Vértesszóllós, Ungarn

Letzte Meldung:   Primaten in Gefahr   –  ....

Fundort: Vértesszóllós, Stadt Tata, Komárom-Esztergom, Ungarn
Spezies: Homo erectus, Homo heidelbergensis
Fossil: Zahnfragmente eines Kindes, Hinterhauptsbein eines jungen Mannes
Geschätztes Alter: 350.000 Jahre, Datierung basierend auf Uran/Thorium-Methode, Elektronenspinresonanz-Verfahren (ESR)
Kultur: Acheuléen
Vertesszolos_paleolitic_locality_site_I_view,320.jpg
Foto vom Fundort I, so wie er heute aussieht

Vértesszőlős ist ein Dorf in der ungarischen Verwaltungseinheit Komárom-Esztergom, etwa 60 Kilometer nordwestlich von Budapest. Vértesszőlős liegt am Ufer des Flusses Átalér, einem Zufluss der Donau am Fuße des Gerecse-Gebirges.

Berühmt wurde Vértesszőlős dank eines riesigen Fundareals, das zwischen 1963 und 1968 unter der Leitung von Lazlo Vértes archäologisch bearbeitet und freigelegt wurde. Bereits 1962 stieß der Geologe Márton Pécsi mit seinen Studenten bei der Untersuchung einer stratigraphischen Schichtenfolge auf die ersten archäologischen Funde: Werkzeuge und Tierknochen mit Verbrennungsspuren.

Das Rohmaterial der Steinartefakte besteht aus Quarzit und stammt hauptsächlich aus den Flussablagerungen des nahen Átalér. Der Chefausgräber Lazlo Vértes war der Ansicht, dass die Geräte aus Vértesszőlős eine besondere Typologie aufweisen und schlug daher den Namen „Buda-Industrie“ vor. Heute werden die Funde dem Acheuléen oder dem Abbevillien (veraltet auch Chelléen) zugeordnet.

Das Inventar besteht aus Chopping Tools, Choppern, Abschlägen für Schneidearbeiten sowie einfachen Faustkeilen. Neben den Steinwerkzeugen konnte man über 100 Knochenfragmente identifizieren, die ebenfalls als Werkzeuge benutzt wurden.

Während der Grabungsperiode im Jahr 1965 fand man in den Travertinschichten von Vértesszőlős Fragmente des linken unteren Eckzahns und eines linken unteren Molaren, die einem etwa 7 Jahre alten Kind der Art Homo heidelbergensis gehört haben dürften. Die Zahnfragmente tragen die Bezeichnung Vsz I (Vértesszőlős I).

Ebenfalls 1965 wurde rund 8 Meter von der Fundstelle der Zähne entfernt das Fragment eines Hinterhauptbeins (Os occipitale) gefunden, das vermutlich einem jungen Mann zuzuordnen ist und die Bezeichnung Vsz II trägt.

Im darauffolgenden Jahr 1966 entdeckte man bei Untersuchungen der paläolithischen Fauna von Vértesszőlős eine riesige Feuerstelle - linsenförmig mit einem Durchmesser von etwa 7 Metern - die vermutlich über mehrere Jahre hinweg brannte. Hinweise auf die Nutzung des Feuers sind aus der Zeit der Menschen von Vértesszőlős in Europa sehr selten, daher kommt dieser Entdeckung eine besondere Bedeutung zu.

Insgesamt sind bei Vértesszőlős die Siedlungsspuren der altpaläolithischen Menschen sehr gut erhalten. Unter den vielen Faunenresten fand man auch Knochenframente von Pferden, Rotwild und Bisons, die man als Essensreste der Menschen identifzieren konnte. Auf ihnen fanden sich Schnittspuren, die durch Steinwerkzeuge beim Ablösen des Fleisches entstanden sein müssen. Direkte Hinweise auf Jagd gibt es allerdings nicht, da im Inventar der Steinwerkzeuge keine Geräte vorhanden sind, die zur Jagd im klassischen Sinne geeignet wären.

Die Schicht mit dem menschlichen Hinterhauptsbein wurde mit der Uran/Thorium Methode auf ca. 350.000 Jahre datiert. Eine Bestätigung dieses Alters lieferte eine Elektronenspinresonanz-Untersuchung (ESR), die ein Alter von 333.000 +/– 17.000 Jahre ergab.


Literatur

  • Miklós Kretzoi & Viola T. Dobosi. 1990. Vértesszőlős. Site, Man and Culture. Akadémiai Kiadó, Budapest

Koordinaten


Das könnte Dir auch gefallen