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Samos


Dieser Artikel behandelt die griechische Insel Samos. Für weitere Bedeutungen siehe Samos (Begriffsklärung).
Gemeinde Samos
Δήμος Σάμου
Samos (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Nördliche Ägäis
Regionalbezirk: Samos
Geographische Koordinaten: 37° 44′ N, 26° 49′ O37.72777777777826.823055555556Koordinaten: 37° 44′ N, 26° 49′ O
Fläche: 477,62 km²
Einwohner: 34.000 ([1])
Bevölkerungsdichte: 71,2 Ew./km²
Sitz: Samos
LAU-1-Code-Nr.: f11
Gemeindebezirke: 4 Gemeindebezirke
Ortschaften: 35 Ortschaften
Lage in der Region Nördliche Ägäis
Datei:2011 Dimos Samou.png
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Die griechische Insel Samos (griechisch Σάμος (f. sg), türk. Sisam) liegt in der östlichen Ägäis und ist der ionischen Küste Kleinasiens vorgelagert. Sie bildet seit 2011 gleichzeitig die Gemeinde Samos (Δήμος Σάμου) und den Regionalbezirk Samos (gr. Periferiaki Enotita Samou Περιφερειακή Ενότητα Σάμου) in der Region Nördliche Ägäis. Die Insel hat etwa 34.000 Einwohner.[2]

Verwaltungssitz ist die gleichnamige Stadt Samos, früher auch Kato Vathy (Κάτω Βαθύ) oder Limin Vatheos (Λιμήν Βαθέος) genannt.

Geographie

Die Insel Samos liegt in der Ostägäis und ist der kleinasiatischen Küste vorgelagert. Im Südosten trennt die etwa 6 Kilometer lange und an der schmalsten Stelle nur 1,7 Kilometer breite Meerenge von Mykali (Στενό τής Μυκάλης, auch Meerenge von Samos, Στενό Σάμου; türkisch Dar Bogaz; antike Bezeichnung Epta stadia, Επτά στάδια) die Insel vom türkischen Festland. Gemeinsam mit Ikaria bildet Samos den nördlichen Abschluss der Südlichen Sporaden. Die kürzeste Verbindung zur Hauptinsel der Fourni-Inselgruppe beträgt von der Südwestküste weniger als 7 Kilometer. Ikaria liegt 19 Kilometer westlich, Chios 67 Kilometer nordwestlich, die Dodekanes-Inseln Agathonisi 19 Kilometer südlich und Patmos 35 Kilometer südwestlich.

Mit einer Fläche von 477,942 km²[3] ist Samos die achtgrößte Insel Griechenlands. Vom Kap Katavasi (Ακρωτήρι Κατάβαση) im Westen bis zum Kap Gatos (Ακρωτήρι Γάτος) im Osten erreicht Samos seine maximale Länge von über 44,3 Kilometern. Die Breite beträgt in der Inselmitte zwischen dem Kavos Avlakia (Κάβος Αυλάκια) im Norden und dem Kavos Samiopoulas (Κάβος Σαμιοπούλας) an der Südküste 19 Kilometer und weniger als 5 Kilometer im Inselosten.

Das Relief der Insel ist zu über 60 % hügelig bis bergig mit Höhen zwischen 150–900 Metern. Der Gebirgsanteil mit Höhen über 900 Meter beträgt mehr als vier Prozent, dabei dominieren die beiden Massive des Kerkis (Κέρκης) und des Ambelos-Gebirges (Άμπελος). Flachland und Ebenen bis 150 Meter Höhe nehmen mit fast 160 km² nahezu ein Drittel der Inselfläche ein.[4]

Das Kerkis-Massiv erhebt sich im Westen steil aus dem Meer und erreicht mit der Vigla (Βίγλα) eine Höhe von 1434 Metern.[5][6] Die Ausläufer des zentral gelegenen Ambelos-Gebirges (Άμπελος), mit dem 1153 Meter hohen Karvounis (Καρβούνης) als höchstem Berg reichen im Norden und Süden bis zur Küste.[5][6] Im äußersten Osten steigt das Bergmassiv des Thios auf 453 Meter an.

Im Nordwesten liegt zwischen Kerkis-Massiv und Ambelos-Gebirge die Ebene von Karlovasi. An die südöstlichen Ausläufer des Ambelos-Gebirges grenzt die weiteste Ebene der Insel, die Ebene von Chora (Κάμπος Χώρας, Kambos Choras) an, weiter östlich folgt die Ebene von Mesokambos. Die Vlamari Hochebene (Βλαμάρη) liegt östlich von Vathy.

