Tscherkessen


Hauptsiedlungsgebiete der Tscherkessen in Kaukasien. Die beiden westlichen Gebiete in Adygeja gelten in Russland als Titularnation der „Adygejer“, die die Westtscherkessische/Adygeische Schriftsprache verwenden. Die beiden östlichen Gebiete sind die Titularnation Kabardiner in der Teilrepublik Kabardino-Balkarien, die die Osttscherkessische/Kabardinische Schriftsprache verwenden und als historischen Sonderweg eigene Fürstentümer bildeten. Das mittlere Feld sind Beslenejer und einige Kabardiner in Karatschai-Tscherkessien, die die Kabardinische Schriftsprache verwenden, ohne historisch eigene Staatsbildung. Sie gelten in Russland als Titularnation „Tscherkessen“.

Die Tscherkessen sind ein kaukasisches Volk. Sie sind eines der namensgebenden Völker der Teilrepubliken im Staatsverband Russlands Adygeja, Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien. In Europa ist das Volk unter dem Namen „Tscherkessen“, auch Zirkassier, bekannt; sie selbst nennen sich „adyge“. Davon abgeleitet gibt es die Bezeichnung Adygejer.

Nach der russischen Volkszählung 2010 leben in Russland rund 719.000 Tscherkessen. Die große Mehrheit der Tscherkessen oder der Menschen tscherkessischer Herkunft lebt aber seit dem 19. Jahrhundert in der Diaspora in Staaten des Nahen Ostens und des Balkans, von denen einige in jüngerer Zeit auch in weitere Länder auswanderten. Die größte Gruppe bilden die Tscherkessen in der Türkei, gefolgt von Minderheiten in Syrien, Jordanien, im Irak und kleineren Gruppen in Ägypten, Libyen, Israel, dem Kosovo und Südserbien. Sie werden auf unter drei bis über vier Millionen Menschen geschätzt. Von ihnen spricht nur noch eine Minderheit tscherkessische Dialekte.

Namensherkunft

Die Herkunft der Fremdbezeichnung „Tscherkessen“ oder englisch „Circassians“ ist umstritten. Sie taucht im 13./14. Jahrhundert etwa zeitgleich in den Quellen als türkisch Çerkez, persisch ‏ چرکس‎ tscharkas und bei Kaufleuten aus Genua, die zu dieser Zeit durch die Genueser Kolonien im Schwarzmeergebiet Kontakte unterhielten, als italienisch Ci(a)rcassi oder lateinisch Ci(a)rcassiani auf, woraus sich fast alle Bezeichnungen der Tscherkessen in europäischen und orientalischen Sprachen entwickelten. Nach einer umstrittenen Hypothese geht sie vielleicht auf die vorherige Fremdbezeichnung kaschag, russisch kassog, kerket oder lateinisch Cercetae zurück, eventuell vermittelt von der ossetischen Sprache.[1]

Ebenso umstritten ist die Herkunft der Selbstbezeichnung „adyge“ und „adygei“. Eine ältere Etymologie aus dem 19. Jahrhundert, nach der sie sich von tscherkessisch „attéghéi“ ableiten soll, wobei „atté“ Gebirgsbewohner und „ghéi“ Meeresbewohner (Küstenbewohner) bedeutet[2], gilt heute vielen Forschern aufgrund der Lautstruktur des Tscherkessischen und seiner späten Überlieferung seit dem 19. Jahrhundert als fraglich.

Sprache

Die tscherkessischen Sprachen bestehen aus zwei verschriftlichten Sprachen, die manchmal auch als Dialekte bezeichnet werden, dem West-Tscherkessischen (Adygeisch) und Ost-Tscherkessischen (Kabardinisch). Man hegt die Vermutung, dass sich das Ost-Tscherkessische im 13. bis 14. Jahrhundert von der gemeinsamen tscherkessischen Sprache getrennt hat. Das West-Tscherkessische ist in der Autonomen Republik Adygeja die offizielle Sprache. Das Ost-Tscherkessische wiederum in Kabardino-Balkarien und in Karatschai-Tscherkessien. Da das Ost-Tscherkessische weniger konsonantische Laute als das West-Tscherkessisch besitzt, ist es für ost-tscherkessisch Sprechende schwieriger, das West-Tscherkessische zu verstehen, als umgekehrt. Nach ihrer Sprache befragt, geben alle die Antwort, Adygejisch zu sprechen. Daher erscheint es oft irreführend, die tscherkessische Sprache in Adygejisch und Kabardinisch zu unterteilen. Die Unterteilung in West-Tscherkessisch (Adygejisch) und Ost-Tscherkessisch (Kabardinisch) ist sinnvoller, jedoch nicht gebräuchlich, da sie bei den Tscherkessen selbst nicht so vorgenommen wird.

Gemeinsam mit der abchasischen, abasinischen und ubychischen Sprache gehören sie zur Adyge-abchasischen Sprachfamilie, die auch als (Nord-)Westkaukasische Sprachfamilie bezeichnet wird.

Die Tscherkessen besitzen keine eigene Schrift. Mit der Islamisierung war ihre Schriftsprache die Arabische Sprache. Anfang des 20. Jahrhunderts bediente man sich des lateinischen Alphabets zur Schreibung des Tscherkessischen. Seit 1937/38 wird das kyrillische Alphabet mit einigen Ergänzungen benutzt. Man bedient sich zweier verschiedener kyrillischer Alphabete: das des West-Tscherkessischen, welches hauptsächlich auf dem temirgojischen Dialekt aufgebaut ist, und das des Ost-Tscherkessischen, dem kabardinischen Dialekt.

