Vormenschenfund: „Lucys Großvater“ ging schon aufrecht

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Vormenschenfund: „Lucys Großvater“ ging schon aufrecht

Meldung vom 29.06.2010 19:22

3,6 Millionen Jahre alter Australopithecus belegt Zweibeinigkeit


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(Cleveland Museum of Natural History, 23.06.2010 - NPO)
 
Skelett des "Kadanuumuu" getauften Australopithecus afarensis KSD-VP-1/1 © Y. Haile-Selassie, L. Russell / Cleveland Museum of Natural History, PNAS

"Lucy's" Urgroßvater: Ein internationales Wissenschaftsteam unter Letung von Dr. Yohannes Haile-Selassie, Kurator des Cleveland Museum of Natural History und Leiter der Physical Anthropology hat in Äthiopien ein teilweise erhaltenes, ca. 3,6 Millionen Jahre altes Skelett entdeckt und analysiert. Dieser frühe Hominine ist rund 400.000 Jahre älter als die berühmte "Lucy" und von deutlich größerer Statur. Die Forschungen an dem neuen Fund zeigen, dass der fortschrittliche, menschenähnliche aufrechte Gang bereits viel früher entstanden sein muß, als bisher angenommen. Haile-Selassie ist federführender Autor der ersten Analyse des Skeletts, die in der Online-Ausgabe von Proceedings of the National Academy of Sciences im Juni 2010 veröffentlicht wurde.

Das Teilskelett gehört zu "Lucy's" Art Australopithecus afarensis. Der Entdeckung eines Unterarmknochens in der Gegend von Woranso Mille in der äthiopischen Afar-Region folgten 5 Jahre Ausgrabungsarbeit, bei der das vollständigste Schlüsselbein und eines der komplettesten Schulterblätter eines menschlichen Vorfahren zum Vorschein kamen. Auch ein großer Teil des Brustkorbs wurde gefunden.

Die Autoren gaben dem Fund den Spitznamen "Kadanuumuu", was in der Afar-Sprache "großer Mann" bedeutet und auf seine Körpergröße anspielen soll. Der männliche Hominine war zwischen 1,52-1,68 m groß, während "Lucy" nur 1,07 m groß war.

"Dieses Individuum war voll zweibeinig und hatte die Fähigkeit, fast wie moderne Menschen zu gehen", sagte Haile-Selassie. "Als Ergebnis dieser Entdeckung können wir jetzt mit Sicherheit sagen, dass "Lucy" und ihre Verwandten fast genauso kompetent auf zwei Beinen waren, wie wir es sind, und dass die Verlängerung der Beinknochen viel früher in unserer Evolution stattfand, als man zuvor dachte."

Dr. Haile-Selassie erklärt weiter: "All unser Verständnis über die Fortbewegungsweise von Australopithecus afarensis geht auf "Lucys" Skelett zurück. Weil sie ein außergewöhnlich kleines Weibchen mit absolut kurzen Beinen war, kamen einige Forscher zu der Ansicht, dass sie noch nicht vollständig an den aufrechten Gang angepasst war. Das neue Skelett wiederlegt diesen Eindruck, denn wenn Lucy so groß wie dieses Exemplar gewesen wäre, wären auch ihre Beine proportional länger gewesen."

Professor Dr. C. Owen Lovejoy von der Kent State University ist Co-Autor der Forschungsarbeit und half dabei, das Skelett zu analysieren. Wenn man das neue Skelett mit "Lucy" vergleicht, so Lovejoy, ist von beiden ein Becken, eine komplette untere Extremität sowie Elemente der oberen Extremitäten, der Wirbelsäule und des Brustkorbs erhalten. Aber der neue Fund hat umfassendere Rippen und ein fast vollständiges Schulterblatt, was uns viel mehr über die Körperform der Spezies Australopithecus afarensis verraten hat, als es "Lucy" allein in der Lage war.

Zu den Autoren der Forschungsarbeit gehören Dr. Bruce Latimer, Interim-Direktor des Center for Human Origins an der Case Western Reserve University und Dr. Beverly Saylor, außerordentlicher Professor für Geologie, ebenfalls an der Case Western Reserve University. Andere Co-Autoren arbeiten an der Addis Ababa University in Äthiopien, am Berkeley Geochronology Center und an der Stanford University.

Australopithecus afarensis ist der am besten erforschte, direkte frühe menschliche Vorfahre. Bis heute war Lucy das einzige teilweise erhaltene Skelett, das dieser Spezies zugeordnet wurde. "Lucy" ist ein 3,2 Millionen Jahre altes weibliches Individuum, das im Jahr 1974 von einem Team um Dr. Donald Johanson entdeckt wurde.

Die Analyse von "Kadanuumuu" deutet darauf hin, dass sich Schulter und Brustkorb dieser Art deutlich von Schimpansen unterscheiden. "Diese Ergebnisse bestätigen erneut, was wir bereits seit dem Fund von Ardi vermuteten: dass Schimpansen seit dem letztenVorfahren, den sie mit Menschen gemeinsam haben, eine sehr spezielle Evolution durchlaufen haben," so Lovejoy.

"Ardi" ist ein 4,4 Milionen Jahre altes Skelett eines Ardipithecus ramidus, das im Oktober 2009 von einem Team um Haile-Selassie, Lovejoy und assoziierten Forschern in der Zeitschrift "Science" als bahnbrechende Entdeckung des Jahres bezeichnet wurde. Klicken Sie hier, um mehr über "Ardi" zu erfahren.


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