und Legende am ersten Nilkatarakt. In: Johannes Hahn, Stephen Emmel, Ulrich Gotter (Hrsg.): From Temple to Church. Leiden 2008, S. 203ff.
  • Wolfgang Helck /Eberhard Otto: Philae. In: Kleines Lexikon der Ägyptologie. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04027-0, S. 224.
  • Sandra Sandri: Har-Pa-Chered (Harpokrates): Die Genese eines ägyptischen Götterkindes (Orientalia Lovaniensia analecta 151). Peeters, Leuven 2006, ISBN 90-429-1761-X.
  • Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne. Das sogenannte Nutbuch. The Carsten Niebuhr Institute of Ancient Eastern Studies (u. a.), Kopenhagen 2007, ISBN 978-87-635-0406-5.
  • Erich Winter:Die Tempel von Philae und das Problem ihrer Rettung. In: Antike Welt 7, Heft 3, 1976, S. 2–15.

Weblinks

 <Lang> Commons: Philae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Karl Mustafa: Tempelinsel Philae. sennefer.at, 23. Januar 2011, abgerufen am 6. April 2012.
  2.  Sandra Sandri: Har-Pa-Chered (Harpokrates). Die Genese eines ägyptischen Götterkindes (= Orientalia Lovaniensia analecta. 151). Peeters, Leuven 2006, ISBN 90-429-1761-X, 2.8. Philae und Umgebung, S. 54/55 (Online, abgerufen am 6. April 2012).
  3. Sandra Sandri: Har-Pa-Chered (Harpokrates). S. 242.
  4. Marco Zecchi: Abu Simbel, Assuan und die Nubischen Tempel. Übersetzt von Susanne Tauch. White Star Publishers, Vercelli 2004, S. 121/122, ISBN 88-540-0070-1
  5. 5,0 5,1 5,2 Giovanna Magi: Assuan. Philae, Abu Simbel. Übersetzt von Christine Hock. Casa Editrice Bonechi, Florenz 1992, S. 64, ISBN 978-88-7009-240-0
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 Sandra Sandri: Har-Pa-Chered (Harpokrates). S. 56/57.
  7. Friesinschrift an der Nordwand der Vorhalle.
  8. Durchgang am westlichen Turm des Pylons.
  9. Tor des Hadrian.
  10. Sandra Sandri: Har-Pa-Chered (Harpokrates). S. 58.
  11. Philae - The Jewel of the Nile. The Temple of Hathor. www.philae.nu, 12. Oktober 2005, abgerufen am 7. April 2012 (english).
  12. Marco Zecchi: Abu Simbel, Assuan und die Nubischen Tempel. Übersetzt von Susanne Tauch. White Star Publishers, Vercelli 2004, S. 128
  13. Giovanna Magi: Assuan. Philae, Abu Simbel. Übersetzt von Christine Hock. Casa Editrice Bonechi, Florenz 1992, S. 69
  14. 14,0 14,1 Der Isis-Tempel von Philae. Der Trajanskiosk. www.meritneith.de, 7. November 2003, abgerufen am 7. April 2012.
  15. Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Albatros, Düsseldorf 2000, ISBN 3-491-96001-0, S. 265.
  16. Giovanna Magi: Assuan. Philae, Abu Simbel. Übersetzt von Christine Hock. Casa Editrice Bonechi, Florenz 1992, S. 66.

