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Ostslawen


Ostslawen
  • Ostslawische Sprachen
Slawen
  • Slawische Sprachen

Die Ostslawen sind ein Zweig der Slawen, dessen Sprachen den ostslawischen Sprachen zuzuordnen sind. Der Siedlungsgebiet der Ostslawen erstreckte sich im Frühmittelalter von Ostpolen bis zum Schwarzen Meer im Süden und dem Ilmensee im Norden. Im Verlauf der fortschreitenden slawischen Ostsiedlung wurden im zentralrussischen Raum baltische und finno-ugrische Stämme assimiliert. Zu den ostslawischen Stämme zählten im 7. und 8. Jahrhundert:

Gebiete der Ostslawen (dunkelgrün) im 7. und 8. Jahrhundert
  • Buschanen (Бужане) – am Oberlauf des Südlichen Bug, Nachfahren der Duleben (Дулебы)
  • Dregowitschen (Дреговичи) – im Zentrum des heutigen Weißrussland – Hauptstadt Turow
  • Drewlanen (Древляне) – entlang des Prypjat – Hauptstadt Iskorosten
  • Kriwitschen (Кривичи) – Nordwestrussland – Hauptstädte Pskow und Smolensk
  • Polanen (Поляне) – am rechten Ufer des Dnepr in der Nordukraine – Hauptstadt Kiew
  • Polotschanen (Полочане) – an der Westlichen Dwina – Hauptstadt Polozk
  • Radimitschen (Радимичи) – zwischen oberem Dnepr und Desna – Hauptstadt Gomel
  • Sewerjanen (Северяне) – nordöstliche Ukraine – Hauptstadt Tschernigow
  • Slowenen (Словене) – zwischen Ilmensee und Ladogasee – Hauptstadt Nowgorod
  • Tiwerzen (Тиверцы) – entlang des Dnestr – Hauptstadt Peresetschen
  • Ulitschen (Уличи) – zwischen Dnepr und Südlichen Bug
  • Weiße Kroaten (Белые Хорваты) – im heutigen Galizien – Hauptstadt Peremyschl
  • Wjatitschen (Вятичи) – entlang der Oka – Hauptstadt Moskau
  • Wolhynier (Волыняне) – im heutigen Wolhynien, Nachfahren der Duleben (Дулебы) – Hauptstadt Tscherwen

Die Ostslawen sprachen die altostslawische Sprache. Sie lebten von Landwirtschaft und Jagd, wobei sie bereits früh anfingen, Städte und Burgen zu gründen. Deshalb hieß ihr Gebiet, durch das wichtige Handelsrouten entlang des verzweigten Flusssystems gingen, im altnordischen Sprachgebrauch Gardarike, ‚Reich der Städte‘. Der erste Staat, in dem die Ostslawen politisch vereint waren, war ab dem 9. Jahrhundert die Kiewer Rus. Während dieser Periode übernahmen die Ostslawen das orthodoxe Christentum aus Byzanz sowie die kyrillische Schrift.

Nach dem Zerfall der Kiewer Rus in der Folge der Mongoleninvasion gerieten ihre Westgebiete unter litauische und polnische Herrschaft, während die östliche Rus im Einflussbereich der Goldenen Horde blieb. Aufgrund der unterschiedlichen Schicksale der Ostslawen begann sich ab dem 14. Jahrhundert eine kulturelle Spaltung abzuzeichnen. Im Großfürstentum Litauen wurde die ruthenische Sprache gesprochen, die zur Vorläufen des Ukrainischen und Weißrussischen wurde. Im Osten entwickelte sich die russische Sprache.

Nach der Befreiung des östlichen Teils der Rus von der Tatarenherrschaft entwickelte sich zwischen den Großfürstentümern Moskau und Litauen eine Rivalität, um die Ostslawen unter ihrer Herrschaft erneut zu vereinen. Im Rahmen dieser Rivalität kam es zu mehreren russisch-litauischen und russisch-polnischen Kriegen. Dem Russischen Reich gelang es, beinah alle ostslawische Gebiete bis auf Galizien zu erobern. Im Rahmen der vor der Oktoberrevolution weltweit gängigen Konzeption wurden alle Ostslawen als Russen bezeichnet und in Großrussen, Kleinrussen und Weißrussen unterteilt. Während der Sowjetzeit wurden Großrussen zu Russen und Kleinrussen zu Ukrainern. Manche Ethnologen betrachten die Russinen als ein viertes ostslawisches Volk.

Heute bilden die Ostslawen mit knapp 200 Millionen Menschen der größte Gruppe der Slawen.

Siehe auch

Literatur

  • Frank Kämpfer: Ostslaven. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 6, Artemis & Winkler, München/Zürich 1993, ISBN 3-7608-8906-9, Sp. 1546–1549.

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