Einer der zwölf Tscherkessenstämme (siehe unten), die Ubychen, sprachen die Ubychische Sprache, die nach Dokumentationen mehrerer Sprachwissenschaftler, u. a. Adolf Dirr und Georges Dumézil, weder mit dem abchasisch-abasinischen Zweig, noch mit dem tscherkessischen (kabardinisch-adygeischen) Zweig verständlich war und somit einen dritten Zweig der Nordwestkaukasischen Sprachfamilie bildete, wenn auch die Ubychen sich immer als Teilstamm der Tscherkessen sahen. Fast alle Ubychen emigrierten im 19. Jahrhundert ins Osmanische Reich, wo ihre Sprachkenntnisse verschwanden und die Sprache ausstarb. Dumézil forschte mit dem letzten Muttersprachler Tevfik Esenç. Es gibt inzwischen Versuche, die Sprache wieder zu etablieren.

Siedlungsgebiet

Tscherkessien im Jahr 1840 mit einigen Stämmen und Nachbarvölkern. Karte von James Stanislaus Bell.[3]

Das Siedlungsgebiet reichte einst bis ans Asowsche Meer und umfasste die Steppen des heutigen südlichen Russland. Durch Kriege und Völkerwanderungen wurden die Tscherkessen immer weiter nach Süden zurückgedrängt. Im 18. Jahrhundert bildete der Fluss Kuban die nördlichste Grenze ihres Siedlungsgebietes. Dieses erstreckte sich über die Ostküste des Schwarzen Meeres, den mittleren Kuban, den unteren Kuban, das Westufer des Terek-Flusses und den Großteil der Kabardei bis zur heutigen Stadt Mosdok in Nordossetien. Im 19. Jahrhundert, nach Ende der russisch-kaukasischen Kriege, wurden etwa 500.000 Nordkaukasier in das damalige Osmanische Reich zwangsumgesiedelt. Diese Ereignisse wurden durch das Parlament Georgiens einstimmig als Genozid eingestuft.[4] In das Gebiet der Tscherkessen wurden zumeist christliche russische Bauern aus dem Landesinneren des Russischen Reiches angesiedelt.[5]

Heute lebt die Mehrheit der Tscherkessen außerhalb des Kaukasus: in der Türkei etwa 2 Millionen[6], in Syrien ca. 100.000, in Jordanien 65.000, in Israel 4000 sowie in der EU 40.000 und in den USA 9000. Es gibt auch Tscherkessen im Kosovo (in der Stadt Obiliq) und in Südserbien. Die Assimilierung spielt eine bedeutende Rolle und entfernt die Tscherkessen mehrheitlich von ihrer eigenen Kultur. Die Folgen sind, dass die Kinder oft kein Tscherkessisch mehr sprechen.*[7]

Im Kaukasus ist eine Minderheit verblieben, die in drei autonomen Republiken lebt. In Adygeja waren von 440.000 Einwohnern bei der Volkszählung 2010 in Russland 107.048 Tscherkessen, die in Russland „Adygejer“ genannt werden, 25,2 % der Einwohner dieser Republik.[8] In der Autonomen Republik Karatschai-Tscherkessien sind von etwa 478.000 Einwohnern 56.466 Tscherkessen (11,9 %), die in Russland auch offiziell so genannt werden [9]. In der Autonomen Republik Kabardino-Balkarien sind von 860.000 Einwohnern etwa 490.453 Tscherkessen (57,2 %),[10] die in Russland offiziell als „Kabardiner“ bezeichnet werden. Weitere etwa 17.500 Tscherkessen leben als „Adygejer“ oder „Schapsugen“ in der Region Krasnodar, besonders in der Umgebung der Stadt Tuapse an der Schwarzmeerküste[11]. Bis auf Kabardino-Balkarien sind die Tscherkessen in ihrer heutigen Heimat Minderheiten. Natürlich entsprechen sie nicht dem vollständigen, ursprünglichen Siedlungsgebiet der Tscherkessen. Die verschiedene Namensgebung der jeweiligen Republiken erweckt oft den Anschein, dass es sich bei den begriffen Adygejer, Tscherkessen, Kabardiner und Schapsugen um verschiedene Völker handelt. Alle Begriffe bezeichnen im Grunde die Tscherkessen. Der Begriff „Tscherkessen“ wird häufig in Europa benutzt. Die Tscherkessen selbst nennen sich „Adyge“ und die Kabardiner und Schapsugen sind ein Stamm der Adyge und somit auch Tscherkessen oder Adygejer. In ganz Russland registrierte die Volkszählung 2010 124.835 „Adygejer“, 516.826 „Kabardiner“, 73.184 „Tscherkessen“ und 3882 „Schapsugen“,[12] also insgesamt 718.757 Tscherkessen.

Die zwölf tscherkessischen Stämme

Die Flagge der Tscherkessen, gleichzeitig Flagge der Republik Adygeja. Die 12 Sterne repräsentieren die 12 Stämme der Tscherkessen.
Heutige Hauptsiedlungsgebiete der tscherkessischen Stämme (grün) im westlichen Kaukasus.

Traditionell teilte sich die Gesellschaft der Tscherkessen in zwölf große alte Stämme, die verschiedene Dialekte oder Sprachformen sprechen:

  1. Abadzechen
  2. Beslenejer
  3. Bjjedughen
  4. Hatkuajer
  5. Kabardiner (meist in Kabardino-Balkarien)
  6. Makhoscher
  7. Mamkeyher
  8. Natkhuajer
  9. Temirgojer
  10. Schapsugen
  11. Ubychen und
  12. Yecerikhuajer

Die Zahl der Mitglieder schwankt zwischen wenigen Tausend (z. B. Hatkuajer) bis zu einer drei Viertel Million (Kabardiner, inklusive Diaspora), je nach Größe des früheren Siedlungsgebietes. Der Dialekt der Temirgojer wurde zur Grundlage der Adygejischen Schriftsprache, der Dialekt der Kabardiner zur Grundlage der Kabardinischen Schriftsprache. Andere Dialekte wurden nicht verschriftlicht.

Religion

Obwohl die Tscherkessen schon im 5. Jahrhundert von byzantinischen Missionaren zum Christentum bekehrt wurden, verehrten sie Naturgötter.

