Thomas Ashby


Thomas Ashby (* 14. Oktober 1874 in Staines, England; † 15. Mai 1931 in London) war ein britischer Klassischer Archäologe. Von 1906 bis 1925 war er Direktor der British School at Rome, nachdem er bereits von 1903 bis 1906 deren Zweiter Direktor gewesen war.

Leben

Ashby war das einzige Kind von Thomas Ashby und seiner Frau Rosa Emma. Sein Vater gehörte zu einer bekannten Familie von Quäkern, die eine Brauerei in Staines betrieb. 1887 bis 1893 hatte er ein Stipendium am Winchester College, wo er den Spitznamen Titus bekam, den er nie wieder loswerden sollte. Anschließend studierte er mit einem Stipendium am Christ Church College in Oxford. Erste akademische Grade erwarb er sich 1895 in classical moderations und 1897 in literae humaniores. Bereits 1890 war die Familie nach Rom umgezogen, wo der sechzehnjährige Ashby den Archäologen Rodolfo Lanciani kennenlernte. Nach 1897 konzentrierte er sich in seinen Studien ganz auf die römische Antike und erlangte 1905 seinen Doctor of Letters.

Bereits 1902 schrieb er sich als erster Student an der 1901 gegründeten British School at Rome ein und wurde noch im gleichen Jahr Mitglied der Society of Antiquaries of London. Von 1903 bis 1906 war Ashby zunächst Zweiter Direktor der British School, von 1906 bis 1925 deren Erster Direktor. In seiner Amtszeit weitete er die Forschungen des Instituts auf das gesamte westliche Mittelmeer aus. 1915 bezog die British School unter seiner Leitung die Villa Giulia als neues Domizil. Während des Ersten Weltkriegs diente Ashby dem britischen Roten Kreuz als Übersetzer, die Amtsgeschäfte während dieser Zeit führte seine Stellvertreterin Eugénie Strong. 1918 kehrte er als Erziehungsoffizier nach Rom zurück, übernahm aber erst 1919 wieder die Führung der British School. 1921 heiratet er Caroline May. 1924 beschloss die Führung der British School, Ashbys Vertrag im darauf folgenden Jahr auslaufen zu lassen. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt trieb Ashby seine römischen Forschungen zu Ende und kehrte 1930 nach England zurück. Am 15. Mai 1931 starb er an den Folgen eines Krebsleidens.

Forschung

Da es ausländischen Forschern nach 1910 nicht gestattet war, Ausgrabungen in Italien durchzuführen, war Ashby gezwungen, sich topographischen Studien zu widmen. Diese Studien konzentrierten sich zunächst auf das römische Straßensystem, bevor er sich den stadtrömischen Aquädukten zuwandte. Ashby entwickelte sich zu einem Spezialisten für die Topographie der Stadt Rom und bezog in seine Arbeiten sowohl antike als auch neuzeitliche Quellen ein, wie etwa die Architekturzeichnungen Antonio Labaccos aus dem 16. Jahrhundert, Eufrosino della Volpaias Karten der Campagna von 1547 oder die topographischen Studien des Étienne du Pérac und die Antiquae statuae urbis Romae von Giovanni Battista de'Cavalieri.

In seiner Heimat beteiligte sich Ashby an der archäologischen Untersuchung von Caerwent, einer römischen Stadt im heutigen Wales. Von 1901 bis 1907 und von 1909 bis 1911 publizierte er regelmäßig die Ergebnisse dieser Forschungen.

Mitgliedschaften

Ashby war seit 1913 Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts, seit 1914 der Pontificia Accademia Romana di Archeologia, seit 1918 auswärtiges Mitglied der Reale Accademia dei Lincei, seit 1922 Ehrenmitglied des Royal Institute of British Architects und der Reale Accademia di San Luca ab 1925. 1927 wurde er Mitglied der British Academy.

Werke

  • Topographical Study in Rome in 1581. London 1916.
  • The Roman Campagna in classical times. 1. Auflage 1927. Neuauflage 1970. Italienische Ausgabe 1982.
  • William J. Anderson und Richard Phene Spiers: The Architecture of Ancient Rome - An Account Of Its Historic Development. Von Thomas Ashby revidierte und neugeschriebene Auflage, Rom 1927 (Erstauflage London 1902).
  • Scrittori contemporanei di cose romane. Rom 1929.
  • Samuel Ball Platner: A Topographical Dictionary of Ancient Rome. Von Thomas Ashby vervollständigt und überarbeitet. Oxford University Press, London 1929.
  • The aqueducts of ancient Rome. Postum herausgegeben von Ian Richmond, 1935.

Literatur

  • A. H. Smith: Thomas Ashby, 1874–1931. In: Proceedings of the British Academy. Band 17, 1931, S. 513-541.
  • James C. Anderson: The Thomas Ashby Collection of Roman brick stamps in the American Academy in Rome. British School at Rome, 1991, ISBN 9780904152180.
  • Richard Hodges: Visions of Rome: Thomas Ashby, archaeologist. British School at Rome, London 2000.
  • S. L. Dyson: in Dictionary of British Classicists 1, Bristol 2004, S. 28-31

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

21.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Million...
11.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge...
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...