Obwohl der Küstenverlauf nur schwach gegliedert ist, verfügt die Insel über einige geschützte Häfen. Auf der Südseite liegen zwei große offene Buchten, der Golf von Marathokambos (Κόλπος του Μαραθόκαμπου) im Südwesten und im Südosten der Golf von Pythagorio (Κόλπος του Πυθαγορείου) auch Bucht von Tigani (Όρμος Τηγάνι). Im Nordosten bildet der etwa 5 km tief eingeschnittene und 1 km breite Golf von Vathy (Kolpos Vatheos Κόλπος Βαθέος, auch Golf von Samos) einen der größten Naturhäfen der Ägäis.

Im Nordosten sind der Küste einige unbewohnte Inseln vorgelagert. Die bewohnte Insel Samiopoula liegt vor der Südküste.

Klima

Das Klima von Samos ist gekennzeichnet von milden, regenreichen Wintern und warmen, trockenen Sommern. Es wird dem Csa-Klima zugeordnet.[7] Der kontinentale Einfluss des kleinasiatischen Festlandes zeigt sich an höheren Niederschlagsmengen sowie kalten Winden im Winter. In Verbindung mit einer Luftfeuchtigkeit von 65 % können dann Frosttage auftreten. Durch die langsame Erwärmung von Januar bis März sowie höhere sommerliche Durchschnittstemperaturen gegenüber dem kleinasiatischen Festland ist der ozeanische Charakter der Insel zu erkennen.

Die Jahresdurchschnittstemperatur auf Samos liegt bei 19,3 °C.[8] Die sommerliche Durchschnittstemperatur beträgt 25,8 °C im Juli, die Durchschnittstemperatur im Januar liegt bei 10,8 °C. Im Juli und August können die Tageshöchsttemperaturen mehr als 40 °C erreichen. Allerdings verursacht besonders in den Küstengebieten die Meeresbrise einen signifikanten Abfall der Temperatur. Im Zeitraum von 1955 bis 1997 lag bei der Wetterstation am Flughafen die absolute Höchsttemperatur bei 41 °C, die absolute Tiefsttemperatur bei −3,4 °C.[9]

Aufgrund der hohen Berge und der Nähe zum kleinasiatischen Festland ist die Niederschlagsmenge von Samos und der Nachbarinsel Ikaria im Vergleich zu anderen Ägäisinseln hoch, sie ist mit der Niederschlagsmenge Westgriechenlands vergleichbar. Die Niederschlagsverteilung ist regional und saisonal unterschiedlich. Während im Zeitraum von 1955 bis 1997 die Wetterstation beim Flughafen auf der regenärmeren Südseite 709 mm verzeichnete, erreichten sie von 1987 bis 1992 bei der Wetterstation Ydroussa auf 210 Meter Höhe im Inselnorden 917 mm. In höheren Lagen sind Werte über 1000 mm zu erwarten.[10] Die jahreszeitliche Niederschlagsverteilung ist klimatypisch. Die Niederschläge konzentrieren sich auf die nass-kalte Jahreszeit, mit durchschnittlich 169 mm im Dezember als Spitzenwert. Während der letzten Jahre ist eine deutliche Abnahme der winterlichen Niederschlagsmenge zu verzeichnen.[11] Der Sommer ist von einer fünfeinhalb bis sechsmonatigen Trockenenperiode geprägt, das durchschnittliche Niederschlagsminimum beträgt 0,4 mm im August.[12] Die seltenen Schneefälle beschränken sich auf maximal zwei Tage pro Jahr.

Auf Samos herrschen nördliche Winde vor. Der Meltemi weht in den Monaten Juli und August konstant aus nördlichen Richtungen. Die Winde im November und Dezember können durchaus Sturmcharakter erreichen.

Samos zählt zu den sonnenreichsten Gebieten Griechenlands, die jährliche Sonnenscheindauer beträgt 2884,8 Stunden.[13]


Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Samos
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 13,4 13,2 15,6 19,5 24,6 29,7 32,5 32,2 28,6 23,3 17,8 14,9 Ø 22,2
Min. Temperatur (°C) 6,9 6,5 7,9 10,5 14,3 18,6 22,2 22,1 18,8 15,0 10,7 8,5 Ø 13,5
Niederschlag (mm) 133,1 104,7 87,9 43,2 19,5 1,8 0,5 0,7 16,9 32,8 103,9 164,0 Σ 709
Regentage (d) 12,4 10,4 8,6 7,4 4,0 1,1 0,2 0,1 1,4 4,6 9,3 13,7 Σ 73,2
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
13,4
6,9
13,2
6,5
15,6
7,9
19,5
10,5
24,6
14,3
29,7
18,6
32,5
22,2
32,2
22,1
28,6
18,8
23,3
15,0
17,8
10,7
14,9
8,5
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
133,1
104,7
87,9
43,2
19,5
1,8
0,5
0,7
16,9
32,8
103,9
164,0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Verwaltungsgliederung

