Vacallinehae


Weihestein für die Matronae Vacallinehae aus Weyer

Vacallinehae („Frauen der Vacallii”?[1]) oder Matronae Vacallinehae ist der Name einer Gruppe von Matronen (Muttergöttinnen), deren Votivsteine aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. stammen. Ein zentraler Kultort der Göttinnen befand sich beim sogenannten Tempelbezirk von Pesch bei Bad Münstereifel-Nöthen, Kreis Euskirchen. Die Vacallinehae sind gut belegte Matronen der rheinischen Fundregion mit 130 vollen und weiteren 150 fragmentarisch aufgefundenen Inschriften.

Die Göttinnen wurden von einer germanisch-keltischen Mischbevölkerung aus den Nachkommen der von den Römern angesiedelten Ubiern und keltischer Vorbevölkerungen verehrt. Daher ist die zweifelsfreie namentliche Zuordnung nach dem sprachlichen Befund weder für das Germanische noch das Keltische möglich. Eine wahrscheinliche Namensdeutung ergibt sich durch den Vergleich mit anderen Formen von Matronennamen, so dass auch hier ein Ortsbezug angenommen werden kann. Die im ersten Glied des Namen der „Vacall-i-nehae“ enthaltene Form Vacall- findet sich in heutigen aus dem lokalen und regionalen Umfeld vorkommenden Orts- und Gewässernamen, wie dem Fundort eines Votivsteins der Vacallinehae bei Walchendorf, des Walchenbachs bei Antweiler und dem keltischen Namen des Waals (zu gallisch Vacalus). Sie sind demnach als Matronen dieses Rheinarmes anzusehen, möglicherweise nicht nur als Göttinnen des befruchtenden Wassers, sondern ebenso als Schutzgöttinnen der Schifffahrt und somit im Weiteren des Reichtums und Handels. Eine Parallele zur Göttin Nehalennia ist damit gegeben.[2]

Namentliche Varianten sind die bisher in zehn Fällen festgestellte Volcallinehae sowie Vacallinebus (aus Aachen).[1]

Literatur

  • Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3.
  • Siegfried Gutenbrunner: Germanische Göttnamen der antiken Inschriften. Niemeyer, Halle/S. 1936.
  • Rudolf Simek: Lexikon der Germanischen Mythologie. Kröner, Stuttgart 2006. ISBN 3-520-36803-X

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Corinna Scheungraber: Keltische und germanische Matronennamen, Universität Wien: XXVII. Namenkundliches Symposium in Kals am Großglockner, 2012.
  2. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 521.

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