Die Tscherkessen pflegten einen respektvollen Umgang mit der Natur. In der Vergangenheit wurde kein Baum ohne den Beschluss des Ältestenrates (Chase) gefällt. Jede Familie oder Sippe hatte ihren speziellen Baum, bei dem man sich vor Versammlungen oder vor wichtigen Entscheidungen traf. Naturgötter waren z. B. Schible – Gott des Donners, Tlepsch – Gott des Feuers, Soserez – Gott des Wassers, Mezischa – Gott der Wälder. Zahlreiche weitere animistische und Stammesgottheiten wurden.[13]

Im 15. Jahrhundert wurden die kabardinischen Tscherkessen unter dem Einfluss der Krim-Tataren zum Islam bekehrt. Die Kabardiner verbreiteten ab dem 15. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert den Islam unter den tscherkessischen Stämmen und benachbarten Völkern, der christliche und animistische Kulte allmählich zurückdrängte.

Der schottische Gesandte James Stanislaus Bell, der sich 1837–1839 in Tscherkessien aufhielt, berichtet, dass damals die Bibel (auf Georgisch) und der Koran (auf Arabisch) gelesen wurde und auch alte Kulte verbreitet waren, wobei der Koran bevorzugt wurde.[14] Bis auf eine kleine Minderheit der kabardinischen Tscherkessen in der Umgebung der Stadt Mozdok, welche orthodoxe Christen sind, sind die meisten Tscherkessen sunnitische Muslime.


Lebensweise im 19. Jahrhundert

Soziale Ordnung und Kultur

„Vornehmer Tscherkesse in gewöhnlicher Kleidung“ (Mitte), „Gewappneter Tscherkesse“ (links) und „Tscherkessische Fürstentochter“, Bild 1808.

Bis ins 19. Jahrhundert hatten die meisten Tscherkessenstämme eine soziale Schichtung aus vier oder mehr Ständen, die eher untereinander heirateten.[15][16] Am stärksten ausgeprägt war diese Schichtung bei den Kabardinern im Osten, gefolgt von den nordwestlichen Stämmen am Kuban. Stämme im südwestlichen Hochgebirge – Ubychen, Abadzechen und Hatkuajer u. a. – kannten diese soziale Staffelung nicht[17] und wurden in russischen Quellen auch als „freie Tscherkessen“ bezeichnet.

  1. Fürsten (pschi) aus einigen dynastischen Geschlechtern, die oft an einer sternförmig gewölbten Mütze aus Samt zu erkennen waren.
  2. Ritter (work oder elsden), ein niederer Adel im Gefolge, der neben den Fürsten im Kriegsfall oft in Kettenrüstungen auftrat. Bei den Kabardinern war er noch unterteilt in eine höherstehende Gruppe tlakotle, die sich ihren Patron selbst suchen durften und der niederen Gruppe deschenugo, die auf einen Anführer festgelegt waren.
  3. Freie (zokol oder waguscheh), die große Mehrheit der Bevölkerung. Bei den Kabardinern tlofokotle, bei einigen westlichen Stämmen auch techokotle genannt. Sie unterteilten sich in verschiedene Clan-Gemeinschaften (dschamaat)
  4. Leibeigene (pschitli), selten persönlich abhängige Sklaven (asat), die kleinste Gruppe, entweder Gefangene oder gerichtlich verurteilte Tscherkessen.

Es war ungewöhnlich, dass die Tscherkessen trotz dieser mehrheitlich differenzierten Gesellschaft mit Ausnahme der Kabardiner nie Staaten mit einem Fürsten an der Spitze bildeten. Als Ursache gilt allgemein, dass die tscherkessische Tradition adyge chabse (siehe nächstes Kapitel) die Anhäufung von Besitz und die Zurschaustellung von Reichtum als Schande betrachtete, was die Konzentration von Macht in einzelnen Händen behinderte. Wichtige Entscheidungen wurden in Versammlungen (Chase) getroffen.

Datei:Tscher1.jpg
Tscherkessisches Wohnhaus, Bild 1810

Traditionelle tscherkessische Siedlungen unterschieden sich bis auf wenige Ausnahmen stark vom mittel- und ostkaukasischen Aul, bei dem die Häuser sehr dicht am Hang stehen. Typisch waren rechteckige Langhäuser aus Lehm mit Stroh gedeckt. Oft befanden sich ein Gästehaus, eine Scheune und weitere Wirtschaftsgebäude auf einem Hof, der zur Verteidigung von einer Mauer, meist aber nur von einem Flechtzaun umgeben war. Wehrtürme waren selten. Die Höfe standen in den Siedlungen oft weit auseinander, eine Tradition, die die Tscherkessen in der Diaspora wiederholten.[18] Bis ins 18. Jahrhundert existierten auch Siedlungen, deren Wohnhäuser zur Verteidigung ringförmig aneinander gebaut waren.[19]

Wie viele Bewohner des Kaukasus und auch anderer Hochgebirge lebten die Tscherkessen traditionell halbnomadisch in Transhumanz, d. h. ein Teil der Bevölkerung – eher junge Männer – zog im Winter mit den Viehherden auf Weiden am Rand des Gebirges. Im Gegenzug trieben die Tscherkessen des nördlichen steppenartigen Hügellandes und auch benachbarte Volksgruppen ihre Herden im Hochsommer auf die Gebirgsalm.

Kabardinisches Folklore-Ensemble Islamej

Die traditionelle Kleidung der Tscherkessen ähnelte im 16. bis 19. Jahrhundert zunehmend der Tracht anderer Bewohner Kaukasiens, die auch von den südrussischen Kosaken übernommen wurde. Männer trugen eine Tschocha (tscherkessisch: sai, russisch: tscherkesska), darunter ein Hemd, eine Papacha (tscherkessisch: Paʾo), oder die Filzmütze Beschmet (schʾharchon), weiche Lederstiefel (schasma) und einen silberbeschlagenen Gürtel (tidschhin bghiripch).[20] Bei Wind oder Regen wurde darüber die kaukasische Burka (dschako-schtschaque)[21] und der Baschlik[22] getragen. Zur Verteidigung diente ein Langdolch, eine Schaschka und die Gazyr oder Gasiren genannten[23] Schießpulverladungen im Brustbereich. Frauen trugen privat eine Bluse und eine Pluderhose zu denen öffentlich ein Kaftan-ähnlicher Leinenumhang kam[24] und je nach festlichem Anlass und Kälte noch eine bestickte Kappe, ein Tunica-ähnlicher Umhang[25] sowie weitere Gewänder, z. T. mit Goldapplikationen und Schmuck, dies aber nur zu festlichen Anlässen. Gesichtsschleier waren nicht üblich. Auffällig waren verzierte hohe Holzsandalen. Diese Tracht wird heute nur noch in entlegenen Regionen, von älteren Menschen oder zu Festen getragen und war, wie erwähnt, bei vielen Völkern Kaukasiens ähnlich.