Verwaltungsgliederung von Samos

Mit der Umsetzung der Gemeindereform nach dem Kapodistrias-Programm im Jahr 1997 war die Insel Samos in vier Gemeinden mit insgesamt 35 Gemeindebezirken untergliedert. Zum 1. Januar 2011 führt das Kallikratis-Programm die ehemaligen Gemeinden der Insel zur neu geschaffenen Gemeinde Samos (Dimos Samou Δήμος Σάμου) zusammen, Verwaltungssitz ist die Stadt Samos. Die bisherigen Gemeinden bilden Gemeindebezirke.

Gemeindebezirke griechischer Name LAU Sitz Fläche km² Einwohner 2001 Einwohner 2010 Ortschaften Postleit-
zahl
Telefon-
vorwahl
Vathy (Samos) Δημοτική Ενότητα Βαθέος (Σάμου) 840100 Samos 125,15 12.384 12.525 Samos, Agios Konstandinos, Ambelos, Vathy, Vourliotes, Kokkari, Manolates, Paleokastro, Stavrinides 831 00 22730–2 oder 7
Karlovasi Δημοτική Ενότητα Καρλοβασίων 840400 Karlovasi 100,33 09.645 09.645 Karlovasi, Agii Theodori, Drakei, Kastania, Kondeika, Kondakeika, Kosmadei, Leka, Platanos, Ydroussa 832 00 22730–3
Marathokambos Δημοτική Ενότητα Μαραθοκάμπου 840500 Marathokambos 087,25 02.837 02.841 Marathokambos, Kallithea, Koumeika, Neochori, Skoureika 831 02 22730–3
Pythagorio Δημοτική Ενότητα Πυθαγορείου 840600 Pythagorio 164,66 09.003 09.645 Pythagorio, Koumaradei, Mavratzei, Mesogio, Myli, Mytilinii, Pagondas, Pandroso, Pyrgos, Spatharei, Chora 831 03 22730–6 bis 9

Geschichte

Anfänge

Wie archäologische Ausgrabungen belegen erfolgte die Besiedelung von Samos mindestens ab dem Spätneolithikum. Der Fundort von Kastro Tigani bei Pythagorio wird ins 4. Jahrtausend v. Chr. datiert. Von den ersten Siedlern wurden die fruchtbaren Küstenebenen im Südosten bevorzugt. Die frühbronzezeitliche Siedlung Heraion befand sich an der Südküste am Golf von Pythagorio. Diese Siedlung lag auf einem flachen Hügel zwischen zwei Flussarmen am Unterlauf Imvrasos. Mit einer Gesamtfläche von etwa 3,5 Hektar zählt sie zu den größten bekannten Siedlungen in der Ostägäis. Ab etwa 2600  v. Chr. können sechs Architekturphasen nachgewiesen werden. Bereits in der ältesten Siedlungsphase ist eine Befestigungsmauer mit Bastion nachgewiesen. Heraion II wurde durch ein Erdbeben und Heraion IV durch eine Brandkatastrophe zerstört. [14]

Antike

Einzige noch stehende Säule des Heratempels

In der Antike war Samos ein wichtiges Handelszentrum und für die Schifffahrt von großer Bedeutung. Sie wurde mit Beinamen wie Anthemis, die „Blühende“; Pitioussa, die „Pinieninsel“; Dryoussa, die „Eicheninsel“, Kyparissia, die „Zypresseninsel“; Phillas, die „Laubreiche“ sowie Parthenia, die „Jungfräuliche“ und Parthenoaroussa bezeichnet. Die Insel war außerdem für ihre rote, glänzende Keramik berühmt, die die Römer in ihren so genannten „Samischen Tonwaren“ (Terra Sigillata) nachahmten. Besonders mächtig war die Insel unter Polykrates (532–522 v. Chr.), der dort eine bedeutende Seeherrschaft gründete, schließlich aber vom persischen Satrapen Oroites durch trügerische Versprechungen nach Kleinasien gelockt und hingerichtet wurde. Sein Bruder Syloson unterjochte später die Insel mit persischer Hilfe und beherrschte sie nach grausamer Verwüstung als persischer Satrap. Der Baumeister Mandrokles, der – wie Herodot berichtet – für den persischen Großkönig Dareios I. eine Schiffsbrücke über den Bosporus baute und damit seinem Heer 493 v. Chr. den Weg nach Griechenland öffnete, stammte von Samos.

