Titus von Lanz


Titus Lanz, seit 1918 Ritter von Lanz (* 4. Januar 1897 in Passau; † 4. Februar 1967) war ein deutscher Anatom.

Leben

Lanz war der Sohn eines bayerischen Offiziers. Aufgewachsen in Ingolstadt und München verließ er 1916 das dortige Maximilians-Gymnasium, um als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teilzunehmen. Trotz einer erfolgversprechenden militärischen Laufbahn während des Krieges – unter anderem wurde Lanz mit dem Militär-Max-Joseph-Orden ausgezeichnet und damit verbunden in den persönlichen Adelsstand erhoben – entschied er sich nach Kriegsende, nicht Soldat zu bleiben, sondern Arzt zu werden.

Sein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München schloss er 1922 mit Staatsexamen und Promotion ab. Es folgten zwei Jahre als Assistent bei Hermann Stieve in Halle. Bereits 1926 habilitierte er sich mit einer Schrift über Bau und Funktion des Nebenhodens, wiederum in München; 1931 wurde er dort zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Aufgrund seiner Ehe mit einer Jüdin wurde er von den nationalsozialistischen Machthabern im Oktober 1938 aus dem Hochschuldienst entlassen, erhielt aber auf Vermittlung von Ferdinand Sauerbruch einen Forschungsauftrag des Reichsforschungsamtes.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde von Lanz im Dezember 1945 wieder als Professor an die Münchner Universität berufen, im Juni 1947 Ordinarius und Direktor des dortigen Anatomischen Instituts, das er über die Altersgrenze hinaus bis zu seinem Tod Anfang 1967 leitete.

Mit seiner ersten Ehefrau hatte von Lanz fünf Kinder; nach ihrem Tod 1948 heiratete er erneut. Sein jüngster Sohn Ulrich Lanz wurde ebenfalls Arzt.

Bedeutung

Titus von Lanz leistete Beiträge zu Bau und Funktion der männlichen Keimdrüsen und zur Form der Rückenmarkhäute. Besondere Bedeutung erlangte jedoch sein mit Werner Wachsmuth begonnenes Werk „Praktische Anatomie, Lehr- und Hilfsbuch der anatomischen Grundlagen ärztlichen Handelns“. Neuartig an der Darstellung der Anatomie durch von Lanz und Wachsmuth war die konsequente Orientierung an der praktischen Anwendung durch den Arzt; besonders der 1935 erschienene, den menschlichen Arm behandelnde dritte Band erregte auch international Aufsehen. Das Werk war auch 1967, als von Lanz starb, nicht vollendet und wurde von anderen Bearbeitern fortgeführt; es erschien zum vorläufig letzten Mal im Jahr 2004.

Literatur

  •  Dieter Buck-Gramcko: Ein Leben für die Handchirurgie: 100 Lebensbilder. Steinkopff, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-7985-1776-9. Text im Netz
  •  Herbert Lippert: Titus W.-H. Ritter von Lanz, 1897–1967. In: Acta Anatomica. 84, 1973, S. 465–474. PDF-Dokument

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

21.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Million...
11.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge...
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...