Turkmenen in Syrien


Die Syrischen Turkmenen (bzw. Turkomanen, türkisch Suriye Türkleri) machen etwa zwischen 100.000[1] und 200.000[2] Menschen in Syrien aus. Sie leben hauptsächlich in den Städten Aleppo, Damaskus, Hama, Homs und Latakia sowie im Gebiet al-Dschasira.[3] Viele sprechen inzwischen vorwiegend die Landessprache Arabisch, einige beherrschen auch noch das Türkische (Eigentlich ein Südaserbaidschanischer Dialekt).[4][5] Die vorherrschende Religion ist der sunnitische Islam.[6] Die heutigen Turkmenen sind die Reste der osmanisch-türkischen Bevölkerung, die nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches in Syrien verblieben sind.[7] Die Turkmenen des Iraks bilden eine nah verwandte Gruppe. Umgekehrt leben viele syrische Araber in der Türkei. Während des Syrischen Bürgerkrieges ab 2011 baten viele Turkomanen in Syrien die Türkei um Schutz und Hilfe.[8]

Geschichte

Seit dem 11. Jahrhundert wurde der Nahe Osten und auch Syrien vermehrt von türkischen Stämmen besiedelt. Vorher dienten schon Türken als Militärsoldaten den arabischen Kalifen und waren in Garnisonen in Syrien stationiert. Im 12. Jahrhundert gerieten der Irak und Syrien unter die Herrschaft der türkischen Zengiden, die nach dem Zusammenbruch des seldschukischen Reiches entstanden. Die Zengiden wurden von den Ayyubiden und diese von den Mamluken abgelöst.

Im Laufe der Expansion des Osmanischen Reiches wurde Syrien 1516 unter Sultan Selim I., der die Mamluken in der Schlacht von Marj Dabiq nahe Aleppo besiegte, Teil des Reiches. Während dieser osmanischen Herrschaft wurden weitere türkische Stämme hier angesiedelt. Gemäß der Siedlungspolitik besetzten die türkischen Siedler wichtige Punkte (Latakia, Aleppo, Homs, Hama) und sollten unter anderem den Pilgerweg nach Mekka beschützen. Nach dem Russisch-Osmanischen Krieg zwischen 1877 und 1878 und dem Verlust der Gebiete am Kaukasus, siedelten die Osmanen einen Teil der Kriegsflüchtlinge in Syrien unter anderem im Gebiet der Golanhöhen an. Als die Osmanen 1918 im Ersten Weltkrieg unterlagen, wurden ihre arabischen Provinzen vom Reich abgetrennt und Syrien erst französisches Mandatsgebiet und später ein unabhängiger Staat.

Die syrische Regierungen verfolgten gegen ihre ethnische Minderheiten eine Araberisierungspolitik, die unter anderem im Norden an der türkischen Grenze einen "Arabischen Gürtel" etablieren wollte. Turkmenen und Kurden in diesem Gebiet wurden umgesiedelt und sollten so von ihren Verwandten in der Türkei abgeschnitten werden. Ihre Besitzungen gingen auf arabische Siedler über. Neben dieser Politik wurden auch nicht-arabische Ortsnamen umbenannt.

Bevölkerungszahl

Noch während der Osmanenherrschaft lebten 1828 über 3 Millionen Türken in Syrien.[9] Allerdings nahm die Bevölkerung ab, als die Türken nach dem Ersten Weltkrieg begannen, in die Türkei auszuwandern. Verschiedene Quellen gehen von einer Bevölkerung von 100.000 bis 200.000 Menschen aus.[1][2] Türkische Quellen schätzen die Gemeinschaft auf zwischen 750.000 und 1.500.000 Mitglieder.[7] Türkische Medien gingen 2012 von 1,5 Millionen türkisch-sprachigen Turkmenen und 2 Millionen weiteren assimilierten Turkmenen aus.[10]

Galerie

Bekannte syrische Turkmenen

  • Yusuf al-Azma
  • Taqi al-Din Muhammad ibn Ma'ruf

Bibliografie

  • David Commins: Historical Dictionary of Syria (= Historical Dictionaries of Asia, Oceania, and the Middle East. Bd. 50). 2nd edition. Scarecrow Press, Lanham MD u. a. 2004, ISBN 0-8108-4934-8.
  • Alessandra Galié, Kerim Yildiz: Development in Syria. A Gender and Minority Perspective. Kurdish Human Rights Project, London 2005, ISBN 1-900175-88-6.
  • Kemal H. Karpat: Studies on Turkish Politics and Society. Selected Articles and Essays (= Social, Economic, and Political Studies of the Middle East and Asia. Bd. 94). Brill, Leiden u. a. 2004, ISBN 90-04-13322-4.
  • The Northern Frontiers of Turkey. In: The London Magazine. 3rd Series, Vol. 1, Nr. 2, May 1828, ZDB-ID 136178-8, S. 187−194.
  • Abdi Noyan Özkaya: Suriye Kürtleri: Siyasi Etkisizlik ve Suriye Devleti'nin Politikaları. In: Uluslararasi hukuk ve politika. UHP = Review of international Law and Politics. RILP. Bd. 2, Nr. 8, 2007, ISSN 1305-5208, S. 90–116, online (PDF; 766 KB), acc. 3. Oktober 2012.
  • Nawar Shora: The Arab-American Handbook. A Guide to the Arab, Arab-American & Muslim Worlds. Cune Press, Seattle WA 2009, ISBN 978-1-885942-47-0.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 David J. Phillips: "Peoples on the Move: Introducing Nomads of the World" William Carey Library, 2011, ISBN 978-0878083527 (488 Seiten), S. 301
  2. 2,0 2,1 Turkmen in joint battle 'for Syria democracy In: AFP. Abgerufen am 4. März 2013
  3. Commins 2004, 268.
  4. Galié & Yildiz 2005, 18.
  5. Karpat 2004, 436.
  6. Shora 2008, 236.
  7. 7,0 7,1 Özkaya 2007, 112.
  8. Dispossessed Turkomans in Syria wait for Turkey’s support
  9. Scott & Taylor 1828, 192.
  10. Syrian Turkmen

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