479 v. Chr. wurde die Insel nach der Schlacht von Mykale von der persischen Herrschaft frei und im gleichen Jahr Mitglied des 1. Attischen Seebundes als nicht steuerzahlendes Glied. Der Aufstand der Inselbewohner im Jahr 440 v. Chr. wurde von Perikles niedergeschlagen, Samos wurde wieder zu einem Vasallen Athens.

Während des Peloponnesischen Krieges (431–404 v. Chr.) stand Samos auf der Seite Athens gegen Sparta und stellte seinen Hafen der athenischen Flotte zur Verfügung. In den späteren Kriegsjahren erhielt Samos deshalb seine Privilegien zurück. Samos fiel im Jahr 387 v. Chr. erneut an Persien, wurde jedoch 366 v. Chr. von Athen zurückerobert.

365 v. Chr. eroberte der attische Feldherr Timotheos nach zehn Monaten Belagerung die Hauptstadt, vertrieb die gesamte Bevölkerung und besetzte die Insel mit attischen Kleruchen, welche hier, wie Inschriften zeigen, ein eigenes Gemeinwesen mit besonderen Beamten bildeten.

Erst nach dem Tod Alexanders des Großen wurde die Insel durch Perdikkas den Samiern zurückgegeben (322 v. Chr.).

Später gehörte sie zeitweilig zu Ägypten, kämpfte mit Antiochos dem Großen und Mithridates gegen Rom und wurde 84 v. Chr. mit der römischen Provinz Asien vereinigt.

Byzantinische Zeit

Samos war dann Teil des Römischen Reiches, später des Oströmischen Reiches. 1304-29 und 1346–1475 war sie genuesische Kolonie, bis sie an das Osmanische Reich fiel. Unter osmanischer Herrschaft wurde die Insel türkisch Sisam adası genannt.

Osmanische Herrschaft

Nach dem Fall von Konstantinopel konnte Genua keine Sicherheit mehr bieten. Ständige Piratenüberfälle und der Druck des Osmanischen Reiches veranlassten Genua, viele Kolonien und Niederlassungen im Schwarzen Meer und in der Ägäis, darunter Samos, 1475 aufzugeben. Daraufhin verließen fast alle Bewohner die Insel und siedelten sich in der genuesischen Kolonie Chios, teilweise auch in Kleinasien an. Mit der Abwanderung ging zeitgleich die Ausbreitung der Pest einher. Die Insel war nahezu unbewohnt und fiel vermutlich 1479 endgültig unter osmanische Herrschaft. Die wenigen Zurückgebliebenen lebten versteckt in den Bergen und waren wahrscheinlich gegenüber dem Osmanischen Reich tributpflichtig.

Mitte des 16. Jahrhunderts konnten Stabilität und bessere Lebensumstände gewährt werden. Nachdem mehrere Versuche einer Wiederbesiedelung erfolglos geblieben waren, steuerte der Sultan die Besiedlungspolitik in eine neue Richtung. So wurden dem Verwalter der Insel, Admiral Kilic Ali Pascha lebenslang sämtliche Steuereinnahmen zugesichert. Innerhalb des Osmanischen Reiches wurde Samos autonom verwaltet, staatsrechtlich war es suzerän. An der Wiederbesiedlung von Samos waren Nachfahren der nach Chios ausgewanderten Samioten, sogenannte Chiosamii (Χιοσάμιοι) maßgeblich beteiligt. Den Siedlern wurde im Gegenzug Landbesitz und Steuerfreiheit für sieben Jahre gewährt und der Insel anschließend eine reduzierte Gesamtsteuer auferlegt. Dieses System funktionierte mit zwei Unterbrechungen bis zur Revolution von 1821. Infolge des Russisch-Türkischen Krieges kam die Insel von 1771 bis 1774 zu Russland. 1807 bis 1812 führte ein Wechsel durch fortschrittliche Kräfte (Carmagnoles auch Karmanioles) für kurze Zeit zu Änderungen in der Verwaltung, der Steuer- und Wirtschaftspolitik.

Aus der Morphologie der Insel und der Lage der verstreut liegenden Siedlungen hat sich die Aufteilung der Insel in vier Gemeindebezirke bis heute erhalten.

