»Little Foot« ist ältester südafrikanischer Australopithecus

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»Little Foot« ist ältester südafrikanischer Australopithecus

Meldung vom 17.03.2014 02:21

Das Fossil Stw573 ist wahrscheinlich mehr als 3 Millionen Jahre alt, und nicht 2,2 Millionen Jahre wie ursprünglich behauptet


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Travis Rayne Pickering, Ron J. Clarke, Jason L. Heaton. 2014. The context of Stw 573, an early hominid skull and skeleton from Sterkfontein Member 2: taphonomy and paleoenvironment. Journal of Human Evolution, 46 (3): 277
DOI: 10.1016/j.jhevol.2003.12.001
 
Nach 13 Jahren konnten südafrikanische und französische Forscher nun zeigen, dass Little Foot möglicherweise mehr als 3 Millionen Jahre alt ist.
Foto: University of the Witwatersrand

Nach 13-jähriger, sorgfältiger Ausgrabung eines fast vollständigen Skeletts eines Australopithecus, Bezeichnung Stw573 »Little Foot«, haben südafrikanische und französische Wissenschaftler nun überzeugend gezeigt, dass es wahrscheinlich rund 3 Millionen Jahre alt ist.

In einer Arbeit, die am 14. März 2014 im Journal of Human Evolution veröffentlicht wurde, scheinen die neuesten Erkenntnisse von Professor Ron Clarke und seine Kollegen von der University of the Witwatersrand frühere Behauptungen zu widerlegen, wonach »Little Foot« sehr viel jünger sei.

Der Artikel mit dem Titel: "Stratigraphic analysis of the Sterkfontein StW 573 Australopithecus skeleton and implications for its age" ist das Ergebnis einer detaillierten Untersuchung der Stratigraphie, Mikro-Stratigraphie und Geochemie rund um das Skelett.

Die Geschichte von Little Foot

Die Höhlen von Sterkfontein in der Provinz Gauteng in Südafrika sind seit 1936 weltberühmt wegen der großen Zahl an Fossilfunden des Vormenschen Australopithecus. Allerdings bestanden die Funde bis jetzt nur aus Teilschädeln, Kiefern, isolierten Zähnen und Fragmenten der Extremitätenknochen. Diese kamen in der Vergangenheit oft durch Sprengungen beim Abbau von Kalk ans Licht, oder man fand sie bei Bohrungen oder beim Aushub der kalkigen Höhlenfüllungen mit Schaufel und Pickel.

Schon bald nach den ersten Funden im Jahr 1936 kamen Fragen nach dem Alter der Funde auf, ebenso die Frage, wie die Fossilien in die Höhlen gelangten und wie wohl ein komplettes Skelett aussehen würde, wenn man denn eins fände. Im Jahr 1997 entdeckten dann Ron Clarke, Stephen Motsumi und Nkwane Molefe von der University of the Witwatersrand ein fast vollständige Australopithecus -Skelett einschließlich Schädel in den harten, verkalkten Ablagerungen in einer unterirdischen Kammer der Höhlen. Sie begannen vorsichtig das Skelett auszugraben, um es an Ort und Stelle in der Höhle freizulegen und versuchten zu verstehen, welche Prozesse zur Einbettung und Erhaltung geführt haben.

Dies war das erste Mal, dass eine solche Ausgrabung eines Australopithecus in den alten Brekzie in einer südafrikanischen Höhle durchgeführt wurde. Im Verlauf dieser Ausgrabung wurde klar, dass das Skelett geologischen Störungen ausgesetzt war und durch einen teilweisen Sturz in einen tieferen Hohlraum zerbrochen war. Erst viel später füllten sich die Hohlräume rund um die versetzten Knochen mit Kalksinter.

Obwohl diese Tatsache in der Erstveröffentlichung bekanntgegeben wurde, datierten einige andere Forscher diesen Kalksinter und behaupteten, die daraus gewonnenen Daten repräsentierten auch das Alter der Knochen. Als Folge entstand der Eindruck, das Skelett sei viel jünger als es tatsächlich ist.

Zusammen mit einem französischen Spezialistenteam für Kalksteinhöhlen, den Forschern Laurent Bruxelles, Richard Maire und Richard Ortega, haben Clarke und Dominic Stratford von der Wits University nun gezeigt, dass die datierten Kalksinter alte Hohlräume füllten, die durch Erosion und Einstürze entstanden sind und dass das Skelett daher älter, wahrscheinlich wesentlich älter ist, als die zur Datierung herangezogenen Gesteinsproben.

Little Foot ist also wahrscheinlich rund 3 Millionen Jahre alt, und nicht 2,2 Millionen Jahre, wie von anderen Forschern behauptet. Das Skelett konnte vollständig aus der Höhle geborgen werden und Arme, Beine, Becken und andere Knochen wurden weitgehend aus ihrem steinigen Bett befreit.

Professor Clarke schloß aus seinen Untersuchungen des Schädels, dass die Fossilen zu Australopithecus prometheus gehören, eine Artbezeichnung von Raymond Dart aus dem Jahr 1948, der fragmentarische Überreste dieses Vormenschen in Makapansgat in der heutigen Provinz Limpopo fand.

Professer Clarke folgert weiter, dass es bei Sterkfontein zwei Arten von Vormenschen gab, den Australopithecus africanus, beispielsweise vertreten mit dem Fossil Mrs. Ples, und eben Australopithecus prometheus mit dem Fossil Little Foot. Offensichtlich konnte Clarke viele Überreste von Australopithecus prometheus auch aus anderen Ablagerungen bei Sterkfontein identifizieren.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von University of the Witwatersrand








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