Walter Otto


Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Althistoriker Walter Otto. Für den Klassischen Philologen siehe Walter F. Otto.

Walter Otto (* 30. Mai 1878 in Breslau; † 1. November 1941 in München) war ein deutscher Althistoriker.

Leben

Nach Schulbesuch in Breslau studierte Otto dort ab 1896 Alte Geschichte, Klassische Philologie und Orientalistik, unter anderem bei Ulrich Wilcken, Conrad Cichorius, Eduard Norden, Franz Skutsch, Friedrich Delitzsch und Heinrich Zimmern. Seit 1897 war er Mitglied des Corps Borussia Breslau.[1]

Er promovierte 1903 bei Wilcken über Die Organisation der griechischen Priesterschaft im hellenistischen Ägypten und studierte anschließend noch zwei Semester in Berlin bei Adolf Erman, Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, Hermann Diels und Eduard Meyer. Nach der Habilitation 1907 wiederum in Breslau (ebenfalls über Priester im hellenistischen Ägypten) wurde er noch im selben Jahr außerordentlicher Professor in Greifswald und erhielt dort 1909 eine ordentliche Professur. 1914 wechselte er auf einen Lehrstuhl nach Marburg, 1916 nach Breslau als Nachfolger von Conrad Cichorius. 1918 trat er in München die Nachfolge Ulrich Wilckens auf dem althistorischen Lehrstuhl an, den er bis zu seinem Tod am 1. November 1941 innehatte.

Neben dem Seminar für Alte Geschichte leitete Otto an der Münchener Universität auch die historische Abteilung des Instituts für Papyrusforschung und Antike Rechtsgeschichte und (zusammen mit Fritz Hommel) das 1923 begründete Seminar für Ägyptologie und Vorderasiatische Altertumskunde. Er wurde 1918 außerordentliches, 1920 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1930 ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts. Korrespondierendes Mitglied war er in den Akademien von Wien und Berlin sowie der British Academy.

Otto war politisch konservativ und von 1918 bis 1930 Mitglied der DNVP. Er trat der NSDAP nicht bei und hielt eine kritische Distanz zum Nationalsozialismus.

Leistungen

Der Schwerpunkt von Ottos Tätigkeit war, beginnend mit Dissertation und Habilitation, die Geschichte des Hellenismus (der nach seiner Ansicht auch die römische Kaiserzeit umfasste). In zahlreichen Studien untersuchte er vor allem das Ptolemäer- und das Seleukidenreich. Daneben beschäftigte er sich wiederholt auch mit der römischen Geschichte, vor allem aber der gesamten Geschichte des Altertums unter universalhistorischen Aspekten. Geplante grundlegende Darstellungen des griechischen Staatsrechts und der griechischen Geschichte blieben unvollendet.

Ab 1920 gab Otto das von Iwan von Müller begründete Handbuch der Altertumswissenschaft heraus, dessen thematischen Bereich er auf Byzantinistik und Archäologie ausdehnte.

Otto hatte in den 23 Jahren seines Wirkens in München zahlreiche Schüler, von denen Helmut Berve, der 1921 bei ihm promovierte und sich 1926 habilitierte, und Hermann Bengtson (Promotion 1935, Habilitation 1939) die bedeutendsten waren. Auch Franz Josef Strauß studierte bei Otto, konnte die vorgesehene Promotion über Pompeius Trogus aber aufgrund des Zweiten Weltkriegs nicht abschließen.

Schriften

  • Priester und Tempel im hellenistischen Ägypten. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Hellenismus. 2 Bände. Leipzig 1905–1907 (enthält Dissertation und Habilitationsschrift).
  • Herodes. Metzler, Stuttgart 1913.
  • Die deutsche Frage. Bundesstaat oder Einheitsstaat, Berlin 1921.
  • Kulturgeschichte des Altertums. Ein Überblick über neue Erscheinungen. Beck, München 1925.

Literatur

  • Leopold Wenger: In memoriam Walter Otto. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Romanistische Abteilung. Band 62 (1942), S. 469–471
  • Wolfgang Orth: Otto, Walter. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19. Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 714 f. (Digitalisat).
  • Jakob Seibert: Walter Otto. Professor in München 1.4.1918–1.11.1941. In: Jakob Seibert (Hrsg.): 100 Jahre Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München (1901–2001). Duncker und Humblot, Berlin 2002, ISBN 3-428-10875-2, S. 50–68.
  • Werner Buchholz (Hrsg.): Lexikon Greifswalder Hochschullehrer 1775 bis 2006. Band 3: Meinrad Welker: 1907 bis 1932. Bock, Bad Honnef 2004, ISBN 3-87066-931-4, S. 174–175.

Einzelnachweise

  1. Kösener Corpslisten 1960, 78, 667

Weblinks

 Wikisource: Walter Otto – Quellen und Volltexte

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