Der traditionelle Tanz der Tscherkessen ist die Lesginka, die tscherkessisch islamej oder islamij (= islamischer) genannt wird. Er ist in ganz Kaukasien verbreitet und entgegen dem tscherkessischen Namen nicht nur bei muslimischen Völkern, sondern auch bei christlichen und jüdischen. Früher gab es auch Sänger (kikwakwa), die eher romantische und melancholische Gesänge vortrugen.[26]

Adyge Chabse (Tradition und Gewohnheitsrecht)

„Adyge Chabse“ (= Tscherkessische Tradition oder tscherkessisches Gewohnheitsrecht oder auch tscherkessische Kleidung) ist bei den Tscherkessen der Inbegriff ihrer Traditionen und Lebensweise. Es ist ein Ehrenkodex, der auf gegenseitiger Achtung und Respekt basiert und Verantwortung, Disziplin und Selbstbeherrschung voraussetzt. Es sind die Gesetze der Tscherkessen, die nie niedergeschrieben wurden, aber dennoch in der Vergangenheit ihr Alltagsleben regelten. Nach diesem Kodex und Konformitätsdruck wurden Kühnheit, Verlässlichkeit und Großzügigkeit als Eigenschaften eines Ritters betrachtet, Habgier, Drang nach angehäuftem Besitz, Reichtum und Prahlerei jedoch als Schande („Haynape“).

Tscherkessische Frau in Nationaltracht 1855
Tscherkessen, Gemälde von Theodor Horschelt, 19. Jahrhundert

Diesem ritterlichen Ideal stand ein Frauenideal gegenüber: großer und schlanker Wuchs und eine zurückhaltende Art, sich zu geben und zu reden. Ein großer, schlanker Wuchs sollte bei den Mädchen durch ein eng anliegendes Lederkorsett, welches das Brustwachstum hemmen sollte, erreicht werden.[27] Das Wachsen der Brust wurde aber als Zeichen des Erwachsenwerdens akzeptiert.

Die Gastfreundschaft war und ist bei den Tscherkessen besonders ausgeprägt. Ein Gast war nicht nur ein Gast der Familie, sondern immer ein Gast der ganzen Ortschaft und der Sippe. Selbst Feinden gegenüber wurde diese Gastfreundschaft weiterhin als eine Pflicht angesehen. Wenn ein Feind das Haus betrat, wurde auch er respektvoll behandelt und bedient. Der Kaukasiologe Adolf Dirr schrieb: „Der Gast ist wie ein Sklave des Gastgebers“. Damit versuchte er zu erklären, dass auch der Gast die Vorschriften der „Chabse“ zu befolgen hat, z. B. durfte der Gast nicht ohne die Erlaubnis seines Gastgebers der „Gast“ einer anderen Familie werden.

Jeder Tscherkesse erhebt sich, sobald jemand den Raum betritt, bietet diesem einen Platz an und redet nur, wenn er dazu aufgefordert wird. Die Anwesenheit von Älteren und Frauen verlangt Rücksicht und Respekt. In Gegenwart von Frauen werden Streitigkeiten unterbunden, bricht eine Frau in eine derartige Situation herein, wird der Streit sofort beendet. Auf Wunsch einer Frau versöhnen sich sogar die zerstrittenen Parteien.

Grundstein der tscherkessischen Gesellschaft ist die Eigenschaft eines „Thamades“. Nach allgemeinem Verständnis und Gebrauch werden die „Älteren“ als „Thamade“ bezeichnet, dies ist jedoch zu ungenau. Ein „Thamade“ ist auch derjenige, der, unabhängig von seinem Alter, innerhalb einer Hochzeitsgesellschaft oder einer anderen Veranstaltung die Verantwortung übernimmt. Voraussetzung ist jedoch, dass dieser Person die Regeln der „Chabse“ bekannt sind. Oft, aber nicht immer ist es ein Ältester. Er übernimmt auch die Leitung einer Festtafel und spricht die Trinksprüche aus. Auch in der georgischen Küche wird die Festtafel von einem Tamada geleitet.

Die „Adyge Chabse“ hatte eine kulturformende, allgegenwärtige Prägekraft. Dieser ritterliche Geist soll auch die benachbarten Völker fasziniert haben, so dass auch diese einen Ehrenkodex ähnlich dem tscherkessischen „Chabse“ entwickelten. Vom krimischen Hof bis zu georgischen Königen wurde die „Chabse“ als adeliges Ideal wertgeschätzt. Ihre Kinder sandten sie als Schüler zu tscherkessischen Honoratioren, damit auch sie anhand des tscherkessischen Ehren- und Pflichtenkodex erzogen würden.

