Peripteros


Grundriss eines Peripteros
Das Hephaisteion in Griechenland

Peripteros (griech. ὁ περίπτερος <ναός> - der "ringsbeflügelte" Tempel, auch Peripteraltempel oder Ringhallentempel genannt), ist ein Typus des antiken Tempels, bei dem die Cella von einem durch einen Säulenkranz (Peristasis) begrenzten Umgang (Pteron) umgeben ist.

Der Peripteros ist wohl die bekannteste und am weitesten verbreitete Form des griechischen Tempels. Sein Naos ist fast immer als Antentempel oder Doppelantentempel gebildet. Daher weist der Peripteros in der Regel einen Pronaos und evtl. einen Opisthodom auf, die aus den vorspringenden Anten und zumeist zwei dazwischen stehenden Säulen gebildet sind.

Der Peripteros hat in der Regel sechs Säulen an Fronten und Rückseiten. Die Anzahl der Säulen an den Langseiten konnte hingegen stark variieren. War sie vor allem in archaischer Zeit hoch (Heraion in Olympia (Griechenland) mit 6 x 17 Säulen), pendelte sich für die dorischen Tempel die Lösung mit 13 Säulen an den Langseiten in klassischer Zeit ein. Doch kamen auch Tempel mit 6 x 15 Säulen (Apollontempel in Delphi) oder 6 x 14 (Tempel der Athena Alea in Tegea) weiterhin vor, wenn auch nur als Reminiszenz an archaische Vorbilder. Am Übergang zum Hellenismus konnten die Proportion gedrungener ausfallen, wie die Tempel des Asklepios in Epidauros mit 6 x 11 Säulen oder der Athena in Pergamon mit 6 x 10 Säulen beweisen. Eine Sonderform unter den dorischen Tempel stellt der Parthenon auf der Akropolis von Athen mit seinen 8 x 17 Säulen dar. Gleichwohl folgt auch er dem klassischen Verhältnis der Säulenzahlen nach dem Schema Frontsäulen x Flankensäulen = n x 2n+1.

Peripteroi ionischer Ordnung waren meist etwas kleiner dimensioniert und gedrungener in ihrem Säulenverhältnis. So hatte der Zeustempel in Labraunda nur 6 x 8 Säulen, der Apollontempel in Alabanda nur 6 x 9 Säulen, der Athenatempel in Priene 6 x 11 Säulen. Gleichwohl konnten auch dort Tempel archaischer Zeit 6 x 18 Säulen aufweisen (Heraion von Samos).

Unkonventionell fielen oftmals die Peripteroi in Großgriechenland aus. Neben klassischen Lösungen (Athenatempel in Paestum 6 x 13 Säulen) hatten zahlreiche Tempel gestreckte Proportionen von 6 x 14 oder 6 x 15 Säulen, was bei vielen auf ihre Entstehung in archaischer Zeit zurückzuführen ist. Doch gab es auch Tempel mit einer ungeraden Anzahl der Frontsäulen wie dem Heratempel I (sog. Basilika) in Paestum mit seinen 9 x 18 Säulen, der dennoch nicht als Pseudodipteros zu betrachten ist. Bei diesem Tempel waren entgegen allen Gepflogenheiten die Frontjoche gegenüber den Flankenjochen verkürzt, während die klassische Lösung die umgekehrte Ausführung oder gleichmäßige Jochweiten erwarten ließe.

Überhaupt findet sich in Unteritalien viel häufiger eine gewisse Unabhängigkeit der einzelnen Gebäudeteile. Während die Tempel des Mutterlandes oder Ioniens den Naos fest in den Rhythmus der Säulenstellung eingebunden haben, indem Säulenfluchten und Wandfluchten sich eindeutig aufeinander bezogen, scheinen die großgriechischen Baukörper in der umgebenden Ringhalle zu schwimmen. Oft waren weder die Cellawände auf die Frontsäulen in irgendeiner Form ausgerichtet, noch schlossen die Anten mit einer aus unterem Säulendurchmesser oder den Achsweiten zu ermittelnden Linie ab.

Die wenigen als Peripteros anzusprechenden Tempel Unter- und Mittelitaliens weisen immer gedrungene Säulenverhältnisse auf, wie der Apollotempel in Pompeii (6 x 10 Säulen), Tempel A in der Area sacra di Largo Argentina in Rom (6 x 9 Säulen) oder der Castortempel auf dem Forum Romanum in Rom (6 x 11 Säulen).

Auch im Alten Ägypten wurden Tempel in ähnlicher Form als Umgangstempel gebaut, ein Beispiel ist der Tempel Amenophis III. auf Elephantine.

Verwandte Tempeltypen

Sind die Säulen der Langseiten dem Naos nur als Halbsäulen vorgeblendet, spricht man von einem Pseudoperipteros. Ein Peripteros mit einem doppelten Säulenkranz wird als Dipteros bezeichnet. Auch diese Bauform kommt in einer Abwandlung vor, dem Pseudodipteros, dessen innere Säulenstellung weggelassen wurde.

Weitere Beispiele

Literatur


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

21.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Million...
11.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge...
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...