Zahnschema

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Zahnschema

Ein Zahnschema ist eine Methode in der Zahnmedizin, einen Zahn in seiner Position im Kiefer und im Zahnbogen eindeutig zu benennen. Es ist vornehmlich das Zahnschema der Fédération Dentaire Internationale (FDI) in Gebrauch. Daneben wird noch das amerikanische Zahnschema verwendet. Ferner sind historisch die Zahnschemata nach Zsigmondy und Haderup von Bedeutung:

Wie auch sonst in der Medizin liegen allen Schemata Seitenbezeichnungen aus Sicht des Patienten zugrunde, das heißt die vom Patienten aus gesehen rechte Seite wird auch als rechts bezeichnet. Aufgezeichnet wird jedoch so, wie der dem Patienten gegenüberstehende Behandler diesen wahrnimmt, also aus Sicht des Patienten seitenverkehrt: die Zähne der rechten Gesichtshälfte werden links, die der linken rechts aufgezeichnet.

Im FDI-Schema wie auch in den Schemata nach Zsigmondy und Haderup wird das Gebiss in vier Quadranten aufgeteilt, die von oben rechts beim Patienten beginnend aus Behandlersicht im Uhrzeigersinn bezeichnet werden (1 = oben rechts, 2 = oben links, 3 = unten links, 4 = unten rechts), und innerhalb dieser Quadranten die Zähne von 1 (mittlerer Schneidezahn) bis 8 (Weisheitszahn) durchnummeriert. Die Milchzähne werden entsprechend von 1 bis 5 durchnummeriert. (Siehe auch: Zahnformel) Die drei genannten Schemata unterscheiden sich lediglich durch die Art, wie die Zugehörigkeit eines Zahnes innerhalb eines Quadranten gekennzeichnet wird:

Zweck

Im Zahnschema hält der Zahnarzt den Befund des Gebisses bei der Vorsorgeuntersuchung fest. Dazu gehört vor allem die Eintragung der fehlenden, kariösen, zerstörten, überkronten, überbrückten und ersetzten Zähne, vorhandene Implantate, retinierte und zu extrahierende Zähne. In erweiterten Befundschemata werden auch parodontologische und kieferorthopädische Befunde dokumentiert. Die Eintragungen erfolgen mit Abkürzungen, meist mit den Anfangsbuchstaben der Befunde, beispielsweise „f“ für einen fehlenden Zahn, „e“ für einen ersetzten Zahn. Diese Kürzel werden an der jeweiligen Zahnbezeichnung eingegeben. In großem Maßstab erfolgen mit diesen Angaben Auswertungen innerhalb epidemiologischer und wissenschaftlicher Studien. Die Erfassung der Befunde gehört zu den Dokumentationspflichten des Zahnarztes gemäß § 630fVorlage:§/Wartung/buzer BGB.

Beispiele für Befundungen im Zahnschema:

  • f = fehlend
  • z = zerstört
  • c = kariös
  • x = extraktionswürdig
  • e = ersetzt
  • k = Krone
  • b = Brückenglied
Vollverblendete Keramikbrücke 27-25
  • i = Implantat

Zahnschemata werden auch für die Behandlungsplanung eingesetzt. Um Befunde und Planungen auseinander halten zu können, werden Befunde in Kleinbuchstaben, Behandlungsplanungen in Großbuchstaben eingetragen. Folgende Eintragung im nachfolgenden FDI-Schema bedeutet, dass eine Brücke an den Zähnen 27 bis 25 im linken Oberkiefer geplant ist, wobei die Zähne 27 und 25 mit einer Krone versorgt werden sollen und der Zahn 26 mit einem Brückenglied überbrückt wird.

K - B - K

25 26 27

FDI-Schema

Im FDI-Schema werden die Quadranten-Ziffern der Kennziffer des Zahnes vorangestellt. Die Quadranten werden aus Sicht des Patienten gegen den Uhrzeigersinn durchnummeriert. Die Zähne werden jeweils von der Mitte nach hinten durchnummeriert. So bekommt der obere rechte Eckzahn die Kennziffern „13“. Die „1“ steht für den oberen rechten Quadranten, die „3“ für den dritten Zahn von der Mitte aus gerechnet. Der untere linke erste Prämolar erhält demzufolge die Kennziffern „34“. Dabei erfolgt die Benennung rechts-links aus der Sicht des Patienten. Das Schema wird jedoch aus Sicht des Zahnarztes aufgeschrieben. Deshalb steht das "R" im Schema auf der linken Seite, das "L" auf der rechten.

