Guswen / CC BY 3.0

Tutsi


Die Tutsi sind eine in den ostafrikanischen Staaten Ruanda und Burundi sowie im östlichen Grenzgebiet der Demokratischen Republik Kongo lebende soziale Gruppe (Kaste), die infolge kolonialer Machtpolitik als Volksgruppe bzw. Stamm missverstanden wird.

In vorkolonialer Zeit gab es in Ruanda und Burundi ein Nebeneinander der sozialen Gruppen der Tutsi, Hutu und Twa. (Inwieweit es sich bei letzteren um ethnische Twa handelt, ist nach wie vor umstritten.) Die Unterscheidung zwischen Hutu und Tutsi wurde von den Kolonialmächten Deutschland und nach 1918 Großbritannien und Belgien verfestigt. Kriterium für die Aufteilung der Ruander war bei der 1934/35 vorgenommenen Volkszählung beispielsweise der Umfang des Rinderbesitzes. Hierbei war Tutsi, wer mehr als zehn Rinder besaß, und Hutu, wer weniger Rinder sein Eigen nannte. Diese Maßnahme ermöglichte es den Kolonialmächten, eine einheimische Elite zu bilden, die die verbliebene Bevölkerung (im Sinne der Kolonialherren) regieren konnte. Diese ethnologisch fragwürdige Teilung der Bevölkerung führte zu starken Konflikten zwischen der Minderheit der Tutsi und den zahlenmäßig überlegenen Hutu, die sich nach Abzug der Kolonialmächte schließlich in lange anhaltenden gewaltsamen Auseinandersetzungen und mehreren Massentötungen der jeweils anderen Gruppe entluden. Den international bekanntesten Fall stellt dabei der Völkermord in Ruanda aus dem Jahr 1994 dar.

Heute spielen die Tutsi die dominierende Rolle bei der Aufarbeitung des Völkermordes in den so genannten Gacaca-Gerichten.

Literatur

  • Nigel Eltringham: Accounting for Horror. Post-genocide debates in Rwanda. Pluto Press, London u. a. 2004, ISBN 0-7453-2001-5.
  • Karen Krüger: An ihren Fingern wollt ihr sie erkennen? In: FAZ, 15. April 2005.
  • Benjamin Sehene: Le Piège Ethnique. Éditions Dagorno, Paris 1999, ISBN 2-910019-54-3 (Die ethnische Falle).
  • Helmut Strizek: Geschenkte Kolonien. Ruanda und Burundi unter deutscher Herrschaft (= Schlaglichter der Kolonialgeschichte 4). Mit einem Essay über die Entwicklung bis zur Gegenwart. Links, Berlin 2006, ISBN 3-86153-390-1, (Rezension des Buches bei Deutschlandradio Kultur).

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