Dominik Hundhammer / CC-BY-SA-3.0

Propylon


Propyläen in München vom Lenbachhaus aus gesehen

Als Propylon (von griechisch πρόπυλον „etwas vor dem Tor“; Plural Propyla; auch Propylaion, Plural Propylaia oder eingedeutscht Propyläen) wird der Torbau bezeichnet, der in den üblicherweise durch Mauern umgrenzten Bezirk (Temenos) griechischer Heiligtümer, später auch in andere öffentliche Gebäude und Anlagen führt. Für bestimmte Torbauten wird auch die Pluralform Propyläen verwendet. In der Antike wurden mit den Pluralformen Propylaia oder Propyla nicht nur großartige Toranlagen bezeichnet, die Begriffsunterscheidung zu Propylon bleibt aber unklar.

Geschichte

Bereits aus mykenischer Zeit sind in der Burg von Tiryns (13./14. Jahrhundert v. Chr.) Torbauten bekannt, die in ihren Grundzügen der später üblichen Form entsprechen. Nach längerer Unterbrechung sind Propylonbauten erst wieder in archaischer Zeit vorerst in Form recht bescheidener Giebelbauten belegt.

Die Grundform des Propylon umfasst eine Türwand seltener mit einer, meist mit mehreren Öffnungen, und zwar üblicherweise in ungerader Anzahl. Vor die Türwand treten seitlich Mauerzungen (Anten), die eine mit einem Giebel überdachte Vorhalle tragen, bei größeren Spannweiten durch Säulen unterstützt. Für freistehende Propylonbauten wurden der doppelantenförmige oder der amphiprostyle Bau zur geläufigen Form.

Die Propyläen der Akropolis von Athen

Die Propyläen der Akropolis von Athen, in klassischer Zeit unter Perikles ab dem Jahr 437 v. Chr. durch den Architekten Mnesikles erbaut, erreichen bis dahin unvorstellbare Größe und sind der bedeutendste und zugleich ungewöhnlichste Torbau. Es handelt sich um einen Komplexbau. An einen Mittelbau, den eigentlichen Torbau, sind seitlich niedrigere Hallen als Flügel angefügt, die den Aufweg umfassen und einen Vorplatz bilden. Weitere geplante Anbauten auf der dem Heiligtum zugewandten Seite wurden nicht mehr ausgeführt. Die Torwand des Mittelbaus wird von fünf Toren durchbrochen; die Fronten des Baus sind von Giebeln bekrönt und umfassen jeweils sechs dorische Säulen, die vor die Anten gestellt sind. Im Innern der äußeren Halle säumen ionische Säulen den mittleren Weg und tragen die Kassettendecke und das Dach.

Im Hellenismus findet der architektonisch ausgestaltete Torbau weiteste Verbreitung und zeichnet den Zugang eines jeden öffentlichen Gebäudes aus. Sogar bei Privathäusern wird dieser in ähnlicher Weise, wenn auch in schlichterer Form als sogenanntes Prothyron ausgebildet.

In der frühen Kaiserzeit treten neue Typen von Torbauten auf, sogenannte Bogentore und Aedikulatore, deren Fronten mit Aedikulen geschmückt sind.

Nachbauten in der Neuzeit

Propyläen auf dem Königsplatz in München

Die Propyläen der Akropolis von Athen waren Vorbild für viele neuzeitliche Nachbauten vor allem in der Zeit des Klassizismus; beispielsweise in München die Propyläen am Königsplatz oder – in den Motiven der Gesamtanlage näher an das Athener Vorbild angelehnt – das Brandenburger Tor in Berlin am Pariser Platz.

Die im dorischen Stil gestalteten Propyläen in München ließ der 1848 zurückgetretene König König Ludwig I. aus seiner privaten Kasse zum Andenken an den Freiheitskampf der Griechen von Leo von Klenze von 1854 bis 1862 erbauen. Die reichen Skulpturen in den Giebelfeldern und die Reliefs an den Turmwänden wurden von Ludwig Schwanthaler entworfen.

Literatur

  • James R. Carpenter: The Propylon in Greek and Hellenistic Architecture. Dissertation, Pennsylvania University, Pennsylvania 1970
  • Meral Ortac: Die hellenistischen und römischen Propyla in Kleinasien. Dissertation, Ruhr-Universität, Bochum 2003 (Volltext)

Weblinks

 <Lang> Commons: Propylon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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