24.02527777777832.884166666667Koordinaten: 24° 1′ 31″ N, 32° 53′ 3″ O


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Die eindrucksvolle Kalksteinhöhle Arago liegt hoch über dem Fluss Verdouble in den Pyrenäen.
Fossil | Homo | Homo erectus
Zhoukoudian - »Der Pekingmensch« - Homo erectus
Der sogenannte Pekingmensch ist 750.
Paläoökologie | Fossil | Homo | Homo erectus
Bilzingsleben - Homo erectus bilzingslebensis
Am Rande des Thüringer Beckens, nahe der kleinen Ortschaft Bilzingsleben im Kreis Sömmerda, befindet sich eine einzigartige archäologische Grabungsstelle.
Fossil | Homo | Homo erectus
Trinil 2 - »Javamensch« - Homo erectus
Der sogenannte Pekingmensch ist 750.
Fossil | Homo | Homo erectus
Skelett KNM-WT 15000 - »Turkana Boy« - Homo ergaster
Am 22.
Fossil | Australopithecus
SK 6 - Typusexemplar Australopithecus robustus (Paranthropus crassidens)
Eine wichtige Entdeckung von Robert Broom war SK 6, ein Teil eines Unterkiefers sowie einige Zähne, die er bei Swartkrans, Südafrika, entdeckte.
Fossil | Australopithecus
DIK1-1 »Dikika Baby« - Australopithecus afarensis
Das drei Millionen Jahre alte Skelett eines dreijährigen Kindes (ein Mädchen) liefert ein hervorragendes Hilfsmittel, um die körperliche Entwicklung eines menschlichen Vorfahren zu verstehen, der, wie es scheint, zwar aufrecht ging aber noch die Fähigkeit besaß, auf Bäume zu klettern.
Fossil | Homo | Homo sapiens
Combe Capelle - Homo sapiens
Combe Capelle (deutsch: Bergkapelle) ist ein Abri mit mehreren paläolithischen Kulturschichten im Tal der Couze, 38 km südöstlich von Bergerac im französischen Département Dordogne.
Fossil | Neandertaler
Shanidar 1 - Homo neanderthalensis
Die Shanidar Höhle ist die älteste prähistorische Stätte im Irak, einem Land, das archäologisch berühmt ist für die kulturellen Errungenschaften, die man in Mesopotamien entdeckte.
Fossil | Hominine
Kenyanthropus platyops - KNM-WT 40000
Justus Erus und Meave Leakey fanden 1999 in Lomekwi an der Westseite des Turkanasees in Kenia diese außergewöhnlichen Fossilien.
Paläoanthropologie | Taxonomie
Die Evolution des Menschen
Viele Menschen sind von der Vorstellung fasziniert, dass es einmal Wesen auf unserer Erde gegeben hat, die zwar aufrecht gingen, aber den Kopf eines Menschenaffen auf den Schultern trugen.
Werkzeuge | Eiszeit | Homo sapiens | Kultur | Kunst
Die Kunst der Eiszeit - Figürliche Darstellungen
Die Menschen der Oberen Altsteinzeit machten dramatische kulturelle Fortschritte, die in der Kunst der späten Eiszeit gipfeln.
Werkzeuge | Eiszeit | Kunst
Die Erfindung der Musik
Im Sommer 2008 haben Ausgrabungen an den Fundstellen Hohle Fels und Vogelherd zu einer nahezu vollständigen Knochenflöte und einzelnen Fragmenten dreier Elfenbeinflöten geführt, die nun neue Belege für Musik im Paläolithikum liefern.
Eiszeit | Kunst
Die Entdeckung der ersten Höhle Altamira
Das alte Landgut von Altamira, was soviel bedeutet wie »Hohe Aussicht« erstreckt sich über leicht abschüssiges, aber hochgelegenes Wiesenland, etwa vier Kilometer von der spanischen Nordküste entfernt.
Werkzeuge | Eiszeit | Kunst
Eiszeitkunst - Höhepunkt prähistorischer Kreativität
Die phantastischen Malereien auf den Wänden der Höhle von Lascaux im Südwesten Frankreichs zeigen lebensnahe Formen von Pferden, Hirschen und Rindern.
Paläoanthropologie | Hominine
hominid oder hominin
Diese Frage sorgt sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Fachwelt oft für Verwirrung, denn es geht um so abstrakte biologische Begriffe wie »Systematik« und »Taxonomie«, also um die korrekte Benennung oder Einordnung von Lebewesen und Fossilien oder die Darstellung komplexer, biologischer Verwandtschaftsbeziehungen im System des Lebens.
Anatomie | Hominine
Sahelanthropus tchadensis
In der Djurab-Wüste im Tschad in Zentralafrika wurde im Jahr 2001 ein fossiler Schädel und mehrere Unterkiefer und Zähne einer möglicherweise aufrecht gehenden Primatenart entdeckt, deren Alter auf 6 bis 7 Millionen Jahre geschätzt wird.
Paläontologie | Primaten
Omomyiden und Adapiden

Koboldmaki-ähnliche Primaten (Omomyiden)