Sicherlich ist die tscherkessische Lebensweise nie von allen Tscherkessen praktiziert worden. Die Gesellschaft versucht dennoch, ihre Sitten und Traditionen am Leben zu erhalten und zu leben. Ihre ethnische und kulturelle Identität führt die tscherkessische (adygeische) Gesellschaft auf die „Adyge Chabse“ zurück.[28]

Einige weitere Elemente des Adyge Chabse sind u. a.[29]:

  • Haynape (= Schande): Alle unerwünschten Handlungen, neben der erwähnten Anhäufung von Besitztümern, z. B. auch Ältere zu unterbrechen oder nicht aufzustehen, wenn andere den Raum betreten.
  • Kaschen oder psetluk: eine eher idealisierte Beziehung zwischen Männern und Frauen, die manchmal mit der mittelalterlichen Minne verglichen wird.
  • Semercho: Umgang und Flirt zwischen unverheirateten Männern und Frauen.
  • Eine Tradition des regelmäßigen Verschenkens der eigenen Besitztümer, die in der Ethnologie als Potlatch-System bezeichnet wird.
  • Istanbulako (= Weg nach Istanbul; auch Jistanbulakue): Mehrstimmige Klagegesänge, die an die Flucht ins Osmanische Reich 1864 erinnern und besonders in der Diaspora die Erinnerung erhielten.[30] Die Melodien stammen aus der älteren tscherkessischen Sängertradition.
  • Wie viele alte Gewohnheitsrechte, regelte auch das Adyge Chabse in der Vergangenheit im Fall kriegerischer Konflikte die Frage der Verhandlungen um Entschädigung, oder welche Vergeltungen möglich waren und welche zu weit gingen.[31]
  • Im gesamten Nordkaukasus war bis ins 20. Jahrhundert auch der Brautraub häufig. Wie in den Angaben zu Semercho angedeutet, kannten sich die beiden aber meist schon vorher.

In der Gegenwart sind die Tscherkessen, vor allem die, die in der Diaspora leben, vom Verlust ihrer Kultur bedroht. Dabei spielt die Assimilierung eine bedeutende Rolle, deren negative Folge sicherlich vor allem die zumeist fehlenden tscherkessischen Sprachkenntnisse der Kinder sind.

Geschichte

Frühe Sprachgeschichte

Die frühe Geschichte der Nordwestkaukasischen Sprachen in der Region ist schwer rekonstruierbar, weil sie lange Zeit keine verschriftlichten Sprachen waren und erst ab dem 17. Jahrhundert (Abchasisch, erste Versuche einer Niederschrift in den Reiseberichten von Evliya Çelebi) bzw. ab dem 18./19. Jahrhundert (Tscherkessisch, Abasinisch und Ubychisch) niedergeschrieben und erforscht wurden. Wissenschaftler sind deshalb auf Hypothesen durch den Vergleich sprachhistorischer Rekonstruktionen mit archäologischen Forschungsergebnissen und den Angaben über Stammesverbände im westlichen Kaukasus in historischen Quellen angewiesen. Die meisten Kaukasiologen gehen seit den 1960er Jahren davon aus, dass die Nordwestkaukasischen Sprachen neben den Nordostkaukasischen Sprachen und den Südkaukasischen Sprachen zu den autochthonen Sprachfamilien gehören, die seit mindestens 5000 Jahren in Kaukasien gesprochen werden und nicht, wie man bis ins 20. Jahrhundert annahm, aus dem Süden eingewandert sind.[32]

Einige Autoren vertreten ältere Hypothesen, die viele Kaukasiologen heute kritisch sehen oder ablehnen. Schon die frühesten Wissenschaftler in der Region stellten sehr weitreichende Hypothesen auf. So leiteten Marschall von Bieberstein, Adelung[33], Pallas und Reineggs[34] die Tscherkessen von den bei Strabo[35] und Pomponius Mela erwähnten Cercetae ab, Thurmann von den Siraken[36] und Howorth von den Chasaren[37], wobei die beiden letzten Hypothesen heute abgelehnt werden. Es ist zu beachten, dass der Prozess der Ethnogenese nie so geradlinig verläuft, wie man es sich noch im 19. Jahrhundert vorstellte. Im Verlauf der Jahrtausende wurden immer wieder verschiedene anderssprachige Gruppen assimiliert. Das gilt auch für das zerklüftete Gebiet des Großen Kaukasus, in dem sich sehr viele Sprachen sehr lange erhalten haben. Die Veränderungen waren hier nur seltener und langsamer, als unter den mobilen Reiter-Nomaden der nördlich angrenzenden Steppe.

Eine ältere Hypothese verweist auf Ähnlichkeiten zwischen den Nordwestkaukasischen Sprachen und der Hattischen Sprache, der ältesten Schriftsprache Anatoliens überhaupt (bis ca. 1500 v. Chr.), und sehen eine Verwandtschaft, die tscherkessische und abchasische Nationalverbände z. T. bis heute vertreten. Darauf und auf einigen ähnlichen Stammesnamen aufbauend vertraten einige ältere Kaukasiologen (zuletzt u. a. Igor Diakonow) die Hypothese, die Anwesenheit Nordwestkaukasischer Sprachen sei auf eine Einwanderung von Hattiern in den westlichen Kaukasus zurückzuführen. Sie wird auch heute noch von einigen abchasischen Historikern und Sprachwissenschaftlern (Wladislaw Ardsinba, Wjatscheslaw Chirikba[38] und Stanislaw Lakoba) und einigen tscherkessischen (u. a. Kadir I. Natho und Amjad M. Jaimoukha) vertreten. Dem halten führende Kaukasiologen einige Gegenargumente entgegen: 1. lässt sich diese Einwanderung aus dem Süden nicht archäologisch nachweisen. 2. ist der zeitliche Abstand von über 3000 Jahren viel zu groß, um gesicherte sprachliche Verwandtschaften feststellen zu können. 3. ist das System der grammatischen Einschübe, Vorsilben und Nachsilben im Hattischen noch zu schlecht erforscht. 4. verweisen viele rekonstruierte nordwestkaukasische Grundworte auf einen Siedlungsraum im Hochgebirge und am Meer, also etwa der Region der heutigen Verbreitung dieser Sprachen.[39] Es bleiben also weitere Forschungen abzuwarten, ob die Nordwestkaukasischen Sprachen und Hattisch überhaupt verwandt sind und ob es eine Einwanderung in den westlichen Kaukasus gab.