Als Ergebnis des Russisch-Türkischen Krieges konnten im Friedensvertrag von Küçük Kaynarca vorteilhafte Bedingungen für die Seefahrt und den Handel erreicht werden. Kaufleuten aus Samos war es möglich, die Hauptprodukte Olivenöl und Wein zuerst in den Häfen von Smyrna und Konstantinopel, später auch in Russland und Ägypten und zum Ende des 18. Jahrhunderts auch in Europa, vorwiegend in Frankreich, zu handeln. Durch die Kontakte mit den europäischen Häfen griffen Kaufleute die fortschrittlichen Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution auf und verbreiteten sie. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert orientierten sich die am Meer entstandenen Siedlungen am Handel und den Möglichkeiten, die die Lage am Meer bot. Eine dieser Siedlungen war der Hafen von Samos (Limin Vatheos, Λιμήν Βαθέος), wo sich hauptsächlich Kaufleute von den ionischen Inseln niederließen. Schiffseigner und Kaufleute waren auch am Warenaustausch mit einheimischen Händlern und Landwirten interessiert, was aber vom bestehenden System unterdrückt wurde. Durch den Kontakt mit den Kaufleuten formierte sich eine Gruppe, sogenannte Carmagnoles, die fortschrittliche Ideen unterstützte und das bestehende System bekämpfte. Sie vertraten die Ideale von freien und gebildeten Menschen, die sich in einer demokratischen Gesellschaft verwirklichen können. Gegenspieler waren konservative Kräfte, sogenannte Kallikantzari, die am bestehenden System festhielten und mit der türkischen Administration der Insel zusammenarbeiteten. Der intensive Konflikt zwischen Carmagnoles und Kallikantzari in den sozialen und politischen Auseinandersetzungen dauerte viele Jahre und endete mit dem Sieg der Carmagnoles, die von 1807 bis 1812 das bestehende System umgestalteten. Eine demokratische Versammlung entschied über politische Belange. Die politischen Ziele waren Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit, Solidarität und Volksherrschaft, ihr Führer war Georgios Logothetis. Die Carmagnoles wurden 1812 entmachtet, Logothetis verfolgt. In der Revolution von 1821 übernahm er wieder eine führende Rolle auf der Insel.

Griechische Revolution

Flagge des Fürstentums Samos

Im griechischen Freiheitskampf ab 1821 errangen die Griechen hier unter Kanaris einen bedeutenden Seesieg über die Türken (1824). Nach dem Londoner Protokoll von 1829 wurde Samos 1830 den Türken zurückgegeben und am 11. Dezember 1832 zur Hauptstadt eines tributpflichtigen Fürstentums gemacht. Die Insel gehörte ab 1832 in relativer Unabhängigkeit zum türkischen Vilajet Dschesair. Die Verwaltung wurde der Insel übertragen. Sie war jedoch an die Zahlung von Zöllen an die Türkei gebunden.

20. Jahrhundert

Samos wurde am 11. August 1904 von einem schweren Erdbeben mit der Stärke von 6,2 auf der Richter-Skala erschüttert: das Erdbeben kostete vier Menschenleben und zerstörte 540 Häuser auf der Insel.[15]

1908 rebellierten die Bewohner Samos. Bei der Bekämpfung der Aufständischen wurde der türkische Kreuzer Hamidiye eingesetzt. Fürst Andreas Kopasis, der eine anti-griechische Haltung hatte, wurde am 22. Mai 1912 ermordet. Sein Nachfolger war der pro-griechische Gregory Vegleris. Im Mai 1912 zogen sich die türkischen Truppen von der Insel zurück, als der Krieg gegen Italien ausbrach. Unter Themistoklis Sophoulis rebellierten die Griechen erneut und Vegleris musste fliehen. Am 11. November 1912 erfolgte die Proklamation des Anschlusses von Samos an das Königreich Griechenland. Als Ergebnis der Balkankriege wurde Samos 1913 Teil von Griechenland. 1925 wurde kurz über eine Unabhängigkeit der Insel nachgedacht.

Die Insel wurde im Zweiten Weltkrieg durch italienische Truppen besetzt. Am 30. August 1943 wurden in Kastania 27 griechische Widerstandskämpfer (Andartes) hingerichtet. Samos wurde im September 1943 durch englische Truppen besetzt. Die Städte Samos / Vathy und Pythagorio wurden im Verlauf der Schlacht um die Ägäis am 17. November 1943 durch deutsche Fliegerstaffeln bombardiert und am 21. November 1943 wurde die Insel kampflos von deutschen Truppen besetzt. Sie blieben dort bis zur deutschen Kapitulation im Mai 1945.

