Älteste Ureinwohner Nordamerikas entdeckt

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Älteste Ureinwohner Nordamerikas entdeckt

Meldung vom 03.03.2011 04:51

Archäologen haben die ältesten Menschenknochen im subarktischen Nordamerika entdeckt. Die 11.500 Jahre alte Fundstelle in Alaska gibt neue Einblicke in die eiszeitliche Kultur der nordamerikanischen Menschen während des späten Pleistozäns und frühen Holozäns.


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Die kindlichen Überreste, hier bei der Freilegung, lassen vermuten, dass das Kind nach seinem Tod in einer Feuerstellengrube verbrannt wurde (Foto: Ben Potter, University of Alaska, Fairbanks)
Science, 2011; DOI: 10.1126/science.1201581

Unter den Überresten waren auch die Knochen eines dreijährigen Kindes, das in der Feuerstelle einer Hütte begraben worden war. Wie Forscher in „Science“ berichten, unterschieden sich die damaligen Bewohner Alaskas kulturell von den weiter südlich siedelnden Clovis-Menschen. Der neue Fund gibt einen seltenen Einblick auch in ihr Alltagsleben.

Es ist eine aufschlussreiche, aber auch tragische Familiengeschichte, so Ben Potter von der University of Alaska Fairbanks. Sein Team hat in der Nähe des Upward Sun River in Zentralalaska Überreste einer menschlichen Behausung entdeckt: zwei durch einen Gang verbundene Gebäude, insgesamt rund 50 Quadratmeter groß, in einem der beiden Räume befindet sich eine Grube, die wohl als Kochstelle sowie als Sammelbehälter von Essensresten diente.

Das Haus war offenbar eine nur saisonal bewohnte Sommerhütte, in der neben den Männern auch Frauen und Kinder lebten. Die Knochen des Kindes wurden in einer großen, 45 Zentimeter tiefen Feuergrube in der Mitte der Hüttenreste entdeckt. Woran das Kind gestorben ist, wissen die Forscher nicht, seine Knochen geben keine Hinweise auf Krankheiten oder einen Unfall. Fest steht, dass das tote Kind in der Kochgrube zunächst verbrannt und dann beerdigt wurde. Kurz darauf müssen die Bewohner die Hütte verlassen haben, denn in höher liegenden Schichten der Fundstelle finden sich nur mehr Sedimente - Knochen oder Steinwerkzeuge indes liegen alle in tieferen, sprich: älteren Schichten. Das Geschlecht des Kindes konnte aus den Relikten noch nicht bestimmt werden, anhand der Zähne ließ sich jedoch das Alter des Kindes zum Todeszeitpunkt ermitteln. Erste bioarchäologische Untersuchungen bestätigen, dass es anatomisch den Ureinwohnern des Kontinents und den im Norden Asiens lebenden Völkern ähnelt. Nach der im lokalen Dialekt als „Xaasaa Na'“ - Fluss der aufsteigenden Sonne - bekannten Fundstelle wurde das Kind von den Archäologen „Xaasaa Cheege Ts'eniin“ getauft.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Dreijährige starb – woran ist noch nicht klar – und dann in der Feuerstelle verbrannt wurde. Daher sind nur etwa 20% des Skeletts erhalten. Die Feuergrube enthielt nicht nur die Kinderknochen, sondern darunterliegend auch die Überreste von kleineren Fischen, Säugetieren, Vögeln und Pflanzenresten. Deshalb gehen die Archäologen davon aus, dass die Feuergrube ursprünglich nicht als Grab gedacht war, sondern als Kochstelle diente.