Eine weitere früher eher anerkannte und heute wieder umstrittene Frage ist die Hypothese der sprachlichen und kulturellen Verbindungen der Bewohner des Westkaukasus zu den Bewohnern der nördlicheren Steppen am Schwarzen Meer von etwa 4000 v. Chr. bis 300 n.Chr. Die Kulturen im Westkaukasus dieser Zeit (Maikop-Kultur, Novotitorovka-Kultur, Koban-Kultur und ab 700 v.Chr. namentlich bekannte Stammesverbände, vgl. nächstes Karitel) zeigen in diesem Zeitraum archäologisch starke Ähnlichkeiten zu denen in den Schwarzmeersteppen. Diese westliche Steppenregion war nach Meinung vieler Indogermanisten eventuell ab 5000 v.Chr. Sprachgebiet früher Formen der Indogermanischen Sprachen [40]. Glaubte man noch bis Anfang 20. Jahrhundert, dass damals auch im Westkaukasus indogermanische Sprachen gesprochen wurden, wird diese These heute allgemein verworfen und man geht davon aus, dass schon damals nordwestkaukasische Sprachen in der Region vorherrschten und es lediglich Kontakte mit den nördlichen Nachbarn gab.[41] Einige Sprachwissenschaftler versuchten, diese Kontakte auch durch eine Gruppe von Lehnworten aus frühen indogermanischen Sprachen in den nordwestkaukasischen Sprachen nachzuweisen.[42] Auch diese Hypothese wurde von den Indogermanisten Wilhelm Eilers und Manfred Mayrhofer methodisch kritisiert, weil der große Zeitabstand ohne sprachhistorische Rekonstruktionen keine sicheren Aussagen zulässt.[43] Die Hypothese der Kontakte mit und eventuellen Aufnahme indogermanischen Gruppen in nordwestkaukasische bleibt also, wie auch die Hypothese der Zuwanderung der nordwestkaukasischen Sprachen aus dem Süden „hochspekulativ“ (James Patrick Mallory)[44], beide werden aber auch von einigen Autoren vertreten[45] und die Klärung bleibt zukünftigen Forschungen überlassen.

Frühe Geschichte bis ins 14. Jahrhundert

Ein typisch kaukasisches Dolmen.

Im Neolithikum (Jungsteinzeit) existierte in West- und Nordwestkaukasien eine kaukasische Ausprägung der sogenannten Dolmen-oder Megalithkultur, die sich in dieser Region durch eine charakteristische geschlossene Bauweise des Dolmen mit Deckplatte und Lochöffnung auszeichnet, wie sie heute noch oft in der Region erhalten sind. Kaukasische Dolmen waren im Gegensatz zu anderen oft auch mit Steinmetzarbeiten verziert. Archäologisch konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden, ob es sich um Grabmäler, Altäre oder andere religiöse Kultstätten handelte.

Maikop-Kultur.

In der Bronzezeit entstand in Nordwestkaukasien die sogenannte „Maikop-Kultur“ (ca. 3700-2500 v.Chr., benannt nach dem ältesten Fundplatz in Maikop), die bereits eine starke soziale Hierarchie mit reich ausgestatteten Fürsten-Grabhügeln entwickelte. Wie erwähnt, vermuten die meisten Forscher heute, dass bereits die Maikop-Leute zumindest teilweise frühe nordwestkaukasische Sprachen gesprochen haben könnten, obwohl ihre Kultur große Ähnlichkeit zu nördlicheren Kulturen, besonders der Jamnaja-Kultur hatte. In der Maikop-Kultur wurden die ersten Reste von Rädern, Wagen und auch die ältesten Wagengräber gefunden, weshalb einige Forscher hier die Erfindung des Rades vermuten. Zeitlich überlappte sich mit ihr die ebenfalls kaukasische, etwas nördlichere Nowotitarowskja-Kultur-Kultur (3300-2700 v.Chr., zwischen Asowschem und Kaspischem Meer, nach dem ältesten Fundort Nowotitarowskaja), die der Maikop-Kultur stark ähnelte, aber eine andere Keramik und mehr Wagengräber aufwies.

In der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends bis zur Mitte 2. Jahrtausends v.Chr. folgte diesen beiden Kulturen die Nordkaukasische Kultur, die materiell etwas einfacher, als die beiden Vorgängerinnen und die Nachfolgerin war.

Metallschmuck aus einem Grabmal der Koban-Kultur.

Ihr folgte etwas später (ca. 1200-400 v.Chr.) die spätbronzezeitlich-eisenzeitliche Koban-Kultur, die trotz Kontakten nach Norden und Süden auch eine gewisse Eigenständigkeit mit großen, planmäßig angelegten Siedlungen mit rechteckigem Straßennetz und schwarzer Keramik zeigte. Die Koban-Kultur war wie die banachbarte westgeorgische Kolchis-Kultur ein überregionales Zentrum des Metallabbaus, der Metallverarbeitung und des Metallexports, besonders von Eisen, Kupfer, Zink, Zinn, Gold und Silber.

Statue eines Kriegers der Sindi.

In der historischer Zeit werden in der Region des nordwestlichen Kaukasusvorlandes in antiken Quellen die Stammesverbände der Maioten und Siraken erwähnt. Der erste Beschreiber Strabon erwähnt mehrere Teilstämme des Stammesverbandes der Maioten[46], von denen der Teilstamm der Sindi im Land Sindika, das der heutigen Taman-Halbinsel in jüngeren Quellen noch häufig erwähnt werden. Die Kultur der Sindi stand unter starkem griechischen Einfluss. Während ältere und westliche Forschung oft bis heute davon ausgeht, dass es sich bei diesen sesshaften Stammesverbänden der Maioten und Siraken um Untergruppen der eigentlich nomadischen, iranischsprachigen Sarmaten handelte, halten es seit den 1960er/70er Jahren einige sowjetische bzw. russische Forscher aufgrund von Orts-und Flurnamen für möglich, dass sie westkaukasischsprachig waren.