Wirtschaft

Landwirtschaftliche Erzeugnisse bilden nach wie vor die bedeutendste wirtschaftliche Grundlage. Zu den exportfähigen Produkten Wein, Rosinen, Olivenöl kamen im 20. Jahrhundert Tabak dazu. Besonders der verstärkte Anbau und die Weiterverarbeitung von Tabak führten zu einem Handelswachstum. Die Gerberei und Lederverarbeitung war für Karlovasi im ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Durch die Gründung der Winzergenossenschaft von Samos (Ένωσης Οινοποιητικών Συνεταιρισμών Σάμου) im Jahr 1934 konnten zwei Kellereien errichtet werden. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden Bürgerkrieg bis in die Mitte der 1970er Jahre waren von einer starken Abwanderung in die großen städtischen Zentren sowie in europäische Länder und nach Übersee geprägt. Die Rückkehr ehemaliger Auswanderer und der aufkommende Tourismus seit Beginn der 1980er Jahre kehrten die demographische Entwicklung um. Die Einnahmen aus dem primären Sektor bilden die wichtigste Einkommensquelle der meisten Bewohner gefolgt vom saisonalen Einkommen aus dem Tourismus oder zusätzlichen Einkommen aus Handwerk und Handel. Die Brandkatastrophe 2000 führte neben Landflucht zu einer zunehmenden Arbeitslosigkeit und einer vorübergehende Krise in Industrie, Handel und Tourismus.[16]

Tourismus

Potami-Bucht

Der Fertigstellung der Elektrifizierung in den 1960er Jahren sowie die Inbetriebnahme des Flughafens 1963 leiteten die Entwicklung des Tourismus ein. Die neuen Möglichkeiten führten seit den frühen 1970er Jahren zur unkontrollierten Entwicklung und Veränderung der wirtschaftlichen Ausrichtung der Inselbewohner.[17] Die Saison dauert fünfeinhalb bis sechs Monate von Ostern bis Mitte Oktober.

Ein stetiger Anstieg der ausländischen Gästezahlen war bis zum Ende des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen, mit nahezu 160.000 Besuchern im Jahr 1999. Zwischen 2001 und 2005 war eine signifikante Reduzierung der Gästezahlen zu verzeichnen, sie erholten sich 2006 und liegen seit 2007 bei 130.000 Urlaubern jährlich. Den Großteil der ausländischen Besucher stellen Deutsche und Briten, gefolgt von Holländern, Schweden und Dänen. Bei allen Besuchern ist der Strandurlaub am beliebtesten, obwohl die Bademöglichkeiten im Vergleich zu anderen Ägäisinseln nicht zu den besten zählen. Das Tourismusangebot verteilt sich auf die Küstenregionen, mit zwei Zentren Pythagorio im Süden sowie Kokkari im Norden. Die Tourismusbetriebe beschränken sich auf klassische Angebote wie Gastronomie, Autovermietungen und Souvenirläden. Aufgrund der abwechslungsreichen Landschaft und der Geschichte bieten sich für den Sanften Tourismus diverse Möglichkeiten, dieser Bereich ist bisher gering entwickelt. Die bestehenden Wachstumschancen sind bekannt und sollen zunehmend entwickelt werden.[18]

Ein beliebtes Souvenir aus Samos ist der Pythagoreische Becher.

Verkehr

Mit dem Flughafen Samos-Aristarchos verfügt Samos über eine Anbindung an den nationalen und internationalen Flugverkehr. Tägliche innergriechische Linienverbindungen bestehen nach Athen und Thessaloniki. In den Sommermonaten gibt es zahlreiche Charterflugverbindungen mit Nord-, West- und Mitteleuropa.

Die tägliche Fährverbindungen von Piräus mit Samos und Karlovasi werden von Hellenic Seaways oder G. A. Ferries bedient. Weitere Verbindungen von der Stadt Samos gibt es in den Norden bis Kavala und in den Süden bis Rhodos. Zudem gibt es in den Sommermonaten eine tägliche Personenschiffverbindung zum benachbarten türkischen Kuşadası. Von Pythagorio bestehen Verbindungen zu den südlich gelegenen Inseln Dodekanes-Inseln wie Patmos und Kos. Die Marina von Phythagorio verfügt über 260 Liegeplätze.[19]

Bereits seit 1920 verkehren öffentliche Busse. Mit der Gründung von KTEL Samou (ΚΤΕΛ Σάμου) 1950 und dem Anschluss an den KTEL-Verbund wurden die Verbindungen besser koordiniert. Zwischen den Hauptorten existieren heute täglich mehrere Verbindungen, abgelegene Orte wie Drakei werden nur einmal wöchentlich oder mit dem Schulbus angefahren.[20]

Archäologie

Tordurchlass der antiken Befestigungsanlage von Pythagorio, Samos

Samos ist reich an Ruinen antiker Baukunst.