Da es sich um eine zweiziffrige Kennung und nicht um eine zweistellige Zahl handelt, werden lediglich die Ziffern genannt und daraus keine Zahl gebildet; es heißt also „eins-drei“ und „drei-vier“, nicht etwa „dreizehn“ und „vierunddreißig“.

Die Milchzahnquadranten werden entsprechend von 5 bis 8 durchnummeriert, so dass der obere linke seitliche Schneidezahn die Kennziffern „62“ erhält, der untere rechte zweite Milchmolar die Kennziffern „85“.

Zahnmodell eines Erwachsenen (ohne Weisheitszähne)
Links oben im Bild Zahn 17,
links unten im Bild Zahn 47
        Oberkiefer rechts 1            Oberkiefer links 2
        18 17 16 15 14 13 12 11 | 21 22 23 24 25 26 27 28 
     R --------------------------------------------------- L
        48 47 46 45 44 43 42 41 | 31 32 33 34 35 36 37 38 
        Unterkiefer rechts 4          Unterkiefer links 3

            Oberkiefer rechts 5   Oberkiefer links 6
                 55 54 53 52 51 | 61 62 63 64 65 
              R --------------------------------- L
                 85 84 83 82 81 | 71 72 73 74 75 
           Unterkiefer rechts 8   Unterkiefer links 7

I - Incisivi (Schneidezähne)
C - Canini (Eckzähne)
P - Prämolaren (Vormahlzähne)
M - Molaren (Mahlzähne)

Basierend auf diesem Zahnschema ist es inoffiziell im Fachjargon auch üblich, einfach folgende Bezeichnungen zu verwenden:
1er, 2er, 3er .........8er,
also z. B.: der obere linke 2er, die unteren 3er, die 8er, bei Milchzähnen: die oberen Milch-5er

Zahnschema nach Zsigmondy

Hier werden die Zähne durch einen Winkel ihrem Quadranten zugeordnet, der die Mittellinie und die Kauebene repräsentiert, d. h. die horizontale Linie des Winkels liegt bei den Oberkieferzähnen unter der Ziffer, im Unterkiefer darüber, und der senkrechte Teil des Winkels liegt im ersten und vierten Quadranten rechts von der Ziffer, im zweiten und im dritten links. So bekommt der obere rechte Eckzahn die Kennzeichnung „3“, der untere linke erste Prämolar die Kennzeichnung „4“. Gesprochen wird: „Oben rechts drei“ bzw. „unten links vier“.

Die Milchzähne werden mit römischen Zahlen bezeichnet, so dass der obere linke seitliche Schneidezahn die Kennzeichnung „II“ erhält, der untere rechte zweite Milchmolar die Kennzeichnung „V“.

Zahnmodell eines Erwachsenen (ohne Weisheitszähne)
Links oben im Bild Zahn 7

links unten im Bild Zahn 7
        Oberkiefer rechts   Oberkiefer links
        8 7 6 5 4 3 2 1 | 1 2 3 4 5 6 7 8
     R ---------------------------------------- L
        8 7 6 5 4 3 2 1 | 1 2 3 4 5 6 7 8
       Unterkiefer rechts   Unterkiefer links

         Oberkiefer rechts  Oberkiefer links
           V IV III II I | I II III IV V
        R ---------------------------------- L
           V IV III II I | I II III IV V
        Unterkiefer rechts  Unterkiefer links

Zahnschema nach Haderup

Hier werden die Zähne durch ein Pluszeichen im Oberkiefer und ein Minuszeichen im Unterkiefer ihrem Quadranten zugeordnet, die jeweils zur Mittellinie hin angeordnet sind, d. h., sie sind im ersten und vierten Quadranten der Ziffer nachgestellt, im zweiten und im dritten vorangestellt. So bekommt der obere rechte Eckzahn die Kennzeichnung „3+“, der untere linke erste Prämolar die Kennzeichnung „-4“. Gesprochen wird ebenfalls: „Oben rechts drei“ bzw. „unten links vier“.