Unzweifelhaft historische Vorläufer der Tscherkessen waren die bereits erwähnten Cercetae (Kaschag(en), Kerket(en), Kassog(en)) nördlich des westlichen Kaukasus von der Taman-Halbinsel bis ins Gebiet des oberen Kuban, auf deren Name, wie erwähnt, vielleicht der Name der Tscherkessen zurückgeht, und der Stammesverband der Zichi (Zygii, deutsch auch: Sichen) südlich des westlichen Kaukasus, etwa zwischen dem heutigen Sotschi und Gelendschik.

Geschichte seit dem 14. Jahrhundert

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Ein tscherkessischer Kämpfer

Seit 1557 versuchte Russland, den Kaukasus zu erobern, was erst im Jahr 1864 gelang. Der intensive und blutige Eroberungskrieg der Russen gegen den erbitterten Widerstand der kaukasischen Völker begann ungefähr 1763. Im Jahr 1839 vereinigten sich die kaukasischen Völker unter Imam Schamil und erschwerten so den Russen die Eroberung. Imam Schamil wurde 1859 von den russischen Truppen gefangengenommen, was den tschetschenisch-dagestanischen Widerstand brach. Der Nordostkaukasus war somit unter russischer Kontrolle. Nun konnte die russische Armee ihre vereinigten Kräfte auf die im Nordwestkaukasus beheimateten Tscherkessen (einschließlich Abchasen) richten. Der 21. Mai 1864 gilt offiziell als Ende der russisch-kaukasische Kriege, das Datum, bis zu dem auch die Tscherkessen und Abchasen bezwungen werden konnten. Nach dem Krieg wurden die Tscherkessen aus ihrer Heimat vertrieben. Etwa 500.000 bis 1.000.000 Tscherkessen und Abchasen wurden über das Schwarze Meer ins Osmanische Reich zwangsverschifft. Dabei kamen nach Schätzungen über 100.000 Vertriebene um.

Literatur

Tscherkessen. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 15, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 883.

  • Abdurrakhman Avtorkhanov, Marie Bennigsen Broxup (Hrsg.): The North Caucasus barrier: the Russian advance towards the Muslim world. London 1992.
  • James Stanislaus Bell: Tagebuch seines Aufenthalts in Circassien während der Jahre 1837, 1838 und 1839. Pforzheim 1841.
  • Amjad M. Jaimoukha: The Circassians: A Handbook. New York, London 2001.
  • Austin Jersild: Orientalism and Empire. North Caucasus Mountain Peoples and the Georgian Frontier 1845-1917. London 2003.
  • Charles King: The Ghost of Freedom: A History of the Caucasus. Oxford 2008.
  • Theophil Lapinski: Die Bergvölker des Kaukasus und ihr Freiheitskampf gegen die Russen. Hamburg 1863.
  • Monika Höhlig: Kontaktbedingter Sprachwandel in der adygeischen Umgangssprache im Kaukasus und in der Türkei. LINCOM Europa, München 1997. ISBN 3-89586-083-2
  • Beatrice Manz: ČARKAS in: Encyclopædia Iranica.
  • Kadir I. Natho: Circassian History. New York 2009.
  • Carl Friedrich Neumann: Russland und die Tscherkessen. Stuttgart, Tübingen 1840.
  • Batıray Özbek: Die tscherkessischen Nartensagen. Heidelberg 1982.
  • Barbara Pietzonka: Ethnisch-territoriale Konflikte in Kaukasien; Baden Baden 1995
  • Walter Richmond: The Northwest Caucasus: Past, Present, Future. New York, London 2008.
  • Emanuel Sarkisyanz: Geschichte der orientalischen Völker Rußlands bis 1917. München 1961.
  • Bagrat Schinkuba: Im Zeichen des Halbmondes. Berlin 1981.

