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Neue Fossilanalyse verlegt die Trennung der Menschenlinie von anderen Primaten um 2 Millionen Jahre zurück

News vom 17.02.2016

Chororapithecus abyssinicus, ein gemeinsamer Vorfahre von Menschenaffen und Menschen, entwickelte sich in Afrika zwei Millionen Jahre früher, als bisher angenommen.

"Unsere neue Forschungsarbeit deutet auf eine frühe Divergenz: Vor 10 Millionen Jahren trennte sich die Linie der Gorillas ab und vor 8 Millionen Jahren die der Schimpansen", sagte Giday WoldeGabriel, Geologe am Los Alamos National Laboratory, der an der Studie mitarbeitete. "Das ist mindestens 2 Millionen Jahre früher als in früheren Schätzungen, die auf genetischen Studien beruhten, der fossile Beweis fehlte aber."

"Unsere Analyse der Fossilien zeigt, dass der Menschenaffe Chororapithecus abyssinicus vor nur 8 Millionen Jahren lebte, somit ist die Art jünger, als bisher angenommen. In dieser Zeit vermuten Wissenschaftler die Trennung der afrikanischen Menschenaffen von der Menschenlinie, allerdings gab es keine Fossilien aus dieser Zeit", sagte WoldeGabriel.

Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Menschen bilden die biologische Familie Hominidae. Unser Wissen über die Evolution der Hominiden - das heißt, wann und wie sich die Menschen vom Stammbaum der Großen Menschenaffen weg entwickelten - hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, auch mit Hilfe von Fossilien aus Äthiopien, einschließlich des Menschenaffen C. abyssinicus.

Das internationale Team, das den ausgestorbenen, gorilla-ähnlichen Affen im Jahr 2007 entdeckte, berichtet über neue Feldbeobachtungen und neue geologischen Techniken, sowie über die neue Einschätzung, wann sich Menschen und Menschenaffen trennten.

Die Arbeit der Autoren mit dem Titel New geological and palaeontological age constraint for the gorilla-human lineage split, wurde diese Woche im Fachjournal Nature veröffentlicht. WoldeGabriel war Mitautor des Papiers und ihm fiel die Rolle zu, die Chemie der Vulkanasche für lokale und regionale Vergleiche der Schichten zu bestimmen, zwischen denen die Fossilien in der äthiopischen Region Chorora eingebettet waren. In dieser Region wurden durch zahlreiche Vulkanausbrüche und Erdbeben Fossilien begraben, die schließlich durch Bodenbewegungen und Erosion wieder ans Tageslicht kamen.

Füllung von Lücken im Fossilbestand

Die meisten leitendenden Mitarbeiter des Chorora-Forschungsteams gehören auch dem Middle Awash project an, das die fossilen Überreste von mindestens acht Hominiden-Arten aus einer Zeitspanne von 6 Millionen Jahren ausgegraben hat, davon einige der frühesten Hominiden.

In den 1990er Jahren, noch bevor das Team den Gorilla-ähnlichen Chororapithecus abyssinicus ausgrub, entdeckten sie das fast intakte Skelett eines 4,4 Millionen Jahre alten Ardipithecus ramidus (Spitzname "Ardi"), sowie seinen Verwandten, die eine Million Jahre ältere Spezies Ardipithecus kadabba. Diese Ardipithecus Fossilien sind bislang die frühesten Vorfahren der Menschen und lebten nachdem die Menschenlinie sich von der Hauptlinie der Menschenaffen auf dem Primatenstammbaum abgespalten hatte. Die Ardipithecinen waren weder schimpansen- noch menschenähnlich, allerdings waren sie bemerkenswerterweise Bipedalisten - sie gingen aufrecht.

Noch während das Team mit der Untersuchung der Ardipithecinen beschäftigt war, veröffentlichten sie ihre Ergebnisse über Choroapithecus abyssinicus. Aus den neun versteinerten Zähnen von mehreren Individuen schlossen die Forscher, dass die Art den Gorillas ähnelte und an faserige Nahrung angepasst war. Auf der Grundlage ihrer Forschung an den Fossilien von Chorora und den Ardipithecinen, geht das Team davon aus, dass der gemeinsame Vorfahre von Schimpansen und Menschen früher gelebt haben muß, als man aufgrund genetischer und molekularer Studien vermutete, die bislang von einer Spaltung vor ungefähr 5 Millionen Jahren ausgingen.

Laut der Forschungsarbeit lieferten die Fossilien von Chororapithecus abyssinicus nicht nur Antworten auf Fragen nach der Evolution der Gorillas, sondern sie sind auch Beweise dafür, dass die gemeinsamen afrikanischen Vorfahren nicht aus Eurasien einwanderten, wo Fossilien, bis zur Entdeckung mehrerer afrikanischer Skelette, reichhaltiger waren. Während einige Skeptiker sagen, dass mehr fossile Beweise erforderlich sind, bevor man Schlussfolgerungen akzeptieren könne, stimmen viele zu, dass die Entdeckung eines fossilen Menschenaffen aus dieser Zeit wichtig ist, da nur noch die Überreste eines weiteren Menschenaffen gefunden worden waren.

Umfangreiche Analysen liefern neue Beweise

WoldeGabriel und das Forschungsteam haben eine Vielzahl von Methoden angewendet, um das Alter der Zähne aus der Chorora-Formation neu zu bestimmen. Mittels Argon-Datierung und paläomagnetischer Methoden konnten sie das Alter der vulkanischen Gesteine und Sedimente, zwischen denen die Fossilien gefunden wurden, recht gut schätzen. Das Team untersuchte die Muster von magnetischen Umkehrungen - eine Methode der Altersbestimung, die auf dem Wissen der Ausrichtung des Magnetfelds der Erde einer bestimmten Ära basiert - und kalibrierte die Sedimente mit der magnetostratigraphischen Zeitskala (Global Magnetic Polarity Time Scale, abgekürzt GMPTS).

Mit Hilfe der Geochronologie und der chemischen Zusammensetzung der Vulkanasche konnte WoldeGabriel das Alter der Fossilien auf ca. 8 Millionen Jahre bestimmen. Auf der Grundlage dieser neuen fossilen Beweise und der neuen Analysen geht das Team davon aus, dass sich die Gorillas vom Zweig der Menschen und Schimpansen vor etwa 10 Millionen Jahren trennten - mindestens 2 Millionen Jahre früher als bisher behauptet.

Diese Newsmeldung wurde mit Material von Science Daily erstellt


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