Der Ort mit den mit Abstand meisten Überresten ist Pythagorio, die antike Stadt Samos mit ihren von Polykrates angelegten antiken Stadtmauern und Hafenanlagen, die Fundament der modernen Mole sind,[21] sowie dem zur verdeckten Wasserversorgung gebauten Tunnel des Eupalinos.[22] Dieser Tunnel wird fälschlicherweise des Öfteren den sieben antiken Weltwundern zugerechnet.

Ausgegraben ist auch das hellenistische Gymnasium der Stadt mit den Resten des dazugehörigen Stadions und der römischen Thermen.[23]

In der Ebene vor der antiken Stadt liegt das Heraion, ein bedeutendes antikes Heiligtum, der Göttin Hera geweiht. Der früheste Altar wurde am Beginn des ersten Jahrtausends v. Chr. errichtet. Er wurde in der Folge immer weiter vergrößert, indem er von neuen Altarbauten ummantelt wurde. Der sog. Rhoikos-Altar, der achte in dieser Folge, ist einer der bedeutendsten griechischen Altäre. In ähnlicher Weise wurde der Heratempel in immer größeren Abmessungen mehrmals neu errichtet, der Tempel in der Form eines Dipteros aus der Zeit des Polykrates zählt zu den größten griechischen Tempeln. Die antiken Fundamente sind weitgehend erhalten und tragen eine noch stehende Säule.

Bedeutende Persönlichkeiten

Neben dem Tyrannen Polykrates findet sich auf Samos auch die Wirkungsstätte des Philosophen und Mathematikers Pythagoras, der uns das abendländische Tonsystem beschert hat und nach dem auch der berühmte Satz des Pythagoras benannt ist. Pythagoras ist daher auf vielen mittelalterlichen Kirchenportalen mit dem Monochord abgebildet (siehe auch Pythagoras in der Schmiede). Die Stadt Tigani wurde 1955 zu Ehren des berühmten Mathematikers in Pythagoreio umbenannt. 1988 erhielt der Namensgeber der Stadt auf der Hafenmole ein Denkmal.

Ebenso wurde 341 v. u. Z. der Philosoph Epikur auf Samos geboren.

Ein bekannter Sohn der Insel ist außerdem der Sklave Äsop, der für seine Fabeln berühmt wurde.

Der Astronom Aristarchos von Samos, dem die Geschichtsschreibung das erste heliozentrische Modell des Sonnensystems zuschreibt, lebte auch auf Samos.

Ebenso lebten der Historiker Herodot und der große Bildhauer und Erfinder Theodorus von Samos für eine Weile auf Samos.

Liste der Städte

Name
deutsch
Name
griechisch
Einwohner (2001)[2] Gemeindebezirk Fläche km2[2]
Samos Σάμος 6.348 Vathy 9,37
Vathy Βαθύ 2.963 Vathy 43,64
Kokkari Κοκκάρι 974 Vathy 11,86
Karlovasi Καρλόβασι 6.030 Karlovasi 21,00
Marathokambos Μαραθοκάμπος 1.993 Marathokambos 48,10
Pythagorio Πυθαγόρειο 1.711 Pythagorio 5,30
Mytilinii Μυτιληνιοί 2.462 Pythagorio 34,93
Pagondas Παγόντας 1.298 Pythagorio 34,16
Chora Χώρα 1.422 Pythagorio 10,95