Teilhardina, eine Primatengattung aus der Familie Omomyidae (Unterfamilie Anaptomorphinae), wurde nach Pierre Teilhard de Chardin benannt, Jesuit, Philosoph und Paläontologe.
Datierung
Radiocarbon-Datierung
Die Radiokarbon- oder Kohlenstoff-14 Datierung ist vielleicht das bekannteste Verfahren zur absoluten Datierung.
Erdgeschichte | Datierung
Paläomagnetische Polaritätsstratigraphie, Paläomagnetismus
Diese Datierungsmethode erfordert eine vorherige Kalibrierung.
Datierung
Aminosäure Racemisierung
Diese Datierungsmethode beruht auf der langsamen chemischen Umwandlung von linksdrehenden Aminosäuren in lebenden Organismen in ihre rechtsdrehenden Gegenstücke.
Erdgeschichte | Datierung
Thermolumineszenz, optisch angeregte Lumineszenz und Elektronenspin-Resonanz
Die Grundlage dieser Verfahren ist die gleiche: sie messen die Anzahl von Elektronen, die in Defekten in der Gitterstruktur von Kristallen gefangen sind.
Erdgeschichte | Datierung
Uranreihen-Datierung
Es gibt mehrere chemische Elemente, die natürlich vorkommende radioaktive Isotope des Urans sind.
Erdgeschichte | Datierung
Spaltspurdatierung
Die Spaltspurdatierung beruht auf dem spontanen radioaktiven Zerfall (fission) von Uran-238 (238U), wobei eine Spur (track) von Defektlinien in der Nähe des Uran-Atoms entsteht.
Erdgeschichte | Datierung
Kalium-Argon Datierung
Mit der in den 19-fünfziger Jahren entwickelten Kalium-Argon-Methode kann man Vulkanasche- und Tuffgesteine datieren.
Werkzeuge | Paläontologie | Datierung
Die Datierung von Fossilien und Artefakten
Nur wenn man das Alter paläontologischer und archäologischer Funde abschätzen kann, läßt sich für die Evolution ein zeitlicher Ablauf rekonstruieren.
Taxonomie | Hominine | Australopithecus
Die Gattung Australopithecus
Australopithecus ist der Gattungsname von mehreren aufrechtgehenden Menschenaffen, die ab dem späten Miozän in Afrika verbreitet waren.
Taxonomie | Stammbaum | Darwin
Charles Darwin und die Abstammung des Menschen
Für seine lange Reise an Bord der »Beagle«, die ihn in fünf Jahren um die Welt führen sollte, packte sich der junge Charles Darwin auch die eben erschienenen »Prinzipien der Geologie von Charles Lyell ein.
Anatomie
Das menschliche Skelett von vorne
Das menschliche Skelett besteht aus gut 212 Knochen (individuell verschieden; üblich angegebene Zahlen liegen zwischen 206 und 214).
Anatomie
Anatomische Terminologie
Die Lage- und Richtungsbezeichnungen dienen in der Anatomie zur Beschreibung der Position und des Verlaufs einzelner Strukturen.
Anatomie | Gehirn
Der menschliche Schädel
Der menschliche Schädel - evolution-mensch.
Anatomie
Das menschliche Skelett von hinten
Das menschliche Skelett von hinten - evolution-mensch.
Taxonomie | Hominine | Feuer | Homo heidelbergensis
Homo heidelbergensis
Der allmähliche Übergang vom Homo erectus über Homo heidelbergensis zum Neandertaler ist durch ungewöhnlich zahlreiche Fossilien sehr gut belegt.
Taxonomie | Hominine
Homo erectus
Als die Paläoanthropologie noch eine junge Wissenschaft war, kannte man nur zwei verschiedene Spezies von frühen Menschen: den Neandertaler und den Homo erectus.
Taxonomie | Hominine
Homo ergaster (H. georgicus)
Die fossilen Überreste dieses Frühmenschen wurden seit 1991 unter Leitung von David Lordkipanidse bei Dmanisi in Georgien ausgegraben.
Taxonomie | Hominine
Homo ergaster
Der Art Homo ergaster - was soviel wie "der Handwerker" bedeutet - werden von vielen Forschern die frühen afrikanischen Fossilien des Homo erectus mit einem Alter von 1,8 bis 1,5 Millionen Jahren zugeordnet.
Hominine
Australopithecus sediba
Australopithecus sediba ist die neueste Art eines Australopithecinen, dessen Überreste auf das Pleistozän mit einem Alter von 1,78 bis 1,95 Jahren datiert wurden [2].
Hominine | Australopithecus
Australopithecus afarensis
Australopithecus afarensis aus dem mittleren und späten Pliozän Äthiopiens, Tansanias und Kenias ist nach Australopithecus anamensis eine der ältesten und primitivsten Arten von Australopithecus.
Hominine | Homo
Kenyanthropus platyops
Meave Leakey und Justus Erus fanden im Jahr 1999 in Lomekwi, an der Westseite des Turkanasees in Kenia die außergewöhnlichen Fossilien eines bis dahin unbekannten Homininen.
Hominine
Australopithecus anamensis
Die ersten Fossilien von Australopithecus anamensis wurden in der Region Kanapoi östlich des Lake Turkana bereits im Jahre 1965 entdeckt.
Physiologie
Das Gehirn in der Evolution des Menschen
Obwohl das Gehirn eines Menschenaffen nicht so verschieden ist, wie dies oft dargestellt wird, gibt es natürlich gewisse Unterschiede in Größe und Form.
Hominine
Australopithecus (Paranthropus) aethiopicus
Mit der Entdeckung von KNM-WT 17000, dem „schwarzen Schädel“, im Jahr 1986 konnte man einen wichtigen Mosaikstein zum Gesamtbild der Australopithecinen hinzufügen.
Hominine
Australopithecus africanus
Australopithecus africanus ist ein ausgestorbener, aufrecht gehender Vormensch aus der Unterfamilie Australopithecinae (innerhalb der Familie Hominidae), der in Süd- und Ostafrika verbreitet war.
Paläontologie | Primaten
Die ersten echten Primaten

