Meppen-Nödike – dunkelgrau

Der Wohnplatz von Meppen-Nödike ist nach dem geologischen Befund in die Jüngere Dryaszeit, also die späte Altsteinzeit, und damit in die Ahrensburger Kultur einzuordnen. Grundform- und Werkzeugspektrum sprechen ebenfalls dafür. Der Wohnplatz wurde 1975 beim Straßenbau im Ortsteil Nödike entdeckt.

Im Bereich einer Straßenböschung erbrachte die Fundbergung 422 Artefakte. Bei der im Jahre 1978 erfolgten Grabung wurden auf einer etwa 100 m² großen Fläche Teile eines Wohnplatzes aufgedeckt, auf dem weitere 343 Feuersteinartefakte geborgen wurden. Der in etwa 0,7 m Tiefe aufgeschlossene Fundhorizont liegt im Sand eines alten Dünengeländes und wird von einer ins Alleröd datierte Bodenbildung unterlagert. Von dem aus 765 Stücken Feuerstein bestehenden Inventar sind 2,4 % krakeliert, d. h. mit Rissbildungen versehen. Es enthält neben Abschlägen, Klingen und Trümmerstücken auch 26 Kerne, aber nur wenige Werkzeuge wie Kratzer und Stichel.

Bei der Rekonstruktion konnten 140 Artefakte (18,3 %) erstmals bei einem niedersächsischen Fundinventar wieder zu Ausgangseinheiten zusammengefügt werden. Ihre – und die Verteilung anderer Artefakte – auf der Wohnplatzfläche deuten auf Aktivitätszonen hin, durch die sich der bisher bekannte Platzausschnitt in zwei Bereiche aufteilen lässt. 1987/88 konnten abschließend weitere 320 m² untersucht werden, in denen mehr als 1000 Artefakte geborgen wurden. Die Fundstreuung umschließt eine kreisförmige, fundleere Zone von drei Metern Durchmesser. Eventuell verbirgt sich dahinter ein Zeltgrundriss.

Literatur

  • Hans-Jürgen Häßler (Hrsg.): Ur- und Frühgeschichte in Niedersachsen. Theiss, Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0495-0, S. 481

Koordinaten fehlen! Hilf mit.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.