Petschenga


Dieser Artikel behandelt das Gebiet Petschenga. Informationen zum gleichnamigen Fluss findet man unter Petschenga (Fluss).
Siedlung städtischen Typs
Petschenga
Печенга
Flagge Wappen
Flagge Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Murmansk
Rajon Petschenga
Bevölkerung 3188 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 1 m
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahl (+7) 81554
Postleitzahl 184410
Kfz-Kennzeichen 51
OKATO 47 215 562
Website www.pechenga.ru
Geographische Lage
Koordinaten 69° 33′ N, 31° 13′ O69.55527777777831.2211111111111Koordinaten: 69° 33′ 19″ N, 31° 13′ 16″ O
Petschenga (Russland)
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Lage in Russland
Petschenga (Oblast Murmansk)
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Lage in der Oblast Murmansk

Petschenga (russisch Печенга, finnisch Petsamo, nordsamisch Beahcán, skoltsamisch Peäccam) ist eine Siedlung städtischen Typs im äußersten Nordwesten Russlands mit 3188 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010).[1] Das Gebiet Petschenga grenzt im Westen an Finnland und Norwegen sowie im Norden an einen Fjord der Barentssee. Der Ort liegt 6 km südlich des Endes des Petschengafjords, der nach weiteren 17 km nordöstlich die Barentssee erreicht.

Geschichte

Fischerboote in Petschenga. Gemälde von Konstantin Korowin, 1894
Das Gebiet von Petsamo in den Grenzen von 1920–1944. Grün: 1940 abgetreten, Rot: 1947 abgetreten

Die ursprünglichen Bewohner des Gebietes waren Skoltsamen.

Petschenga wurde 1920 im Frieden von Dorpat vom bolschewistischen Russland an das nunmehr unabhängige Finnland abgetreten. Kurzzeitig bildete es eine eigene Provinz, bis es 1921 an die Provinz Lappland angeschlossen wurde. Petschenga wurde für Finnland bedeutend, da der Ort Liinahamari (russisch Liinachamari /Лиинахамари) dank des Golfstroms der einzige ganzjährig eisfreie Hafen des Landes war. Jedoch hat die Eisfreiheit des Hafens nicht zum Bau einer Eisenbahnlinie geführt, so dass Finnland über diesen Hafen keine nennenswerte Fracht verschiffen konnte. Auch wurde der Ort zu einem beliebten Touristenziel.

1924 wurden in der Region große Nickelvorkommen entdeckt, zu deren Ausbeutung Finnland ab 1934 englische, kanadische und französische Unternehmen beauftragte.

1940 besetzte die Rote Armee im Winterkrieg das Gebiet, die Sowjetunion trat es mit Ausnahme der Fischerhalbinsel (Kalastajansaarento) im Frieden von Moskau aber wieder ab.

Nach der Besetzung Norwegens durch Deutschland stellte Petsamo einen wichtigen Knotenpunkt für die Versorgung der Wehrmacht sowie einen wichtigen Stützpunkt der Luftwaffe (Eismeerjäger, insbesondere das Jagdgeschwader 5) dar. Murmansk wurde von Petsamo aus wiederholt von Luftwaffe, Wehrmacht und finnischen Verbänden angegriffen. Das äußerst unwegsame Gelände erlaubte jedoch fast ausschließlich Luftangriffe, insbesondere auf die strategisch äußerst wichtige Murmanbahn nach Moskau, durch die der Nachschub der Nordmeergeleitzüge vom Hafen Murmansk ins Kampfgebiet Mittelrusslands befördert werden konnte.

Finnland trat im Waffenstillstand von Moskau vom 19. September 1944 Petschenga an die Sowjetunion ab. Im Frieden von Paris (1947) erhielt die Sowjetunion zusätzlich noch das Gebiet von Jäniskoski aus der Gemeinde Inari.

Seither wurde die Schwerindustrie erheblich ausgebaut, mit fatalen Folgen für die Umwelt. Der Boden und das Grundwasser der Region sind heute hochgradig kontaminiert. Zu Sowjetzeiten war Petschenga für Ausländer gesperrt, da die Nordmeerflotte rund um Murmansk das weltweit größte Kernwaffenarsenal hortete.

In der Nähe befindet sich der deutsche Soldatenfriedhof Parkkina/Petschenga, auf dem 5705 Soldaten bestattet sind.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1959 3458
1970 2576
1979 2084
1989 2671
2002 2959
2010 3188

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Geologie

In der Ortschaft Nikel befindet sich eine bedeutende Nickellagerstätte.

Söhne und Töchter des Ortes

  • Andrei Monastyrski (* 1949), russischer Künstler und Autor
  • Maila Nurmi (1921–2008), US-amerikanische Schauspielerin
  • Erno Paasilinna (1935–2000), finnischer Autor und Journalist

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)

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