Zahnmodell eines Erwachsenen (ohne Weisheitszähne)
Links oben im Bild Zahn 7+,
links unten im Bild Zahn 7-

Bei den Milchzähnen wird den Ziffern eine „0“ vorangestellt, so dass der obere linke seitliche Schneidezahn die Kennzeichnung „+02“ erhält, der untere rechte zweite Milchmolar die Kennzeichnung „05-“.

        Oberkiefer rechts                Oberkiefer links 
        8+ 7+ 6+ 5+ 4+ 3+ 2+ 1+ | +1 +2 +3 +4 +5 +6 +7 +8 
     R --------------------------------------------------- L
        8- 7- 6- 5- 4- 3- 2- 1- | -1 -2 -3 -4 -5 -6 -7 -8 
        Unterkiefer rechts              Unterkiefer links

            Oberkiefer rechts        Oberkiefer links 
            05+ 04+ 03+ 02+ 01+ | +01 +02 +03 +04 +05 
         R ------------------------------------------- L
            05- 04- 03- 02- 01- | -01 -02 -03 -04 -05 
            Unterkiefer rechts      Unterkiefer links

Das amerikanische Zahnschema

Im amerikanischen Zahnschema werden die Zähne beginnend beim oberen rechten Weisheitszahn und endend beim unteren rechten Weisheitszahn im Uhrzeigersinn von 1 bis 32 durchnummeriert. Eine Kennzeichnung der Quadranten entfällt. So bekommt der obere rechte Eckzahn die Kennzahl „6“, der untere linke erste Prämolar die Kennzahl „21“.

Die Milchzähne werden analog von rechts oben im Uhrzeigersinn mit den Buchstaben „A“ bis „T“ bezeichnet, so dass der obere linke seitliche Schneidezahn die Kennzeichnung „G“ erhält, der untere rechte zweite Milchmolar die Kennzeichnung „T“.

Zahnmodell eines Erwachsenen (ohne Weisheitszähne)
Links oben im Bild Zahn 2,
links unten im Bild Zahn 31
         Oberkiefer rechts                Oberkiefer links 
          1  2  3  4  5  6  7  8 |  9 10 11 12 13 14 15 16 
      R --------------------------------------------------- L
         32 31 30 29 28 27 26 25 | 24 23 22 21 20 19 18 17 
         Unterkiefer rechts              Unterkiefer links

               Oberkiefer rechts   Oberkiefer links 
                       A B C D E | F G H I J 
                    R ----------------------- L
                       T S R Q P | O N M L K 
              Unterkiefer rechts   Unterkiefer links

Ein großer Nachteil dieses Zahnschemas ist, dass nicht auf „den ersten Blick“ zu erkennen ist, um welche Zahnart es sich handelt: z. B. hat im bleibenden Gebiss der obere linke zweite Prämolar die Endziffer „3“, der untere linke zweite Prämolar die Endziffer „0“. Bei allen anderen Schemata gilt für beide Zähne die Endziffer „5“. Jede Fachkraft weiß sofort, dass es sich bei beiden Zähnen um zweite Prämolaren handelt. Im Praxisalltag nennt man sie dann auch verkürzt „5-er“.

Einen weiteren Nachteil stellt die Verwechslungsgefahr zum allgemein in Europa üblichen FDI-Schema dar. So bezeichnet ein Zahnarzt, der das amerikanische System nutzt, den zweiten Molaren der linken Oberkieferhälfte mit „15“. Ein Zahnarzt, der das FDI-Schema als usus betrachtet, läuft Gefahr, anzunehmen, dass nicht dieser Zahn gekennzeichnet wurde, sondern eben – nach FDI – der fünfte Zahn des ersten Quadranten. Dies trifft auf alle Zähne zu, die zweistellig (außer 10, 19, 20, 29 und 30) nach dem amerikanischen Schema bezeichnet wurden.

Siehe auch

Zahn

Literatur

  •  Klaus M. Lehmann: Einführung in die Zahnersatzkunde. Urban & Schwarzenberg, München, Wien, Baltimore 1979, S. 5f.

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