Galerie

Literatur

Weblinks

 <Lang> Commons: Samos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. Die Einwohnerzahl stammt aus einer Broschüre des griechischen Innenministeriums vom Mai 2010 anlässlich der Verwaltungsreform nach dem ‚Kallikratis-Gesetz‘: Elliniki Dimokratia, Ypourgeio Esoterikon, Apokendrosis ke Ilektronikis Diakyvernisis: "Programma Kallikratis," Systasi, syngrotisi Dimon, Periferion ke Apokendromenon Diikiseon gia ti Nea Architektoniki tis Aftodiikisis ke tis Apokendromenis Diikisis, Athen 2010.
  2. 2,0 2,1 2,2 Angaben des griechischen Amts für Statistik nach Volkszählung 2001 (PDF)
  3.  Charles Arnold (Hrsg.): Die Inseln des Mittelmeers. Ein einzigartiger und vollständiger Überblick. 2. Auflage. marebuchverlag, Hamburg 2008, ISBN 3866480962.
  4.  Παναγιώτης Χρήστου Μούρτζιος: Γεωμορφολογικά και υδρογραφικά χαρακτηριστικά που συνδέονται με την ανάπτυξη των χειμάρρων της νήσου Σάμου (Geomorphological and hydrological characteristics connected with the river network revolution in Samos island). Thessaloniki 2008, S. 47f. (griechisch)
  5. 5,0 5,1  Karte 210 Samos, 1:50.000. Road Editions, ISBN 978-960-8481-03-9.
  6. 6,0 6,1  Karte NA 6, Samos - Ikaria, 1:70.000. Z-Editions, ISBN 960-6693-12-0.
  7.  Καλλιόπη Σταύρου Σταυριανού: Αλλαγές στις χρήσεις γης και στο φυσικό περιβάλλον στη Σάμο κατά τον 20ο αιώνα (Land Use and Natural Environment Changes in Samos Island during the 20th century). Thessaloniki 2009, S. 63. S.15 (griechisch)
  8.  Zaira-Ekaterini Kritikou (Ζαΐρα-Αικατερίνη Κρητικού): Τα αίτια της λειψυδρίας και της πλημμυρογένεσης στα νησιά του βορειοανατολικού Αιγαίου (Ν. Λέσβου, Ν. Χίου, Ν. Σάμου) (The causes of water-shortage and flood creation in the islands of North Eastern Aegean sea (P. Lesvos, P. Chios, P. Samos)). Thessaloniki 2005, S. 193 (Dissertation Universität Thessaloniki, (griechisch), Online). S. 72
  9. National Meteorological Service of Greece, 1955–1997
  10. Ζαΐρα-Αικατερίνη Κρητικού S. 73 (griechisch)
  11.  E. Xoplaki, J. Luterbacher, R. Burkard, I. Patrikas, P. Maheras: Connection between the large-scale 500 hPa geopotential height fields and precipitation over Greece during wintertime. In: Climate Research. Vol. 14, 2000, S. 129–146 (Online (PDF; 3,6 MB)).
  12. Καλλιόπη Σταύρου Σταυριανού S.50f
  13.  A. P. Matzarakis, V. D. Katsoulis: Sunshine duration hours over the Greek region. In: Theoretical and Applied Climatology. Nr. 83, Thessaloniki 2006, S. 107–120. (englisch)
  14.  Ourania Kouka: Siedlungsorganisation in der Nord- und Ostägäis während der Frühbronzezeit (3. Jahrtausend v. Chr.). In: Internationale Archäologie. 58, Marie Leidorf Verlag, Rahden 2002, ISBN 978-3-89646-330-2, S. 276ff (Dissertation:Universität Heidelberg, 1996).
  15. Informationen des USGS über das Erdbeben von Samos am 11. August 1953. Informationen auf Englisch. Letzter Zugriff: 30. Juli 2008.
  16. Καλλιόπη Σταύρου Σταυριανού S. 65 f. (griechisch)
  17. Καλλιόπη Σταύρου Σταυριανού, S.80 (griechisch)
  18.  Universität der Ägäis (Hrsg.): Η Σημασία του Τουρισμού για την Ελληνική Οικονομία/Κοινωνία & Προτάσεις Πολιτικής για την Τουριστική Ανάπτυξη. Μελέτη Εκπονηθείσα για Λογαριασμό του Συνδέσμου Ελληνικών Τουριστικών Επιχειρήσεων (ΣΕΤΕ) (Studie im Auftrag des Verbandes griechischer Touristik Unternehmen (SETE)). Chios 2010, S. 102ff (Online (PDF; 2,7 MB)). (griechisch)
  19. Samos Marina, Pythagorio (englisch)
  20. KTEL Samou (englisch)
  21. SAMOS 15: H. J. Kienast, Die Stadtmauer von Samos (1978)
  22. SAMOS 19: H. J. Kienast, Die Wasserleitung des Eupalinos auf Samos (1996)
  23. SAMOS 16: Wolfram Martini: Das Gymnasium von Samos (1984)und SAMOS 17: Wolfram Martini - Cornelius Steckner: Das Gymnasium von Samos. Das frühbyzantinische Klostergut (1993)

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