Koordinaten: 40° 28′ 52,6″ N, 8° 58′ 22,6″ O

Karte: Italien
marker
Sos Furrighesos
Magnify-clip.png
Italien

Die von der kupfersteinzeitlichen Bonnanaro-Kultur (3000–2300 v. Chr.) angelegte Felskammernekropole Sos Furrighesos mit 20 Domus de Janas liegt (schwer zugänglich) in der Provinz Sassari auf Sardinien.

Der abgelegene Ort liegt an der Grenze der Gemarkungen von Anela und Bono, befindet sich etwa 8 Kilometer (Luftlinie) entfernt, auf der Rückseite des Bergrückens, der sich westlich dieser Dörfer bis auf 1035 m Meereshöhe auftürmt. Nahe einem abgelegenen Gehöft befindet sich die Nekropole in einer bis zu 20 m hohen Felswand. Ihre Besonderheit sind die architektonischen Fronten (Reliefs) und Felszeichnungen in sieben der Anlagen. Sechs weitere zeigen Spuren einer roten Ausmalung.

Zugang zum Tal der Domus de Janas
Sos Furrighesos

Die meisten Anlagen haben einen T-förmigen Grundriss mit einem kurzen Vorraum, quer liegender Hauptkammer (bis zu 4 × 1,5 m Größe) und seitliche Nebenkammern mit niedrigen Podesten, die wohl der Aufbahrung der Skelette dienten. Die Anlagen 2, 6, 8, 9 und 11 sind besonders eindrucksvoll.

Die Verzierungen bestehen aus roter Bemalung, Lisenen, Schälchen (cupitles), Sockelleisten, falschen Türen und stilisierten ausladenden „Stierhörnern“. Grab 9, das durch eine Portalstele gekennzeichnet ist, wie sie für den älteren Typ der Gigantengräber typisch ist, wird im Volksmund Königsgrab („Sa tumba de su Re“) genannt. Das phallische Relief ist 4,4 m hoch, kräftig herausgearbeitet und wurde nachträglich aus der Wand vor dem wesentlich älteren Grab dem Fels gehauen. In den Löchern an der Oberkante, stecken noch die Stümpfe dreier kleiner abgebrochener Baitylos. Eine ähnliche Anordnung findet sich bei einer der Anlagen von Sa Figu bei Ittiri, wo die Löcher der drei Baityloi in einem separaten Felsblock gehauen wurden, der oberhalb der Felskammer liegt und eine der Portalstele vergleichbare abgerundete Form besitzt.

Sondierungen im Jahre 1973 ergaben Keramikreste, die auf eine Nutzung durch die vorgeschichtlichen Kulturen Sardiniens von der Ozieri-Kultur über die Kulturen von Abealzu-Filigosa bis zur Bonnanaro-Kultur verweisen.

Literatur

  • L. Rampazzi u. a.: Characterisation of wall paintings in the Sos Furrighesos necropolis (Anela, Italy). In: Journal of Cultural Heritage 3, 2002, ISSN 1296-2074, S. 237–240.
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit (= Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. Bd. 36). Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3, S. 213.
  • R. Whitehouse: The Rock-Cut Tombs of the Central Mediterranean. In: Antiquity 46, 1972, ISSN 0003-598X, S. 275–281.

Weblinks

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.