Romantische Anthropologie


Die Romantische Anthropologie ist eine Richtung der Anthropologie, die um 1800 von Vertretern der Romantik und Weimarer Klassik entwickelt wurde. Sie hat vor allem in der Pädagogik eine Rolle gespielt.[1]

Kindheitsmythos

Die romantische Anthropologie geht in ihrer Betrachtung vom Kind aus und fragt, was den Menschen schon vor aller Erziehung auszeichnet. Es wird davon ausgegangen, dass im Kinde bereits alle Keime künftiger Entwicklung des Individuums vorhanden sind.[1] Diese Position wird auch als Apriorismus bezeichnet.[1] Der Erwachsene soll sich dieser Theorie zufolge am Kind ein Vorbild nehmen, da das Kind noch nicht durch Erziehung verdorben ist.[1]

Man findet den Kindheitsmythos z. B. in Goethes "Werther", bei Schiller, Hölderlin, Schleiermacher, Schlegel, Novalis, Jean Paul und Friedrich Fröbel.

Abgrenzung zur Aufklärung

Die romantische Anthropologie ist ein Gegenentwurf zur Aufklärung, die die Kindheit als Durchgangsstadium zum Erwachsenenalter und die Erziehung als Charakteristikum des Menschseins sah.[1]

Naturphilosophie

Der Kindheitsmythos hat in der romantischen Anthropologie seine gesellschaftliche Entsprechung. Insbesondere Schelling hat die Position von einem ursprünglichen Naturzustand ausgearbeitet, in dem der Mensch noch unvollkommen war und dessen Wiedererreichen ersehnt wird.

Nachwirkungen

Man findet bezüglich der Kindheit eine der romantischen Anthropologie ähnliche Position z. B. bei Maria Montessori und in vielen anderen Reformpädagogiken.

Da die romantische Anthropologie für eine biologische Interpretation offen ist, wurde im Kontext von Eugenik und Rassenhygiene an diese Position angeknüpft.[2]

Siehe auch

Ignaz Paul Vitalis Troxler

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Baader, Meike Sophia: Von der romantischen Anthropologie des Kindes zu einer modernen pädagogischen Anthropologie und einer zeitgemäßen Sicht des Kindes. In: Andresen, Sabine/Pinhard, Inga/Weyers, Stefan (Hrsg.): Erziehung - Ethik - Erinnerung : pädagogische Aufklärung als intellektuelle Herausforderung. Micha Brumlik zum 60. Geburtstag. Weinheim/Basel: Beltz 2007, 77-79
  2. Rölli, Marc: Anthropologische Machtverhältnisse. In: Krause, Ralf/Rölli, Marc (Hrsg.): Macht. Begriff und Wirkung in der politischen Philosophie der Gegenwart. Bielefeld: transcript 2008, 195

Literatur

  • Meike Sophia Baader: Von der romantischen Anthropologie des Kindes zu einer modernen pädagogischen Anthropologie und einer zeitgemäßen Sicht des Kindes. In: Andresen, Sabine/Pinhard, Inga/Weyers, Stefan (Hrsg.): Erziehung - Ethik - Erinnerung : pädagogische Aufklärung als intellektuelle Herausforderung. Micha Brumlik zum 60. Geburtstag. Weinheim/Basel: Beltz 2007, 76 - 89
  • Meike Sophia Baader: Unterlegene Erwachsene, überlegene Kinder. Der romantische Blick auf das Kind und die Kindheit. In: Eckart Liebau/Christoph Wulf (Hrsg.): Generation: Versuche über eine pädagogisch-anthropologische Grundbedingung, Weinheim: Deutscher Studienverlag 1996, 190 - 200
  • Heiner Ullrich: Das Kind als schöpferischer Ursprung. Studien zur Genese des romantischen Kindheitsbildes und zu seiner Wirkung auf das pädagogische Denken. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 1999

Weblinks


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