Magilb / CC BY-SA 4.0

Roland Hardenberg


Roland Josef Hardenberg (* 1967) ist ein deutscher Ethnologe. Er ist Direktor der Abteilung für Ethnologie[1] an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Biographie

Roland Hardenberg studierte Ethnologie, Neuere Geschichte, Politikwissenschaft und Südostasienwissenschaften an den Universitäten in Münster (Westfälische Wilhelms-Universität) von 1988 bis 1990, in Oxford (Oxford Brookes University ehemals Oxford Polytechnic) von 1990-91 und in Berlin (Freie Universität Berlin) von 1991 bis 1994. 1998 promovierte er an der Freien Universität Berlin mit einer Doktorarbeit zum Thema „Die Wiedergeburt der Götter: Ritual und Gesellschaft in Orissa“ und war wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Ethnologie.

2001 wechselte er, weiterhin als wissenschaftlicher Mitarbeiter, an das Südasien-Institut der Universität Heidelberg, wo er bis 2005 tätig war. Im selben Jahr habilitierte er sich an der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster. Der Titel seiner Habilitationsschrift lautet „Children of the Earth Goddess: Society, Marriage and Sacrifice in the Highlands of Orissa“.

Von 2006 bis 2007 war er Vertretungsprofessor an den ethnologischen Instituten der Freien Universität Berlin und der Eberhard Karls Universität Tübingen. Von 2007 bis 2009 leitete er das Forschungsprojekt „Bestattungskulturen in Kyrgyzstan“.[2]

2009 folgte er dem Ruf als W3-Professor an die Abteilung für Ethnologie der Eberhard Karls Universität Tübingen, wo er seither lehrt und die Abteilung leitet.

Forschungsschwerpunkte

Prof. Dr. Roland Hardenberg befasst sich mit der Erforschung sozio-kultureller Strukturen in Süd- und Zentralasien. Sein Interesse gilt kulturspezifischen Ideen und Werten, die den Rahmen für soziale Praxis bilden. Ausgehend von ethnographischen Untersuchungen in Indien und in Kyrgyzstan zielt seine Forschung auf das Verstehen lokaler Praktiken, welche Ausdruck geteilter sozio-kosmischer Vorstellungen sind. Sein besonderes Augenmerk gilt jenen kulturellen Phänomenen, die aus Sicht lokaler Gemeinschaften besonders eng mit eigener Identität und Weltsicht verknüpft sind. In Indien und Kyrgyzstan gehören dazu insbesondere religiöse Praktiken wie Tempelrituale, Opferzeremonien, Pilgerschaften und Bestattungen sowie Austauschbeziehungen, die auf spezielle Konzeptionen von „Verwandtschaft“, „Freundschaft“, „Nachbarschaft“ etc. schließen lassen. Hardenbergs Ansatz ist vergleichend, mit dem Ziel, kulturelle Differenzen und Gemeinsamkeiten zu verstehen. In methodischer Hinsicht arbeitet Hardenberg mit Techniken der empirischen Feldforschung im Rahmen langfristiger stationärer Aufenthalte vorwiegend in ländlichen Gebieten Süd- und Zentralasiens. Hardenbergs systematische Beiträge zur Ethnologie umfassen Themen wie Kulturvergleiche, Gabentausch, Hierarchie, Hausgesellschaften und ‚New Kinship‘.[3]

Feldforschungen

  • 1995–1996: 14 Monate in Puri/Orissa (Indien)
  • 2001–2003: 16 Monate in Rayagada/Orissa (Indien)
  • 2007–2008: 12 Monate in Bishkek und Tosor (Kyrgyzstan)
  • Verschiedene kürzere Forschungsaufenthalte in Pakistan, Bangladesch und Indien.

Publikationen (Auswahl)

  • The Renewal of Jagannatha’s Body. Ritual and Society in Orissa. [Überarbeitete, englische Übersetzung von R. Hardenberg, 1999, Die Wiedergeburt der Götter] New Delhi, Manak Publications 2011.
  • König ohne Reich: Rituale des Königtums in Orissa (Indien). Berlin, Schiler Verlag, 289 Seiten, Fotos, Glossar + Appendix. [2. vollständig überarbeitete Auflage von R. Hardenberg, 2000, Ideologie eines Hindu-Königtums]. 2008.
  • Die Wiedergeburt der Götter. Ritual und Gesellschaft in Orissa. (Herodot - Wissenschaftliche Schriften zur Ethnologie, Bd. 1) Hamburg, Kovac Verlag 1999.

Einzelnachweise

  1. Abteilung für Ethnologie
  2. „Bestattungskulturen in Kyrgyzstan“
  3. http://www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/philosophische-fakultaet/forschung/forschung-in-den-disziplinen/ethnologie-des-asiatisch-orientalischen-raumes/prof-dr-roland-hardenberg.html

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