Inwieweit die Beerdigung rituell begleitet wurde, ist offen. Zwar finden sich in dem Grab Spuren von Ocker - ein Pigment, das in vielen Kulturen bei Beerdigungen verwendet wurde. Doch Grabbeigaben mit symbolischer Bedeutung fehlen. Letzteres sei typisch für umherziehende Jäger und Sammler.Das allerdings solle nicht dahingehend missverstanden werden, dass die damaligen Bewohner dem Tod des Kindes keine Bedeutung beigemessen hätten, erklärt Potter. „Alle Belege deuten darauf hin, dass sie sich durchaus Mühe gaben. Das Begräbnis fand innerhalb des Hauses statt. Wenn man bedenkt, dass das Haus das Zentrum zahlreicher Aktivitäten wie Kochen, Essen oder Schlafen ist, und dass die Bewohner es bald nach der Verbrennung verließen, ist das schon ziemlich überzeugender Beweis für einen achtsamen Umgang mit dem Kind.“

Weitere Funde deuten darauf hin, dass das Haus von seinen Bewohnern kurz nach dem Tod des Kindes verlassen wurde. Was damals genau geschah, ist noch unbekannt. „Ich möchte alles erfahren, was des über dieses Kind zu wissen gibt”, erklärt Joann Polston, Häuptling der am Tanana River ansässigen Ureinwohner. Er und andere Stammesvertreter wollen DNA-Proben bereitstellen, um diese mit der DNA des eiszeitlichen Kindes vergleichen zu lassen. Der Vergleich wird auch zur Klärung der Frage beitragen, wie sich Kulturen am Ende der Eiszeit über die Kontinente ausgebreitet haben. Das kann nämlich sowohl durch die Diffusion von Ideen als auch durch die Wanderung von Menschen passiert sein - das Gewicht dieser Faktoren könnte nun die Abgleichung von Genetik und Archäologie bestimmen.

Mehr Gemeinsamkeiten mit Bewohnern Sibiriens

Während der Fund sicher Fragen über die Geschichte des Kindes aufwirft, ist für die Archäologen das größere Bild, der Einblick in den Lebensstil der vor 11.500 Jahren in der nordamerikanischen Subarktis lebenden Menschen das eigentlich Spannende. Sie dürften laut aktuellem Kenntnisstand vor mindestens 13.000 Jahren über die Beringstraße in die Neue Welt eingewandert sein. Anderthalb Tausend Jahre später, zur Zeit, als sich die Bewohner der Hütte eine neue Bleibe suchten, dürfte die Landbrücke zwischen den Kontinenten Asien und Amerika immer noch bestanden haben. Bisher sind nur eine Handvoll von Häusern aus den ersten 2.000 Jahren der Besiedelung Amerikas gefunden worden, alle liegen in den südlicheren Bundesstaaten der USA. So weit im Norden ist aus dieser Zeit nur ein Haus am Ushki See in Sibirien bekannt, dieses ist gleichzeitig auch die bisher einzige bekannte Begräbnisstätte Beringias.

Die Bewohner der Fundstelle in Alaska scheinen auch in Bezug auf Lebensweise und Technologie mehr mit ihren Zeitgenossen in Sibirien als in den südlicheren Gebieten Nordamerikas gemeinsam zu haben. Potter und sein Team haben an der Fundstelle neben Knochen auch 350 Artefakte ausgegraben. Die Steinwerkzeuge gehören zur sogenannten Mikroklingentechnologie - diese Form der Werkzeugherstellung wurde vor rund 30.000 Jahren in China entwickelt und unterscheidet sich von jener, die etwa die Vertreter der Clovis-Kultur im zentralen Nordamerika auszeichnet. Auch die Behausung und das Nahrungsspektrum weisen eher Ähnlichkeiten mit Fundstätten dieser Periode nahe dem Ushuki-See in Sibirien auf denn mit solchen aus Nordamerika. Für Potter ein Indiz, dass man hier Zeuge eines kulturellen Übergangs geworden sei: "Die Technologie ist ein Bindeglied zwischen Alaska und der Alten Welt", sagt der kanadische Archäologe.

„Als Teil der Bering-Landbrücke war Alaska eine wichtige Verbindung zwischen der Alten und der Neuen Welt“, erklärt „Science“-Redakteur Brooks Hanson. „Diese Studie liefert einen wichtigen Beitrag zu unserem Wissen über die frühen Einwohner von Beringia und ihrer Kultur.“


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