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Ortsneckname


An den aus dem Kriegsjahr 1917 stammenden Necknamen Moosrebber der Oberfeller erinnert ein Denkmal in dem Moselort

Ortsneckname (auch Ortsneckerei, Utznamen oder niederdeutsch Terneidsnamen) ist die scherzhafte Bezeichnung der Ortseinwohner durch die Bevölkerung benachbarter Orte. In der Regel erzählt man sich eine schwankhafte Geschichte (nicht selten aber auch mehrere, voneinander abweichende), die den Ortsnecknamen erklärt (vergleichbar einer ätiologischen Sage). Häufig ist der Ursprung des Necknamens aber nicht mehr bekannt.

In der Ethnologie werden solche (oft gegenseitige) spöttische Beziehungen von Volksgruppen joking relationships genannt.

Beispiele

Eselsbrunnen am Rheinufer in Königswinter

Schwäbisch Haller werden häufig als Haller Doofele bezeichnet. Der Vorname David und dessen Deminutiv Davidle, im lokalen Dialekt als [ˈdɔːˌfɪd] und [ˈdɔːfɪdˌle] ausgesprochen, war bei den Reichsstädtern früher beliebt. Spottwillige assoziieren diesen Namen mit doof, obwohl dieses Wort in Süddeutschland ursprünglich unbekannt war.[1]

Einwohner von Königswinter werden Äselsdriewer (rheinisch für Eselstreiber) genannt. Mit Eseln wurden Steine aus dem Steinbruch am Drachenfels abtransportiert. Außerdem waren sie wichtige Arbeitstiere beim Weinanbau. Als immer mehr Touristen den Drachenfels besuchten und den Gipfel bestiegen, nutzte man sie als Reittiere für Besucher.

Die Einwohner der Gemeinde Mönchberg im Spessart sind für ihre Gesetzestreue bekannt. Sie beriefen sich in der Vergangenheit immer wieder auf ihre alten Rechte (Weisthum von 1396). Man sagte den Mönchberger Bauern nach, "sie hätten das Gesetzbuch am Pflug hängen". Das brachte den Mönchbergern den Spitznamen - Ortsnecknamen "Gesetzbücher" ein[2].

Umwertung

Denkmal für die Thürer Somporsch

Ursprünglich meist höchst abfällig gemeint, wurden die Ortsnecknamen im 20. Jahrhundert häufig von den so Verspotteten selbst aufgegriffen und mit Stolz als Teil ihrer Identität betrachtet, was man als Strategie des Stigma-Managements bezeichnen könnte.

Als Beispiel für das Wechselspiel von positivem Selbstbild und Negativ-Stereotyp nennen sich die „eingefleischten“ Fellbacher stolz Moiekäfer (Maikäfer), während sie Neubürger abfällig als Engerlinge bezeichnen.

Gelegentlich sind den Ortsnecknamen moderne Denkmal-Skulpturen gewidmet.

Forschungsgeschichte

Die maßgebliche volkskundliche Monographie hat Hugo Moser vorgelegt. In den letzten Jahren erscheinen vor allem in Süddeutschland populär ausgerichtete Bücher mit Necknamen-Sammlungen (z. B. David Depenau 2001–2004).

Siehe auch

  • Liste der Ortsnecknamen in Stadt- und Landkreis Aschaffenburg
  • Liste der Ortsnecknamen im Landkreis Miltenberg

Einzelnachweise

  1. „Seit David die Edomiter im Salztal schlug, d.h. die Reichstadt Hall die aufständischen Bauern im Felde besiegte, kam dort der Name David auf, … bis die Haller Salzsieder den Spottnamen Doovelich (= Davidlein) erhielten (es muß vermerkt werden, dass das niederdeutsche doof für taub und stumm in Süddeutschland unbekannt war).“ Gerd Wunder, „Wandel der Vornamen“ in: „Bauer, Bürger, Edelmann“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen, 1991.
  2. Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Landkreis Miltenberg 2003

Literatur

  • Hugo Moser, Schwäbischer Volkshumor. Die Necknamen der Städte und Dörfer in Württemberg und Hohenzollern, im bayrischen Schwaben und in Teilen Badens sowie bei Schwaben in der Fremde mit einer Auswahl von Ortsneckreimen. Auf Grund der Sammlung von Michael Greiner u.a.. Stuttgart, Kohlhammer 1950
  • Ortsneckerei, in: Enzyklopädie des Märchens 10, Seite 376-382

Weblinks


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