Früheste moderne Primaten

Primaten, die bereits große Ähnlichkeit mit heutigen Lemuren, Loris und Koboldmakis haben - die ersten Euprimaten - erscheinen im frühen Eozän in Belgien, Frankreich, England und Wyoming.
Fossil | Australopithecus
LH 4 - Typusexemplar - Australopithecus afarensis
Vielleicht war Louis Leakeys vorgefasste Ansicht über das Wesen des "wahren Menschen" der Grund, warum er den linken unteren Eckzahn eines Homininen nicht erkannte, der 1935 in Laetoli zusammen mit zahlreichen anderen Wirbeltierfossilien aus dem Pliozän gefunden wurde.
Paläoökologie | Nach der Eiszeit | Eiszeit | Archäologie
Die Erfindung der Landwirtschaft
Ein gutes Beispiel für die Domestikation ist Weizen, die bis heute wichtigste Nutzpflanze der Menschheit.
Nach der Eiszeit | Eiszeit | Archäologie
Ackerbau und Viehzucht
Die Weisheit der Jäger und Sammler bestand darin, wie es der amerikanische Anthropologe John E.
Nach der Eiszeit | Eiszeit | Archäologie
Erste Hochkulturen
Während aus der frühesten sumerischen Bilderschrift die Keilschrift entstand, entwickelten die alten Ägypter um 3000 v.
Nach der Eiszeit | Eiszeit | Archäologie
Die ersten Bauern
Das Einbringen und Lagern von Getreide und anderen Früchten erforderte neue Werkzeuge und Transportgefäße.
Nach der Eiszeit | Eiszeit | Archäologie
Erste Dörfer und Städte
Dorfähnliche Siedlungen gab es schon in der Altsteinzeit an besonders begünstigten Orten.
Sprache | Nach der Eiszeit | Archäologie
Die ersten Schriften
Drei Erfindungen machten vor allen anderen den Menschen zu dem, was er heute ist: Feuer, Landwirtschaft und Schrift.
Paläoökologie | Nach der Eiszeit | Erdgeschichte
Was ist eine Eiszeit
Eigentlich ist die Erde ein wohltemperierter Planet.
Nach der Eiszeit | Eiszeit | Archäologie
Bronze, Eisen und Handel
Anders als die althergebrachten Werkstoffe Stein, Holz oder Ton kommen Metalle in reiner Form nur sehr selten vor.
Werkzeuge | Nach der Eiszeit | Eiszeit | Archäologie | Feuer
Megalithen und Metalle
Zu allen Zeiten versuchten Menschen, aus ihrem Leben das Beste zu machen: Sie nutzten das Angebot der Natur nach bestem Wissen aus, und manchmal erweiterten sie dieses Wissen durch zufällige oder scharfsinnige Beobachtungen.
Sprache | Paläoökologie | Gehirn
Die menschliche Sprache - Wie, wann, und warum
Eine lange Leitung zu haben, gilt als wenig schmeichelhaft.
Genetik | Sprache | Wanderungen
Die menschliche Sprache - Die Suche nach dem Ursprung
Mit grausamen Experimenten wollten Menschen immer wieder dem Ursprung der Sprache auf die Spur kommen.
Sprache
Sprache - Informationsaustausch von Gehirn zu Gehirn
Der Cro-Magnon-Mensch war weder stärker als der Neandertaler, noch hatte er ein größeres Gehirn.
Anatomie | Physiologie | Sprache
Anatomie der Sprache
Tonbandaufnahmen aus grauer Vorzeit gibt es leider nicht.
Physiologie | Genetik | Sprache
Die Sprache des Neandertalers
Der Neandertaler lebte in einer sprachlosen Welt - zu dieser Einsicht konnte man zumindest gelangen, wenn man die zahlreichen Analysen seiner Schädelbasis betrachtete, denn die Schädelwölbungen zeigten, dass der Kehlkopf höher im Hals gelegen haben muss, was die Vielfalt seiner Laute erheblich einschränken musste. Beim modernen Menschen sitzt der Kehlkopf tief unten im Hals und ermöglicht uns so ein breites Spektrum von Lauten. Dass die Neandertaler über eine Sprache miteinander kommunizierten, hielten viele Forscher deshalb für wenig wahrscheinlich. Wie aber hätten die frühen Menschen ihr Überleben in der freien Natur ohne das entscheidende Mittel der Kommunikation sichern können?