Weblinks

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Diaspora

Einzelnachweise

  1. Vgl. z. B. den Artikel in der Encyclopaedia Iranica, 2. und 3. Absatz, mit weiteren Verweisen.
  2. So vertreten z. B. in Louis Loewe A Dictionary of the Circassian Language. London 1854, S. 5.
  3. Einen besseren Überblick über die Verbreitung der tscherkessischen, ubychischen, abchasischen, sads-abchasischen und abasinischen Dialekte Mitte des 19. Jahrhunderts bietet diese Karte der an der Russischen Akademie der Wissenschaften arbeitenden Wissenschaftler Timur Maisak und Juri Korjakow (ohne östliche Kabardiner).
  4. http://www.parliament.ge/index.php?lang_id=ENG&sec_id=63&info_id=31806
  5. Andreas Kappeler: Russland als Vielvölkerreich. Entstehung Geschichte Zerfall, C. H. Beck, Berlin, 1993, S. 153.
  6. Ülkü Bilgin: Azınlık hakları ve Türkiye. Kitap Yayınevi, Istanbul 2007; S. 85. ISBN 9756051809 (Türkisch)
  7. Hans-Joachim Hoppe: Die Tscherkessen – ein unbekanntes Volk erwacht, Eurasisches Magazin, Ausgabe 10–11, 2. Oktober 2011.
  8. Ergebnisse der Volkszählung Russlands 2010, Excel-Tabelle 7, Zeile 330.
  9. Ergebnisse der Volkszählung Russlands 2010, Excel-Tabelle 7, Zeile 491.
  10. Ergebnisse der Volkszählung Russlands 2010, Excel-Tabelle 7, Zeile 471.
  11. Ergebnisse der Volkszählung Russlands 2010, Excel-Tabelle 7, Zeilen 464 (13.834 „Adygejer“) und Zeile 470 (3839 „Schapsugen“).
  12. Excel-Tabelle 5, Zeilen 29 (Adygejer); 79 (Kabardiner); 185 (Tscherkessen) und 194 (Schapsugen).
  13. Genauere Beschreibung z. B. bei Kadir I. Natho, S. 112–120, auf Basis mehrerer russischer und tscherkessischer Forscher.
  14. Bell englische Originalausgabe Band 1, S. 177 und Band 2, S. 110–145
  15. Vgl. Sarkisyanz, S. 99–107.
  16. Wolfdieter Bihl: Die Kaukasuspolitik der Mittelmächte. Band 1: Ihre Basis in der Orient-Politik und ihre Aktionen 1914–1917. Wien/Köln/Graz 1975, S. 30–31.
  17. Vgl. z. B. Chantal Lemercier-Quelquejay: Cooptation of the Elites of Kabarda and Daghestan in the sixteenth century. In: Abdurrahman Avtorkhanov, Marie Bennigsen Broxup u. a. (Hrsg.): The North Caucasus barrier: the Russian advance towards the Muslim world. London 1992, online, S. 25–26 (Kabardiner) und S. 27–28 (westliche Tscherkessen und nichttscherkessische Abasinen)
  18. Ayhan Kaya-Aufsatz 6. Kapitel, 4. Absatz
  19. Vgl. Kadir I. Natho, S. 94
  20. Vgl. Kadir I. Natho, S. 89
  21. Männerkleidung Nordkaukasiens 18. bis erste Hälfte des 19. Jahrhunderts (russisch) aus der Zeitschrift Nauka (= Wissenschaft) 1989
  22. Männerkopfbedeckungen der Völker Kaukasiens 18. bis erste Hälfte des 19. Jahrhunderts (russisch) aus Nauka 1989
  23. Der russ. Name gazyr stammt aus Turksprachen Kaukasiens und bedeutet „bereit“, türkisch z. B. „hazır“
  24. Frauenkleidung des 18.–19. Jh. (russisch) aus Nauka 1989.
  25. Schulterkleider Nordkauksiens des 18.–19. Jh. (russisch) aus Nauka 1989.
  26. Vgl. z. B. den Artikel aus Meyers Konversationslexikon mit Nachweis.
  27. Mädchenkorsette des 18. bis zur zweiten Hälfte des 19. Jh. (russisch) aus Nauka 1989.
  28. Die bisherigen Ausführungen des Kapitels beruhen auf dieser Darstellung von Irfan Genel
  29. Vgl. z. B. Kaya oder Jaimoukha
  30. Beschreibung bei Circassianworld mit Hörbeispielen, Beispiel bei Youtube
  31. Vgl. z .B. Richmond S. 26–28
  32. Georgij A. Klimov: Einführung in die Kaukasische Sprachwissenschaft. Hamburg 1994, S. 15–23. (unter Auswertung zahlreicher Autoren)
  33. Johann-Christoph Adelung, Mithridates, oder, Allgemeine Sprachenkunde mit den Vater Unser als Sprachprobe in bey nahe fünfhundert Sprachen und Mundarten. Berlin, Voss 1806, 441; Christoph von Rommel, Caucasiarum regionum et gentium Straboniana descriptio, Leipzig, Siegfried Lebrecht, S. 68
  34. Allgemeine historisch-topographische Beschreibung des Kaukasus, Gotha/St. Petersburg, 1796–1797
  35. Strabo, Geographica XI, 2, 1
  36. Johann-Christoph Adelung, Mithridates, oder, Allgemeine Sprachenkunde mit den Vater Unser als Sprachprobe in bey nahe fünfhundert Sprachen und Mundarten. Berlin, Voss 1806, 441
  37. H. H. Howorth, On the Westerly Drifting of Nomades from the Fifth to the Nineteenth Century. Part IV, The Circassians and White Khazars. Journal of the Ethnological Society of London 1869–1870/2, 182–192
  38. Z. B. der Artikel "Abkhazian Origins" in George B. Hewitt: The Abkhazians: A Handbook. Richmond 1998, S. 23 ff. Die dort vertretene Behauptung, ohne andere Ansichten zu erwähnen, die Sprecher der Nordwestkaukasischen Sprachen wären die "Urbevölkerung" von Anatolien bis Westgeorgien hat auch nationale Hintergründe, weil sie die Abchasen zur ältesten Bevölkerung Westgeorgiens machen soll, mit älteren Rechten an dem Land, als die Georgier. Ardsinba, Chirikba und S. Lakoba wurden führende Politiker der separatistischen Regierung Abchasiens.
  39. Georgij A. Klimov Einführung in die kaukasische Sprachwissenschaft. Hamburg 1994, S. 83. Klimov schreibt dort nach der Übersetzung von Jost Gippert: "... u. ä. als Erbwörter erschließen lassen, kann das Verbreitungsgebiet der westkaukasischen Grundsprache mit großer Wahrscheinlichkeit lokalisiert werden; es dürfte weitgehend mit dem heutigen Siedlungsgebiet der westkaukasischen Stämme im Kaukasus am Nordostufer des Schwarzen Meeres identisch gewesen sein, nicht jedoch mit den Niederungen der Kolchis." (also nicht mit Westgeorgien).
  40. Vgl. Artikel Kurgan-Hypothese, Anatolien-Hypothese und Armenien-Hypothese von Tamas Gamqrelidse und Wjatscheslaw Iwanow
  41. Z. B. der Indogermanist und Archäologe J. P. Mallory formuliert in seinem Werk In Search of the Indo-Europeans S. 233 die Kulturen im Westkaukasus seien "precisely in regions which later demonstrate the presence of non-Indo-European populations."
  42. Vgl. z. B. Georgij A. Klimov Einführung in die kaukasische Sprachwissenschaft. Hamburg 1994, S. 87
  43. Vgl. z. B. Roland Bielmeier: Sprachkontakte nördlich und südlich des Kaukasus in: Roland Bielmeier, Reinhard Stempel (Hrsg.) Indogermanica et Caucasica: Festschrift für Karl Horst Schmidt zum 65. Geburtstag Berlin, New York 1994, S. 427–446, besonders S. 429.
  44. Im Artikel „Maykop Culture“ in der Encyclopedia of Indo-European Culture formuliert Mallory "Such a theory, it must be emphasized, is highly speculative and controversial although there is a recognition that this culture may be a product of at least two traditions: the local steppe tradition embraced in the Novosvobodna culture and foreign elements from south of the Caucasus which can be charted through imports in both regions."
  45. Z. B. Kadir I. Natho S. 28–58 oder Jaimoukha.
  46. Strabo Geographika XI (englische Übersetzung)

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